Stormarn in Schleswig-Holstein wird zum Weinbaugebiet

So könnte der Weingarten in Stormarn aussehen.

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So könnte der Weingarten in Stormarn aussehen.

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Im Frühsommer dieses Jahres erhielten drei Männer Post vom Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung, darin die Genehmigung für die Neupflanzung von Weinreben in der Gemeinde Bargteheide und Delingsdorf im Kreis Stormarn. Schleswig-Holstein, Norddeutschland.

Schleswig-Holstein ist bislang nicht wirklich als Weinanbaugebiet bekannt, zwei Hektar bewirtschaftet Sven von Hedemann-Heespen vom Gut Deutsch-Nienhof am Westensee und auf Sylt pflegt der hessische Winzer Christian Ress in der Keitumer Senke ein Fleckchen von 0,3 Hektar, es gibt Wein aus Malente und der Holsteinischen Schweiz. Nachbar Hamburg pflegt ein winziges Weingärtchen oberhalb der St. Pauli Landungsbrücken für den Eigenbedarf (Stintfang Cuvée).

»Los, das machen wir!«

Sven Dohrendorf
Sven Dohrendorf

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Jetzt sind drei Männer angetreten, den Weinanbau in Norddeutschland weiter nach vorn zu bringen: Weinhändler Sven Dohrendorf aus Ahrensburg und seine Mitstreiter, der Diplomingenieur und Gartenbauer Jörn Andresen, sowie Leon Zijlstra, Student der Internationalen Weinwirtschaft an der Fachhochschule Geisenheim, planen auf einer Fläche von insgesamt 3,3 Hektar Wein anzubauen: »Los, das machen wir, haben wir irgendwann gesagt!«, Sven Dohrendorf lacht. Begünstig durch ein mildes Kleinklima auf der geplanten Anbaufläche, die von windschützenden Knicks, sogenannten Wallhecken durchzogen wird, ist die Mission der neuen Wein»berg«-Besitzer tatsächlich erfolgversprechend! »Außerdem macht es riesigen Spaß!«, strahlt Dohrendorf. Eben hat er die Ergebnisse der Bodenanalyse bekommen, so ein guter Boden im Rheingau, das wärs, sagen die Fachleute.

15.000 Reben sollen gepflanzt werden

Was klingt, wie eine Wein gewordene Schnapsidee, hat Hand und Fuß. Die Planung ist konzentriert und zielgerichtet und auch wirtschaftlich soll der Weingarten im Norden ein Erfolg werden - das Projekt ist auch Thema der Bachelor-Arbeit von Leon Zijlstra: »Businessplan zur Gründung eines Weingutes in Schleswig-Holstein«. Geplant ist der Anbau von drei verschiedenen Rebsorten und insgesamt 15.000 Reben.  Zunächst steht, voraussichtlich im Frühjahr 2017, die Pflanzung von 5.000 Reben an, dann wenn die Nächte frostfrei sind. Erst in den Folgejahren werden weitere Reben gepflanzt, Erfahrungen gesammelt. Derzeit setzt man auf die frühreife Rebsorte Solaris, die sich auch durch eine sehr gute Frostfestigkeit und hohe Zuckerleistung auszeichnet. »Wir werden vielleicht auch einen Gemischten Satz machen«, sagt Sven Dohrendorf.

Es wird ein Weißwein sein

Noch müssen sich die Schleswig-Holsteiner aber gedulden bis der erste Wein aus heimischem Anbau im Glas funkelt, bis zu drei Jahre dauert es, ehe die neuen Rebstöcke ihren vollen Ernteertrag einbringen. Die Ernte soll dann im befreundeten Weingut Gebrüder Eser im Rheingau verarbeitet werden. Ob es dann Weine aus biologischem oder konventionellen Weinanbau geben wird, das steht noch nicht fest, lediglich die Farbe des Weines ist gesetzt: es wird ein Weißwein sein, zum Rotwein fehlen dann doch ein paar Sonnenstunden in Schleswig-Holstein. Spätestens 2020 soll aber Stormarner Wein genossen werden können. Und wie werden Weingut und Wein heißen? Dohrendorf erklärt: »Der Name wird entstehen, das gibt sich, irgendwas Natürliches, Ursprüngliches, das wünsch ich mir.«