Tägliche Challenges des (Hoch) Alpinen Hoteliers

Axel Pfefferkorn leitet seit 2008 das »Hotel & Chalet Aurelio« in Lech.

© Matthias Weissengruber

Axel Pfefferkorn leitet seit 2008 das »Hotel & Chalet Aurelio« in Lech.

© Matthias Weissengruber

Jeder Gast liebt die perfekte Ski-in/Ski-out Lage direkt an der Skipiste, umgeben von herrlich verschneiten Fichten und Tannen – mindestens 500 Meter über dem Nebel. Für uns Gastgeber und Hoteliers ist die Lage wesentlich mitentscheidend, ob ein wunderschön designter und mit allem Schnick-Schnack ausgestatteter Hotel- bzw. Beherbergungsbetrieb auch von der Klientel angenommen und immer wieder gebucht wird.

Genau diese Lage am gar nicht so zentralen Nabel der Welt ist es allerdings auch, die uns dann das Leben schwer macht. Dem ungeübten Flachland Range-Rover Cowboy, der seine »off-road ­special edition« bisher immer nur aus der Garage der Metropole rausgesteuert hat, muss die Angst vor der Anreise auf schneeglatten Passstraßen genommen werden. Jeder Küchenchef muss nicht nur das Menü des nächsten Tages auf die Diversität der verschiedenen Kulturen und Ansprüche der jeweiligen Gäste des Hauses an­passen – er sollte auch ganz genau den Zustellrhythmus ­seiner Lieferanten und eventuell mögliche Straßensperren – mit dadurch bedingtem Lieferausfall – im Auge behalten. Selbstverständlich muss dem Kunden ein heimeliges Zimmer nicht nur mit High-Tech-, sondern am besten auch Familienanschluss beim Gastgeber geboten werden. W-Lan und beheizte Sitze im Lift sowie Pisten im Top-Zustand sind inzwischen so selbstverständlich wie internationale Zeitungen in 5 Sprachen und eine Auswahl an Hafer-, Reis- und Sojamilch.

Abenteuer light

Im »Hotel & Chalet Aurelio« versuchen wir den Bogen zwischen Traditionellem und Urbanem zu spannen. Wir bieten dem internationalen Kunden, der im Spa-Heimkino vom Pool aus den neuesten Blockbuster streamt, ebenso die Möglichkeit zu einer Schneeschuhwanderung mit drei wolligen Alpakas. Mit unserer »Natural Art Cuisine« kreieren wir aus hauptsächlich einheimischen Produkten wie der Lecher Bachforelle, Fichtenwipfel und Vogelbeer Gerichte auf interna­tional höchstem Niveau.

Kurz gefasst: Der Skifahrer von heute sucht Erholung in Regionen, welche ihm das gewisse Natur-Abenteuer, von dem er all seinen Freunden zu Hause erzählen kann, bieten. Jedoch – und genau das ist die große Herausforderung des hochalpinen Hoteliers – sollte dieses Abenteuer so sicher und planbar sein, dass der Kunde jederzeit wieder zurück in seinen Geschäftsalltag kann.

Durch die Globalisierung und wesentlich vereinfachten Reisemöglichkeiten kennt der Winterabenteurer schon fast alle schönen Winkel dieser Erde. Er logiert in Top-Betrieben in Paris, Dubai und New York – und erwartet den selben Service und eine ebensolche Qualität in jedem Bereich seines Urlaubes auch mitten in den Alpen auf 2000 Metern.

Da wir österreichischen Winter-Hoteliers ja sehr anpassungsfähig sind, haben wir Mittel und Wege gefunden, die neuen Aufgaben immer wieder zu meistern. Aus meiner Sicht ist es enorm wichtig – speziell als Hotelier eines kleinen Dorfes mit internationalem Publikum –, dessen Wünsche und Erwartungen zu verstehen. Am besten kann man diese wichtigen Erfahrungen in frühen Ausbildungsjahren im Ausland sammeln. Nach Reisen in fremde Kulturen, die helfen, den Horizont in jeder Hinsicht zu erweitern, erkennt man am Ende, dass es in unserer Heimat doch am schönsten ist.

Kolumne »Tägliche Challenges des (Hoch) Alpinen Hoteliers« aus Falstaff KARRIERE 03/16. Von Axel Pfefferkorn

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