Tenuta Nuova: Ein Wein mit Tradition

Zum Jubiläum erscheint Jahrgang 2013 mit Goldetikett

© Othmar Kiem

Zum Jubiläum erscheint Jahrgang 2013 mit Goldetikett

© Othmar Kiem

Von vielen selbsternannten Gralshütern eines diffusen Traditionsbegriffes hört man immer wieder, dass dies kein »richtiger« Brunello sei, zu modern, zu fruchtbetont, zu früh zugänglich, solch ein Wein könne niemals gut altern. Anlässlich des 20. Jahrganges des »Tenuta Nuova« machte Giacomo Neri die Probe aufs Exempel und lud eine ausgewählte kleine Runde von Journalisten aus der ganzen Welt zur Verkostung aller bisher erzeugten Jahrgänge. 

Vater Giacomo uns Sohn Giovanni könnten stolz auf ihren Wein sein

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Frucht und Körper als neuer Stil

Giacomo Neri hatte gerade erst den Betrieb übernommen, als er in den 1980er Jahren ein Stück Land im Süden von Montalcino, zwischen Castelnuovo dell’Abate und Sant’Angelo in Colle fand, dass ihm eine Erweiterung ermöglichte. Zu Beginn der Verkostung erinnert sich Giacomo, wie er damals seine Mutter im alten Panda dorthin brachte. Die zeigte anfänglich wenig Begeisterung, zu wild erschien ihr das Land. Das intensive Licht überzeugte sie schließlich. Gemeinsam mit seinem damaligen Berater Carlo Ferrini wollte Giacomo Neri dort einen Brunello der neuen Art erzeugen: von ausgewählten Sangiovese-Selektionen in Dichtpflanzung, vergoren im Stahltank, ausgebaut im Barrique und im großen Holzfass; ein Brunello der nicht so sehr von der Säure sondern vom Körper lebt – und der auch gut reifen kann. Mutter Neri – sie verstarb wenige Tage vor der Verkostung – hatte in den folgenden Jahren allen Grund, stolz auf ihren Sohn und seinen Wein zu sein. 

Faszinierendes Farbenspiel

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Die Spitze des Brunello

Erstmals für internationale Aufmerksamkeit sorgte der Tenuta Nuova 2006, als der Weinspectator den 2001er zum Wine of the Year kürte. Der Jahrgang 2010 wurde dann sowohl vom Wine Advocat als auch von James Suckling mit 100 Punkten ausgezeichnet. Auch für den Falstaff zählte der Tenuta Nuova all die Jahre hindurch zur absoluten Spitze bei Brunello. Im Unterschied zu anderen raren Spitzenweinen ist der Tenuta Nuova auch zu finden: rund 60.000 Flaschen werden jährlich erzeugt. Der Jahrgang 2002 wurde nicht erzeugt, 2004 wurde wegen Korkfehler aus der Wertung genommen. Auch 1998 und 1999 waren keine optimalen Flaschen. Die übrigen Jahrgänge aber strahlten. Die jüngeren Jahrgänge (2010, 2012, 2013) waren großartig, auch ältere Jahrgänge wie 1997 oder 1993 waren begeisternd. Keine Spur von alt und ausgezehrt, sondern präsent und genussvoll. Star des Abends war der 2001er, ein grandioser Wein, der gerade seine volle Trinkreife erreicht. 

The next Generation: Giovanni Neri

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Und wie ist das nun mit Tradition und Moderne? »Nach 20 Jahren wird man doch wohl auch bei einem modernen Wein von Tradition sprechen dürfen,« meint Giacomo Neri schmunzelnd. 

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