Tommy R. Möbius im Interview. Foto ©Kai Gebel
Tommy R. Möbius im Interview. Foto ©Kai Gebel

In seiner Geburtsurkunde steht »Tommy«, auf Fotos lacht er selten, weil er seinen Beruf ernst nimmt und seine Energie führt er nach seinen eigenen Angaben auf das Obelix-Syndrom zurück. Als Kind sei er – so wie Obelix – in einen Zaubertrank gefallen. Der gebürtige Leipziger ist nicht auf den Mund gefallen. Ehrgeiz, Selbstdisziplin und eine kämpferische Natur zeichnen ihn aus.

Sie sind ehrlich und direkt. Eigenschaften, mit denen Sie sich mehr Freunde oder Feinde machen?
Als Chef ist Ehrlichkeit unbedingt notwendig. Diese braucht man, um erfolgreich zu sein. Natürlich macht man sich nicht immer Freunde, aber gerade beim Kochen ist Ehrlichkeit wichtig. In der Küche herrscht nun mal eine andere Sprache und ein anderer Ton, diese müssen aber nicht nach außen getragen werden.   

Sie wurden in die Gastronomie hinein geboren. Hätte es einen anderen Weg für Sie gegeben?
Nein. Ich habe einmal kurz ins Versicherungswesen hineingeschnuppert. Es war aber nichts für mich. Denn am Ende des Tages ist nichts da, ich konnte nichts vorweisen. Kochen ist ein Handwerk, wir haben Ergebnisse. Und diese brauche ich. 

Sie bleiben von Schicksalsschlägen nicht verschont. Zuerst der unerwartete Tot Ihres Vaters, letztes Jahr folgte Ihre Mutter.   
Das ist die dunkle Seite der Gastronomie. Ich habe nach dem Tod meines Vaters alle Mitarbeiter übernommen. Auf einen Schlag bin ich um zehn Jahre gealtert. Zeit zu trauern, blieb mir nicht. The show must go on! Schicksalsschläge sind Privatsache. Meine Eltern haben mir es auch so vorgelebt.

Zweifelsohne sind Sie ein Kämpfer. Was schwebt Ihnen für Ihre Zukunft vor?
Ich mache alles mit Maß und Ziel. Natürlich wäre der 2. Stern fein bzw. 17 / 18 Punkte. Man kann im Leben aber nichts einfordern, alles ist Gott gegeben. Vielleicht wäre es einmal schön, nicht mehr jeden Tag 17 Stunden im Betrieb zu stehen.  

Sie sind kein Jammerer. Lange Arbeitszeiten und schlechte Bezahlung führen jedoch zu einem Rückgang des Nachwuchses in der Branche.
Hier ist definitiv Gesprächsbedarf gegeben. Die Einstellung der Jugend hat sich erschreckend geändert. Es ist nicht die finanzielle Seite, sondern es geht der Jugend viel mehr um ihre Freizeit. Es werden gesellschaftspolitisch falsche Signale ausgesendet. Bei einem Rechtsanwalt redet niemand darüber, wieviele Stunden er in der Woche arbeitet. Jemand der erfolgreich sein will, geht nicht um 16 Uhr nach Hause!  

Wie gehen Sie mit dieser Entwicklung in Ihrem Betrieb um?
Ich habe einen 22-Jährigen in meinem Betrieb, der weitaus mehr verdient, als ich in seinem Alter. Wer bei mir Leistung erbringt, wird dementsprechend entlohnt. Unsere Branche ist nicht einfach. Ein Koch kann am Wochenende nicht ins Kino, auf ein Konzert oder auf eine Feier gehen. In meiner Zeit im Fabios habe ich ein Schichtsystem eingeführt – bis 15 Uhr und ab 15 Uhr. Solche Dinge motivieren die Mitarbeiter.

Was sollte sich ein junger Mensch überlegen, der noch nicht genau weiß, wo sein beruflicher Weg hingeht?
Er hat sich 3 Fragen zu stellen: Wo komme ich her? Wo bin ich? Wo will ich hin? Ein junger Mensch muss sich Gedanken darüber machen,  was er wirklich will. Bevor er sich für eine Branche entscheidet, empfehle ich ein vier-wöchiges Praktikum. Nur so kann man sich vorstellen, wie es in der Welt der Gastronomie auch wirklich abläuft.  

Was macht einen guten Koch aus?
Koch ist ein hochemotionaler Beruf. Liebe, Lust und Leidenschaft musst du haben. Fehlt dir nur eines davon, wirst du nicht erfolgreich sein.  

Karriereprofil Tommy R. Möbius:
Tommy R. Möbius begann seine Karriere bei Axel Müller. Es folgten Stationen bei Joachim Wissler im Restaurant »Vendôme«, bei Martin Scharff im Landarthotel Wartenberger Mühle und bei Armin Karrer im »Weber’s Gourmet im Turm«. 2003 kam Möbius nach Österreich und fing als Sous Chef im Restaurant »Fabios« in Wien an. Dieses bekam unter seiner Führung im Jahr 2004 einen Michelin-Stern. Im selben Jahr erhielt Möbius auch die GaultMillau Auszeichnung »Newcomer 2004«. Von 2006 bis 2011 war er Küchenchef im Restaurant »Bauer«, wo er sich wieder einen Michelin-Stern erarbeitete und jedes Jahr bestätigte. Im Juli 2011 hat er die Leitung der Gesamtkulinarik im Restaurant »Die Ente« im SeeHotel Ketsch übernommen. 2013 wurde Möbius zum Botschafter des traditionsreichen »Schwetzinger Meisterschuss«-Spargels ernannt.    

www.dermoebius.com
www.moebius-shop.de

(von Alexandra Gorsche)

 

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