Sterndeutung: Julia Komp und René Kalobius im Talk

Zwei Personen, zwei Karrieren, zwei Medienhypes. Die Verbindung: Julia Komps und René Kalobius erster Stern.

© Melanie Bauer / Werner Krug

Zwei Personen, zwei Karrieren, zwei Medienhypes. Die Verbindung: Julia Komps und René Kalobius erster Stern.

© Melanie Bauer / Werner Krug

Geboren in Engelskirchen hat Julia Komp im Kölner Restaurant »Zur Tant« ihre Kochlehre absolviert. Im »Schloss Loersfeld« übernimmt Komp im November 2015 die Position der Küchenchefin und stieg mit nur 27 Jahren im Guide Michelin 2017 zu Deutschlands jüngster Sterneköchin auf.

KARRIERE: Sie sind Deutschlands jüngste Sterneköchin. Welche Veränderungen hat diese Auszeichnung in Ihrem Leben bewirkt?
JULIA KOMP: Mittlerweile hat sich die Lage wieder etwas entspannt, am Anfang sind wirklich viele Anfragen über mich hereingebrochen und mir fällt es schwer, Nein zu sagen. Es entstand ein richtiger Rummel und es hat mir gefallen, ich habe es genossen. Aber inzwischen freue ich mich auch wieder, einfach mal in der Sonne zu sitzen und nichts zu tun.

Haben Sie mit der Auszeichnung gerechnet?

Gerechnet wäre viel zu viel gesagt, man malt sich so etwas aus. Ich habe wirklich gekämpft, mein Team und ich haben sehr, sehr viel Arbeit investiert und manche Dinge im Restaurant ordentlich auf den Kopf gestellt. Ich habe darauf gehofft, es war mein größter Wunsch und Gott sei Dank habe ich es geschafft.

Wie hat sich die Auszeichnung auf Ihre Arbeit und Ihren Betrieb ausgewirkt?

Ich war vorher schon immer sehr streng mit mir selbst, ich bin Perfektionistin. Meine Devise: Jeden Tag ein bisschen besser. Für den Betrieb kann ich sagen, dass uns die Medienpräsenz gutgetan hat. Uns besuchen neue Gäste, besonders freut es mich, wenn sie extra meinetwegen von weit her kommen. Das ist schon eine Ehre! Nach einem langen Radiointerview besuchten mich zwei Herren (95 und 97 Jahre), sie haben mich sprachlos gemacht. Beide konnten alle Themen des Interviews wiedergeben und sie haben mir sogar noch Fragen gestellt. Das hat mich wirklich sehr beeindruckt. Das macht glücklich, diese Gefühle sind unbezahlbar.

Der »erste Stern« ist erreicht. Was folgt nun?
Das ist eine gute Frage, die ich mir bis jetzt immer noch selbst stelle. Mein Ziel war es seit sieben Jahren, einen Stern zu erkochen. Ich dachte, das Ziel werde ich mit 30 bis 35 erreichen. Jetzt ist dieses doch schon größere Ziel viel früher erreicht als gedacht. Zwei Sterne wären der Hammer. In erster Linie möchte ich am Ball bleiben und unsere Gäste und meinen Chef glücklich machen.

Sie leben und arbeiten in Köln und sind nicht weit von hier aufgewachsen. Haben Sie manchmal Fernweh?
Ich wollte immer weg, aber es kamen sehr viele Chancen dazwischen, die ich einfach ergreifen musste. Die Jugendnationalmannschaft, meine neu gegründete Regionalmannschaft »Garde Culinaria«, Jugendwartin beim Colonia Kochkunstverein und zuletzt die Stelle als Küchenchefin im Schloss. Wieso sollte ich Köln verlassen? :-)

»Mein Ziel war es, einen Stern zu erkochen.«
Julia Komp, Küchenchefin

René Kolabius

Der aus Düren stammende René Kalobius blickt auf Stationen auf Teneriffa, in Indonesien, Costa Rica und Namibia. Vom deutschen TV- und World-Toques-Sternekoch wurde er 2014 zum toskanischen Landgutsbesitzer, bevor er 2015 als pendelnder Küchendirektor im »Parkhotel Surenburg« startete. 2016 entschied er sich, sein Leben nach Westfalen zu verlegen. Kurz vor seinem 57. Geburtstag erhielt Kalobius als ältester neu Ausgezeichneter den ersten Guide-Michelin-Stern.

