Das Jahresende naht. Damit einher gehen nicht nur Bleigießen, Glücksbringer-Standln und Feuerwerke, sondern auch die Bilanzen werden immer konkreter. Und mit sich abzeichnenden roten Zahlen sinkt die Motivation so mancher Gastronomen, noch weiter durchzuhalten. Normalerweise kann das Weihnachtsgeschäft noch so manches retten, aber wenn sogar auf die lukrativen Weihnachtsfeiern verzichtet wird, dann stehen die Zeichen wohl auf Sturm. Die Pforten des RieGi sind geschlossen, das Salut hat ebenfalls dicht gemacht und das Orlando di Castello holt sich noch die weihnachtlichen und Silvester-Umsätze ab, bevor es im Februar die Rolläden herunter lässt. Wobei es natürlich passieren kann, dass sich hier noch ein Investor mit Faible für Weiß findet und das schicke Lokal übernimmt.

Arrivederci RieGi
Beginnen wir mit dem RieGi in der Wiener Schauflergasse nahe der Hofburg. Erst im Sommer wurde die Küche komplett erneuert und durch die Firma Lohberger auf den neuesten Stand der Technick gebracht. Trotzdem Küchenchef Georg Rotböck und sein Team wirklich auf hohem Niveau werkten, wurde das RieGi nicht zu dem Publikumsmagneten, den sich die Familie Dienelt erhofft hatte. Mit Anfang Dezember wurde der Laden dicht gemacht und die Zukunft ist komplett offen. Sicherlich versucht man ob der getätigten Investitionen einen neuen Betreiber zu finden, aber die Ausrichtung ist völlig offen.

Adieu »Salut«
Das Lokal am Wiener Wildpretmarkt galt unter Gourmetfreunden als das beste französische Restaurant der Donaumetropole. Chefkoch und Betreiber Florian Cmyral hielt den Betrieb mit immer neuen Ideen und hervorragender Qualität am Leben. Zuletzt begeisterte er mit dry aged Beef und vielerlei neuen Kreationen. Doch heute werkt Cmyral Insiderinformationen zufolge in verantwortungsvoller Position bei Do&Co und das Gourmet-Bistro ist geschlossen - laut Homepage »wegen Umbau«.

Adios Orlando di Castello
Warum das rundum gehypte Lokal auf der Wiener Freyung nach kaum zwei Jahren schon wieder schließen soll, ist vielen ein Rätsel. Der komplett in weiß gehaltene Hybrid aus Konditorei, Café und Restaurant war ein Paradebeispiel von durchgestyltem Konzept mit geglücktem Trendsetting. Außenstehende Beobachter registrierten eine rege Nachfrage und kaum freie Tische, die Restaurantkritiker sangen Lobeshymnen über die Qualität und Orignialtät des Angebots. Und dennoch soll das Lokal nach Falstaff-Anfrage im Februar zusperren. Und dass obwohl es dem Betreiber Karl Wlaschek junior auch dank seines betuchten Vaters und Besitzers der Immobilie nicht an dem nötigen Kleingeld fehlen sollte. Die Tageszeitung »Heute« wollte von einem buchhalterischen Fehlbetrag von 730.000 Euro wissen.

Versiegter Jungbrunnen
Auch im Tiroler Tannheimer Tal wurde vom Rotstift offenbar intensiv Gebrauch gemacht. Die Familie Gutheinz, die Besitzer des edlen Wellnesshotels Jungbrunn, musste vor Kurzem die Schließung des Restaurants Jungbrunnstube Gourmet bekannt geben. Im Falstaff-Restaurantguide war es zuletzt noch mit drei Gabeln und 90 Punkten geadelt worden.

(von Bernhard Degen)