Weinberg im Karst
Weinberg im Karst / Foto: beigestellt

Haben Sie schon einmal Terrano, Kife­letti zu Kayserfleisch oder Zwetsch­ken­knödel als Vor­speise probiert? Diese aparten Geschmacksvisionen charakterisieren den Triestiner Karst. Um ihn zu verstehen, muss man die Menschen begreifen, ihre Liebe zum Produkt, ihr Streben nach Perfektion. In der roten Erde, umgeben von Steinmauern gegen die Wucht der Bora, wachsen kraftvolle, ungewöhnliche Weine und kantige Menschen.

Benjamino Zidarich ist so einer und sein Cousin Dario ebenfalls. Winzer der eine, Käsemacher der andere. Sein Höhlenkäse aus 70 Meter Tiefe ist unbeschreiblich gut. Oder Edi Kante, berühmtester der Karstwinzer mit immer neuen Visionen für immer bessere Weine. Auch Sandi Skerk und Matej Lupinc gehören dazu, sie sind die neue Generation, die das Erbe der Väter mit Bedacht und Innovatio­nen weiterführen. Sie keltern herrliche Weine, die nach der salzigen Luft des nahen Meeres schmecken und Malvasia, Vitovska oder eben Terrano heißen.

Weinberge wechseln mit Olivenhainen, Buschenschenken mit Trattorien, Wärme mit der Kühle der Berge. Aus den Oliven wird außergewöhnliches Öl, das nördlichste überhaupt, erzeugt. Einer, der das in Perfektion macht, ist auf dem Monte d’oro daheim: ­Vitjan Sancin, Winzer und Ölmagier, Bewahrer der Tradition und Innovator von Graden. Sein Bianchera-Öl und seine Glera verdienen jede Auszeichnung. Die gibt ihm die
beste Köchin der Region, Ami Scabar. Bei ihr vermischen sich die Aromen Triests mit denen vom Karst auf das Vorzüglichste. Vitjans Öl, frischeste Fische, würzige Kräuter und ihre Kochkunst gehen eine Geschmackskombination ein, die den Gast auf eine ­einzig­artige Genussreise mitnimmt.

Im Garten bei Matej Lupinc in Prepotto ist das Einfache der höchste Genuss / Foto: beigestellt
Im Garten bei Matej Lupinc in Prepotto ist das Einfache der höchste Genuss / Foto: beigestellt



In der rauen Landschaft findet man herzliche Menschen ­sowie k. u. k. Idyll in den Gaststuben und auf den Tellern. Genießen kann man diese beim Gruden in San Pelagio oder bei Familie Lupinc in Prepotto. Im schönen Karsthaus kann man auch wohnen und bei typischen Karstgerichten ent­spannen.

Devan Sancin – wie sein Vater setzt er auf Qualität / Foto: beigestellt
Devan Sancin – wie sein Vater setzt er auf Qualität / Foto: beigestellt


Herzhafte Braten, deftiges Sauerkraut, scharfer Kren, von der Küs­te der Duft nach Fisch und mediterraner Leichtigkeit – das ist der Karst, und das ist Triest, die spröde Kosmopolitin, durchdrungen von Kaffeeduft und Literatur, mit wunderbaren alten Kaffeehäusern, San Marco zum Beispiel oder Pirona.

Die mächtigen Palazzi der gro­ßen Handelsgesellschaften und die vielen Synagogen prägen die Stadt. Das tun auch die Friedhöfe, wo auf den Grabsteinen Sacher, Ressel oder Rosegger steht, aber auch ­Giorgio Strehler und Ernes­to Illy. Lebendig geht es an Buffets und in Restaurants zu, wo sich die ­Geschmäcker der Monarchie mit jenen der Küste verbinden. In der Tram nach Opicina sitzen Menschen aus aller Herren Ländern, um oben im Karst nach dem Einfachen, aber Besten zu suchen. Und sie finden es im »Il Pettirosso« oder im »Suban«, wo Karstküche vom Feinsten geboten wird – ­Palatschinken mit Hühnerleber, Branzino auf den Punkt gegart und Apfelstrudel. Am steilsten Wegstück der Tram ist Silvano Ferluga daheim, Stadtwinzer und Karstphilosoph. Seine Weine sind Kult, seine Kapern aus Löwenzahn ebenso. Kult ist auch ein ­Essen im »La Marinella«, wenn man Lust hat, so zu tafeln wie beim Sonntagsessen einer italienischen Großfamilie. Die Strada Costiera nach Duino oder wieder hinauf in den Karst?

Eine Jota gehört zum Karst wie die rote Erde / Foto: beigestellt
Eine Jota gehört zum Karst wie die rote Erde / Foto: beigestellt



Im Hafen von Duino isst man in der »Dama Bianca« oder im »Cavalluccio« perfekte Antipasti und fangfrischen Fisch, fast mit den Füßen im Meer.

Die Lorbeerbüsche weisen im Karst zu offenen Osmize, um ein Glas Malvasia zu frischer Salami zu probieren. Monti e mare – ­nirgendwo findet man beides in solch einzigartiger Harmonie.

Ein wenig ist der Karst wie eine chinesische Schachtel – hat man eine geöffnet, kommt schon die nächste zum Vorschein. Und deshalb kann man immer wieder Neues entdecken.

»Dama Bianca«: Fisch­genuss mit Meerblick / Foto: beigestellt
»Dama Bianca«: Fisch­genuss mit Meerblick / Foto: beigestellt




Tipps: Die besten Adressen im Karst auf einen Blick


Text von Ilse Fischer
aus Falstaff 02/12

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