Slow Food: Bringen Sie Zeit mit

Das Lesachtal ist nicht nur das naturbelassenste Tal Europas, sondern auch ein Slow-Food-Hotspot.

© Franz Gerdl

Das Lesachtal ist nicht nur das naturbelassenste Tal Europas, sondern auch ein Slow-Food-Hotspot.

© Franz Gerdl

Wir starten die Reise des Genießens im köstlichsten Eck Kärntens, im Gailtal und Lesachtal, wo im besten Wortsinn die Langsamkeit daheim ist und die kulinarischen Entdeckungen und Besonderheiten Genusstage füllen. Hier sind besondere Querdenker am Werk und backen Brot, machen Käse, Bier, Speck und Honig, bauen alte Getreidesorten an und lassen Kräuter zu Küchengöttern werden. Einer, der die Philosophie der besonderen Produkte von Herstellern, die lieben, was sie tun, mit Engagement vertritt, ist Herwig Ertl, Edelgreißler aus Leidenschaft und Präsident des Slow Food Conviviums Alpe Adria. »Es sind die Menschen, die den Geschmack unserer Region prägen«, sagt er – und er weiß das, denn schon lange hallt sein Ruf nach dem Zusammenspiel von Produkt, Qualität und Traditionen durch das Tal. In seinem Genussuniversum in Kötschach-Mauthen duftet es nach Heimat und Süden sowie immer nach dem Besten von »seinen« Produzenten aus dem Alpe-Adria-Raum.

Altes Wissen, traditionelles Handwerk & junge Wilde

Selber Brot backen, Käse produzieren, Bier brauen, bei der Speckherstellung dabei sein, sehen, wie Imkerei funktioniert – das alles steht hinter dem Namen Slow Food Travel Alpe Adria Kärnten. Den Produkten Zeit geben, mit der Natur und ihren Ressourcen sorgsam umgehen, das wird hier großgeschrieben. Das macht auch Manuel Ressi, der in Hermagor seine Gailtaler Wurzeln mit den Geschmäckern der Welt verbindet und in die Kochtöpfe des »Bärenwirt« bringt. Da gibt es dann Gailtaler Speck mit Sellerie, Miso und Zitrus oder ein Schweinsbackerl, das sich mit Amaranth, Kraut und Krustl vermählt. Aber auch viele junge Bäuerinnen und Bauern übernehmen das Kommando im Genussland Kärnten.

Im Gailtal zum Beispiel Lukas und Thomas Zankl, die am Biokäsehof von der Tradition inspirierte, beste Käse produzieren. Das macht auch Kathrin Unterweger am Jörgishof im Lesachtal, wo sie Rohmilch zu Käse, Butter und feinem Mozzarella veredelt. Bei Sepp Brandstätter in Würmlach wird der Gailtaler weiße Landmais angebaut, den die Bäckerei von Thomas Matitz zu köstlichen Backwaren werden lässt, zu denen Speck und Käse großartig munden. Ein sehr gutes Beispiel dafür, dass neue Netzwerke die alten Traditionen aufleben lassen. Wer sein Haupt slowfoodmäßig betten möchte, der kann das im Biohotel »der daberer« oder im »Hotel Schloss Lerchenhof« tun, wo man mit Hausherr Hansi Steinwender der Faszination des Gailtaler Specks nachspüren oder mit dem Cabrio einen Ausflug machen kann. Sein Hotel ist das erste Cabriohotel im Alpe-Adria Raum.

Grenzenloser Genuss, für den man wirklich nur Zeit mitbringen sollte. »Regionale Küche ist ein immer stärker wachsender Treiber für die Destinationsentscheidung«, sagt Kärnten-Tourismus-Geschäftsführer Christian Kresse. Und er sieht das auch als Motor für eine weiteres Kärntner Slow-Food-Projekt, die Slow Food Villages.

Slow Food Villages

Der Begriff Slow Food Village kommt zwar aus dem Englischen, ist aber etwas sehr Heimisches, denn es ist die Rückbesinnung auf das funktionierende Dorf als Lebensraum für die Menschen und als Ort des guten Lebens. Es gehe nicht um Marketing, sondern um eine Lebenseinstellung, sagt Gottfried Bachler, Obmann des neuen Vereins Gut Sauber Fair, der von Slow Food International den Auftrag für dieses weltweit einzigartige Konzept bekommen hat. Ziel von Slow Food Village ist es, in einiger Zeit ein Handbuch zu produzieren, in dem gezeigt wird, wie lokale Unternehmen bestmöglich zusammenarbeiten können, auch als Vorbild für Europa.

Auf der Bühne dieser Idee stehen die Bauern, Lebensmittelhandwerker, Köche, Marktplätze, Lehrer und Dorfbewohner, die sich darum kümmern, dass Dörfer wieder Gemeinschaften sind. Und es sind vor allem die regionalen Produkte, die die Grundlage für die gesamte Slow-Food-Bewegung sind. »Slow Food ist das Beste, was uns passieren konnte«, sagt Marianne Daberer vom Biohotel »der daberer« in St. Daniel. »Wir haben eine Geschichte, die wir der Welt erzählen können. Und diese Geschichte hat ihre Fortsetzung nun in unserem Projekt Slow Food Village.« Die ersten Slow-Food-Dörfer werden sich im Laufe des Jahres entwickeln und in den schönen Tälern Kärntens zu finden sein. Vorreiter werden auch hier die bekannten Slow-Food-Destinationen St. Daniel/Dellach im Gailtal oder das Kräuterdorf Irschen sein, viele andere kleine Orte sollen bald folgen. Slow Food heißt vor allem auch, verantwortungsvoll zu genießen. Dabei sind die Kärntner Querdenker aber auch Vordenker, denn sie leben die Langsamkeit als Philosophie mit traditionell-pfiffigen Genuss-Erlebnissen.

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