Stardesigner Tom Dixon im Exklusiv-Interview

Hello, Mr. Tom Dixon – LIVING besuchte den erfolgreichen Produkt-Designer in seinem neuen Bürokomplex in King’s Cross. tomdixon.net

© Ian Gavan

Hello, Mr. Tom Dixon – LIVING besuchte den erfolgreichen Produkt-Designer in seinem neuen Bürokomplex in King’s Cross. tomdixon.net

© Ian Gavan

LIVING: Gratulation zu Ihrem neuen Büro und Showroom! Obwohl Sie seit mehr als drei Jahrzehnten desi­gnen und eine Top-Karriere zelebrieren, gibt es keinerlei Anzeichen der Ermüdung. Ganz im Gegenteil, wie man sieht …
Tom Dixon: Das ist die Schönheit des Designs, dem keine Grenzen gesetzt sind. Es gibt viele verschiedene Richtungen, viele Typologien, die es noch zu bearbeiten gilt. Irgendwie bin ich erst am Anfang. Aufgepasst, da kommt in der Zukunft noch viel mehr.

Woran denken Sie? Etwas komplett Neues? Vielleicht ein Fashionprojekt!
Ich war immer in der Fashionwelt vernetzt. Meine ersten Kunden waren Vivienne Westwood und Comme des Garçons. Aber wenn man Möbel entwickelt, will man sich damit nicht so rasant und kurzfristig bewegen. Wir müssen nicht bis zu vier verschiedene Kollektionen im Jahr hervorzaubern. Mit Möbeln ist man Gott sei Dank keinem saisonalen Rollercoaster ausgesetzt. Das ist natürlich für die Medien nicht so spannend, denn alle wollen ständig über neue Trends schreiben. Und die heutige Instagram-Welt macht’s vor: Ein Trend wird gepostet, und bereits nach 30 Minuten ist er schon wieder out.

Und trotzdem bevorzugen Sie die sichere, konservativere Variante?
Ja, aber deshalb ist es natürlich nicht weniger kompliziert. Es ist heikel, eine Balance zu finden, trendige Stücke zu entwerfen, ohne dass dabei die Nachhaltigkeit verloren geht. 

Und trotzdem bevorzugen Sie die sichere, konservativere Variante?
Ja, aber deshalb ist es natürlich nicht weniger kompliziert. Es ist heikel, eine Balance zu finden, trendige Stücke zu entwerfen, ohne dass dabei die Nachhaltigkeit verloren geht. 

Genau wie bei dem ikonischen »S«-Chair. Der ist nach wie vor ein Hit.
Das sind natürlich wirklich vom Schicksal begünstigte Würfe. Und natürlich bedeutet das auch immer wieder ein wenig Druck. Die Marke Tom Dixon ist eine eigene Firma, aber sie gehört mir nicht mehr allein. Es ist mittlerweile ein Private Equity Fund eingestiegen, der die Mehrheit hält. Das heißt, man muss sich weiterentwickeln und expandieren.

Zum Beispiel? 
In den Elektronik-Bereich einzusteigen, wäre interessant, das habe ich noch nicht gemacht. Aber dafür brauche ich eine neue, perfekte Zeiteinteilung. Dadurch, dass meine Kreationen im Gebrauch zu Hause funktionieren sollen, dauert das Prozedere natürlich umso länger. Produkte durchlaufen viele Runden, bevor sie im Verkauf angeboten werden, denn der Kunde verdient es natürlich, für das viele Geld, das er ausgibt, auch ein perfektes Ergebnis zu bekommen. Und natürlich brauchen wir einen Warenbestand. Das heißt: Wir produzieren und produzieren. Und so ist man als Designer manchmal etwas limitiert in der Entwicklung für Neues.

»Licht ist für viele Kunden wie ein Entertainment-Objekt, denn es verändert die Atmosphäre eines Raums komplett. Es ist wie ein Schmuckstück, das sich wie als letztes Steinchen eines Mosaiks in den Raum einfügt und eine enorme Auswirkung auf das Ganze hat.« Tom Dixon über Lichtdesign

Impressionen des Showrooms

Ich habe gelesen, dass es Ihnen wichtig ist, dass man mit Design auch gesellschafts­politische Interessen verfolgen sollte? 
Ich mache derzeit viele dekorative Objekte fürs Zuhause. Es wäre sinnvoll, etwas zu leisten, was in irgendeiner Art und Weise die Welt retten könnte. Mithilfe der Regierung und einer guten Finanzierung könnte man Objekte für Menschen entwickeln, die zum Leben notwendig sind, aber für diese Menschen nicht leistbar. Und wenn es nur ein Projekt ist, wofür Randgruppen mit echtem Handwerk etwas schaffen, das dann verkauft werden kann. Ich spreche da von speziellen Projekten in Nigeria und Indien, wo wir mit der Unterstützung des British Council ein Projekt für Metallarbeiter ins Leben gerufen haben.

