Sommelier Andreas Jechsmayr im Interview

Andreas Jechsmayr: »Bester Sommelier Österreichs«.

© Christine Miess

Andreas Jechsmayr »Bester Sommelier Österreichs 2018«.

Andreas Jechsmayr: »Bester Sommelier Österreichs«.

© Christine Miess

PROFI: Sie sind der beste Sommelier Österreichs. Wie wichtig sind derartige Wettbewerbe für die Branche?
Andreas Jechsmayr: Sehr wichtig wegen der Wahrnehmung. Köche haben viele Wettbewerbe und bringen sich dadurch ins Rampenlicht, so soll es auch beim Servicepersonal sein. Und natürlich für die Kandidaten selber, damit sie durch Vorbilder den Drang zur Weiterbildung und die Bereitschaft des Vorankommens verspüren. Der Wettbewerb findet nur alle drei Jahre statt, somit ist der Titel rar.

Wie wichtig war Ihnen die Teilnahme beim »Besten Sommelier Österreichs«? Was waren die Beweggründe?
Nach dem Gewinn des Titels war die Teilnahme sehr wichtig. Die Beweggründe waren zum einen, als Vertreter für den oberösterreichischen Sommelierverein teilzunehmen, zum anderen sich mit Kollegen zu messen sowie Österreich bei der Weltmeisterschaft in Belgien 2018 vertreten zu können. Und natürlich Kollegen zu treffen, Netzwerke zu erschließen und Spaß zu haben.

Wie nehmen Sie den Stellenwert dieses Wettbewerbs in der Branche wahr?
Gemischt. Viele Sommeliers mögen solche Wettbewerbe, andere betrachten diese mit weniger Priorität. Wichtig ist der tägliche Job im Restaurant, den der Sommelier macht. Wettbewerbe können das Selbstvertrauen stärken, auch auf Grund des medialen Echos – Kollegen können sich so in ein Rampenlicht schieben. Wettbewerbe sind also auch ein Ansporn besser zu werden und stärken zudem den professionellen Auftritt im Restaurant. Ich denke, dass die Branche allgemein davon profitiert.

Wie nehmen Sie den Stellenwert Ihres Berufsstandes in der Branche wahr?
Im Teamgefüge soll jeder seine Position haben, egal ob weiße oder schwarze Brigade. Die Köche werden oft als Superstars der Branche empor gepushed. Ein Sommelier kann mit guter Getränkebegleitung und guten Gastgeber-Qualitäten einen Restaurantbesuch wertvoller und unvergesslich machen. Die Servicemitarbeiter sollten neben der Küche gleich positioniert sein. Der Eine kann nur mit dem Anderen zu Topform auflaufen.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?
Alles. Der Umgang mit Getränken, die Gäste, die Empathie, die man über Jahre entwickelt, heraus zu finden, was die Gäste möchten. Dies ist die Kunst im Restaurant. Es kommt nicht von irgendwo, wenn man sagt, die Wünsche von den Augen ablesen.

Was müsste man verändern, um den Stellenwert noch mehr zu heben bzw. um diesen Berufsstand für den Nachwuchs noch attraktiver zu gestalten?
Der Nachwuchs ist ein ganz starker Punkt. Bei rückgängigen Ausbildungszahlen in der Gastronomie muss etwas gemacht werden. In der Welt der Sommeliers muss der Nachwuchs durch weitere Trainings unterstützt werden. Das Sommelier Diplom, das jeder Absolvent durch Fleiß und Studium erwirbt, ist erst der Anfang. Und an diesem Punkt dürfen die jungen Menschen nicht alleine gelassen werden. Mentoring gibt es in vielen Berufssparten, in der Gastronomie ist es einfach, da man Tag für Tag auf engem Raum zusammenarbeitet, und so die Leute leichter an der Hand nehmen kann. Die Branche ist eine kleine, so kann es auch im Kreis der Landes-Sommeliervereine zu Weiterbildungen und Trainings kommen, wie es beispielsweise Salzburg durch einen Sommelier-Stammtisch sehr erfolgreich vorzeigt. Hier sitzen die Ressourcen oft in den Verbänden selbst, die man aktivieren kann.

Was bedeutet Ihnen der erste Platz?
Ja doch einiges. Nach einigen zweiten Plätzen jetzt doch ganz oben angekommen zu sein, ist schon sehr zufriedenstellend. Ich bin auch sehr zufrieden. Eher ungewöhnlich in meinem Alter, aber manche Dinge brauchen ein wenig länger.

Sie vertreten Österreich bei den Weltmeisterschaften. Wie bereiten Sie sich auf Antwerpen vor? 
Sehr konzentriert und fokussiert. Der Trainingsplan steht. Die kommenden 100 Tage werden sehr intensiv.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Profi Magazin 06/2018
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