KARRIERE: Sie sind Deutschlands ältester Sternekoch. Welche Veränderungen hat diese Auszeichnung in Ihrem Leben bewirkt?
RENÉ KALOBIUS: Ich wurde auf diesen Umstand, dass ich der älteste Sternekoch bin, aufmerksam gemacht. Und dann ging das Medientreiben los und eine Anfrage folgte der nächsten. Es ist auf jeden Fall ein großer Traum in Erfüllung gegangen. Es war emotional der größte und bewegendste Moment meiner Karriere als Koch. Da sind schon viele Tränen geflossen. Es wird die Leistung des ganzen Teams ausgezeichnet. Meine Mannschaft und meine Chefs, Familie Breitung, haben an mich und mein Konzept geglaubt und wir alle haben dafür gekämpft.

Haben Sie mit der Auszeichnung gerechnet?
Ich dachte, dass für mich der Zug längst abgefahren ist. Ich hatte immer diese Legende im Kopf, wenn man über 45 ist, gibt es keinen Stern mehr. Deshalb habe ich mit weit über 50 gar nicht mehr daran gedacht. Das sind halt im Nachhinein gesehen diese Märchen, die sich hartnäckig halten, wie so viele andere Mythen, die sich um den Stern halten. Susanne und Alexander Breitung haben mir bei meinem Arbeitsantritt im November 2015 immer gesagt, dass der Michelin kein Alterslimit hat: Die Küchenleistung wird bewertet und nicht das Alter des Küchenchefs.

Wie hat sich die Auszeichnung auf Ihre Arbeit und Ihren Betrieb ausgewirkt?
Bei mir persönlich hat sich eigentlich nichts verändert. Die sehr positive Veränderung, die ich merke, ist die Tatsache, dass wir in der »Westfälischen Stube« viel mehr zu tun haben als im letzten Jahr.

Der »erste Stern« ist erreicht. Was folgt nun?
Auf jeden Fall ist es mein Ziel, den Stern auch in diesem Jahr zu verteidigen und vor allem unsere Gäste glücklich zu machen. Spätestens ab Oktober gehen jedes Jahr die Spekulationen los, wer der jüngste Sternekoch wird. Vielleicht spekuliert man ab jetzt auch, wer der älteste wird. Heute kann ich sagen, dass ich froh bin, dass ich das im Alter von 57 Jahren gemacht habe, weil man gelassener damit umgeht. Ich bin auf der Zielgeraden in meinem Berufsleben angekommen und kann mit viel Spaß und, ohne großen Druck zu spüren, so weitermachen.

Sie waren Ihr Leben lang umtriebig und reisten durch die Welt. Sind Sie nun sesshaft geworden?
Ich habe sehr viel gesehen und erlebt und ich bin sehr dankbar dafür, denn diese Erfahrungen haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin. Nein, der Eindruck trügt nicht. Im »Parkhotel Surenburg« bin ich insoweit sesshaft geworden, dass ich mir nicht vorstellen kann, noch einmal in ein anderes Restaurant oder Hotel zu wechseln. Ich denke, dass es meine letzte Station als Küchenchef oder Direktor ist. Ich habe hier die Freiheiten, die ich brauche. Solange ich nicht das Gefühl habe, gefangen oder fremdbestimmt zu sein, ist alles gut.

»Alter schützt vor Sternen nicht.«
René Kalobius, Küchenchef

Artikel aus Falstaff Karriere 03/17.

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