Was sind für Sie die Kriterien bei der Entwicklung eines neuen Objekts?
Nun, 50 % denke ich kommerziell, bei den anderen 50 % interessiere ich mich für den Kreativprozess. Die Skulptur, das Modell. Wie es letztendlich funktioniert. Unsere Klientel ist sehr anspruchsvoll und meist sehr design­affin, sie kennst sich also damit aus, was sie kauft. Der Spagat zwischen Entertainment und Funktionalität ist dabei immer groß, die Objekte müssen ihre Pflicht erfüllen, gleichzeitig aber so attraktiv sein, dass sie auch als Geschenk infrage kommen. Das ist meine tägliche Herausforderung.

Im Gegensatz zum Lighting-Design blieben Möbel in den letzten Jahren eher konservativ. Beim Licht spricht man von Contemporary Art. Wie erklären Sie diesen Trend?
Ja, das ist richtig. Die meisten Leute, die heute Möbel kaufen, lieben es traditionell und eher konservativ. Einen Tisch kauft man sich nicht jeden Monat neu – das Design sollte über viele Jahre gut wirken. Die letzte richtige Revolution bei Möbeln gab es wohl in den 60ern. Da gab es jede Menge Plastik und Stretch-Details. Beim Lichtdesign hingegen hat sich aus der Perspektive eines Ingenieurs alles geändert.

Licht als Wissenschaft also?
Warum nicht? Der technische Part erlaubt es mittlerweile, mit vielen verschiedenen Formen zu spielen und dennoch nicht seine Wirkung zu verlieren. Lichtdesign ist für viele Kunden ein Entertainment-Objekt. Licht verändert die Atmosphäre eines Raums. Es ist wie ein Schmuckstück, das sich wie als letztes Steinchen eines Mosaiks in den Raum einfügt und eine enorme Auswirkung auf das Ganze hat. Meine Kunden sind bereit, mit extravaganten Licht-Objekten ein weitaus mutigeres Risiko einzugehen als mit Möbeln. Und für Designer ist es generell interessant, in einem Raum zu arbeiten, wo ein wissenschaftlicher Prozess im Gange ist.

Themenwechsel: Sie haben ein Restaurant in Ihrem neuen Büro- und Geschäftskomplex gestaltet. Das »Coal Office« ist nicht weniger durchdesignt als Ihr Store und Ihre Produkte, noch dazu kann man herrlich essen …
Ich wollte eine Erlebniswelt schaffen. Möbelgeschäfte allein finde ich immer so langweilig, und in diesem Restaurant kann man sowohl meine Möbel, die Stoffe und Accessoires betrachten als auch ein herrliches Genusserlebnis haben. Diese Kombination halte ich für gelungen, da man eine Atmosphäre so viel besser fühlen kann.

Das wäre doch ausbaufähig!
Sie sagen es. Am liebsten würde ich mich den ganzen Tag dort aufhalten, meine Businessmeetings dort abhalten, und für das Nightlife würde ich doch glatt eine Disco integrieren. Frühstück wird es übrigens auch bald geben.

Das schreit direkt nach einer Fortsetzung! »Tom Dixon designt neuerdings Restaurants!«
Ich würde es lieben, denn es wäre meine Leidenschaft. Ich habe französische Wurzeln und bin ein Gourmet. Sie werden es nicht glauben, aber ich koche sogar manchmal dort.

ERSCHIENEN IN

LIVING Nr. 05/2018
Zum Magazin

MEHR ENTDECKEN

Mehr zum Thema

News

LIVING hearts Osterdecor

In einer Woche ist es wieder soweit: es wird fleißig nach Ostereiern gesucht und der Ostertisch gedeckt. Aber Ostern muss nicht immer kitschig sein...

News

LIVING hearts: Alles Fassade

Äußere Werte für den Innenraum: Exterior inspiriert aktuell die Wohnwelt und sorgt für architektonische Designs, die gleichermaßen auf Humor bauen.

News

Get the Look: Heavenly Curry

Eine kräftige Prise Curry sorgt für neue Würze im Wohnraum. Der trendige Farbton kommt dabei am besten bei Accessoires und Statement-Stücken zum...

News

Champion und Rebell – ein Exklusivinterview mit Robert Stadler

Kunst? Alltagsgegenstand? Design? Es sind die sich eröffnenden Zwischen-räume, die Robert Stadler in seinen Arbeiten mit großer Leidenschaft...

News

Gourmet-Eldorado: Table-Decor

Mit vielen News, Musts und attraktiven Table-Decor-Freuden das neue Jahr zelebrieren – lassen Sie sich von unseren Tipps inspirieren!

News

Designnews Wien: Die wichtigsten Termine im März

Welche Termine sollten notiert werden? Ein kurzer Überblick über die wichtigsten Ausstellungen, Messen und Events, in Wien.

News

Get the Look: Royal Navy

Wir sehen blau: Maritimes Königsblau ist nicht nur in der Mode das neue Schwarz! Auch in Interior-Fragen übernimmt »Midnight Navy« die souveräne...

News

Designers to watch: Nachhaltigkeit

Idealismus trifft Ästhetik – zwei Newcomer, die beide auf unterschiedliche Art und Weise die (Design-) Welt nicht nur schöner, sondern auch...

News

Homestory: Über den Dächern von Paris

Ein filmreifes Zusammenspiel aus französischem Savoir-faire, internationalem Geschmack und inspirierender Kunst – Designer Fabrice Juan inszenierte...

News

Die wichtigsten Interior-Trends der neuen Saison

Was kommt, was bleibt, was muss weichen: In Sachen Interior-Trends bestimmen Cosiness, Natürlichkeit und geschmackssichere Zurückhaltung das Jahr....

News

Der »Designer des Jahres 2019« Sebastian Herkner im Exklusiv-Interview

Er ist endgültig im europäischen Design-Olymp angekommen. Sebastian Herkner, 37, der mit seinem innovativen gestalterischen Elan begeistert, ist von...

News

LIVING hearts: Farrow & Ball

Die englische Kultmarke Farrow & Ball erweitert ihr Sortiment und launcht eine Tapeten-Linie, inklusive stylischer Metallic-Effekten. Höchste Zeit die...

News

Doppelt Freude schenken mit der LIVING Home-Collection und Lederleitner

LIVING hat sich zum diesjährigen Valentinstag etwas ganz Besonderes ausgedacht. Verschenken Sie zum Tag der Liebe eine Duftkerze aus der ersten LIVING...

News

LIVING hearts: Wiener Geflecht

Eines der weltweit bekanntesten Designs feierte auf der diesjährigen Maison & Objet in Paris sein großes Comeback. Höchste Zeit für eine kleine...

News

Design-News im Februar

Was kommt? Was ist en vogue? Wer designt mit wem und warum? Ein kurzer Newsflash aus der Welt des Designs und der Architektur.

News

Eames Plastic Chair – Design-Klassiker gewinnen!

In Kooperation mit Behan & Thurm am Schwarzenbergplatz und Vitra verlosen wir ein Exemplar des 1950 von Charles und Ray Eames entworfenen Stuhls.

Advertorial
News

Die Top-Tipps für Scandinavian-Living

Wenn jemand etwas von der kälteren Jahreszeit versteht, dann sind es die Skandinavier. Design- und Interiorprofi Christine Thorsteinsson von BoConcept...

News

Die Highlights der »imm cologne« 2019

LIVING ist immer auf der Suche nach den neuesten Trends. Letzte Woche waren wir auf der »imm cologne«, einer der wichtigsten Interior-Messen weltweit...

News

LIVING hearts: Recycle-Chic

Welche Brands sind Vorreiter bei der Verwendung recycelter Materialien und produzieren Interior-Pieces, die nicht nur stylish, sondern auch...

News

Wie guter Schlaf die Welt verbessern kann – Hästens im Portrait

Hästens hat etwas geschafft, das auf den ersten Blick paradox erscheint. Das schwedische Unternehmen revolutioniert den Schlaf mithilfe von Tradition....