Sicher versorgt mit dem Besten aus Österreich

Kein Mangel: Österreichs Landwirte produzieren mehr Getreide, Obst und Gemüse, als im Land verbraucht wird.

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Kein Mangel: Österreichs Landwirte produzieren mehr Getreide, Obst und Gemüse, als im Land verbraucht wird.

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Zu keinem Zeitpunkt in den vergangenen Jahrzehnten wurde die Frage so oft und von so vielen Menschen gestellt wie in den letzten, von der Corona-Krise gekennzeichneten Wochen: Wie sicher und nachhaltig ist Österreichs Versorgung mit qualitativ hochwertigen, heimischen Lebensmitteln wirklich? Sind wir in der Lage, uns selbst mit ausreichend Getreide und Milch, Obst und Gemüse zu versorgen? Oder werden sich die europaweiten Grenzschließungen, der Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft und die dramatischen Folgen der Pandemie früher oder später auch auf unsere Versorgungssicherheit negativ auswirken?

Die gute Nachricht gleich vorweg: Österreichs Versorgung mit heimischen, qualitativ hochwertigen Lebensmitteln ist langfristig gesichert. Doch die gegenwärtige Krise rückt wieder einmal in den Mittelpunkt, welch wertvolle Arbeit die Bauern und Produzenten in unserem Land leisten, um uns mit Lebensmitteln in der gewünschten Qualität und Menge zu beliefern. So gibt es auch jetzt immer und überall ausreichend Grundnahrungsmittel sowie Getränke für alle Österreicher. Auch andere Produkte aus dem breiten heimischen Lebensmittelangebot sind in der gewohnten Menge und Qualität erhältlich. Sie werden täglich produziert und an den Lebensmittelhandel ausgeliefert. Denn die von der Bundesregierung verhängten Ausgangssperren und das Verbot von Versammlungen von mehr als fünf Personen gelten für landwirtschaftliche Betriebe nicht. Diese sind als kritische, systemerhaltende Infrastruktur davon ausgenommen, weshalb landwirtschaftliche Betriebe ihrer Tätigkeit uneingeschränkt nachgehen können.

Unsere Bauern liefern

Am Beginn der Corona-Krise Mitte März stand für die heimischen Konsumenten primär die Versorgungssicherheit im Mittelpunkt ihres Interesses. Und das Wissen darum, dass sich unser Land im Großen und Ganzen selbst versorgen kann, hat sehr viel zur Entspannung der Gemütslage in der Bevölkerung beigetragen – und ganz bestimmt auch mitgeholfen, dass die Beschränkungen der Regierung mit so viel Ruhe und Gelassenheit aufgenommen worden sind. Dass die heimische Landwirtschaft das Land auch langfristig ausreichend mit allem Notwendigen versorgen kann, war wohl auch mitentscheidend dafür, dass es so gut wie nirgends zu großflächigen Hamsterkäufen gekommen ist.

Und die Fakten sind auch mehr als beeindruckend: Bei tierischen Produkten hat Österreich einen Grad der Selbstversorgung von über 100 Prozent. Das heißt, wir produzieren in Österreich mehr Rind- und Schweinefleisch, Milch und Käse, als wir selbst verbrauchen. Bei Hühnerfleisch, Eiern und Butter können die Produzenten immerhin alle Haushaltseinkäufe sehr gut bedienen. Das hat sich auch in Zeiten von Corona nicht geändert. Ähnlich ist es bei der Versorgung mit grundlegenden pflanzlichen Erzeugnissen. Die heimischen Landwirte produzieren mehr Getreide, Obst und Gemüse, als im Land verbraucht werden.

Auch das Wissen um die hohe Qualität der verfügbaren Lebensmittel gibt Sicherheit. Die heimische Landwirtschaft zeichnet sich nach wie vor dadurch aus, dass sie überwiegend aus kleinen Familienbetrieben besteht. 20 Kühe stehen durchschnittlich in heimischen Ställen. Wirtschaftlich ist das von Nachteil, ökologisch, sozial und kulinarisch aber ist es ein ganz großer Vorteil. Und: Familienbetriebe agieren auch sehr marktnah – Kundenbedürfnisse werden rascher erkannt und es kann auch leichter darauf reagiert werden. Außerdem steht so hinter jedem Produkt ein Mensch – und das gibt gerade in unsicheren Zeiten ein gutes Gefühl, erklärt Martin Greßl aus dem Qualitätsmanagement der Agrar Markt Austria, kurz AMA: »Es gibt nichts Besseres als Regionalität. Regionale Kreislaufwirtschaft – also Produkte aus der Region, für die Region und mit der Region – hilft, heimische Arbeitsplätze zu erhalten und das Landschaftsbild zu pflegen und garantiert die Versorgungssicherheit im eigenen Land, insbesondere in Krisenzeiten.« Zudem sind die regionalen Betriebe meist auch sehr innovativ. Das beweisen nicht zuletzt die immer neuen Qualitätsprodukte, die entstehen und die auch in herausfordernden Marktsituationen erfolgreich sind.

Nachhaltige Produktion

Tierwohl und Umweltverträglichkeit, dazu kurze Transportwege und Gentechnikfreiheit – all das sind wichtige Charakteristika hiesiger Regionalität, die sich zu nachhaltiger Produktion verbinden. Rund ein Viertel der Agrarfläche Österreichs wird biologisch bewirtschaftet – der Durchschnittswert in der EU liegt bei 7,2 Prozent. In Österreich arbeitet jeder fünfte landwirtschaftliche Betrieb nach biologischen Richtlinien – Österreich gehört damit zu den Top-Bio-Ländern weltweit. Nach Schätzungen wird die biologisch bewirtschaftete Fläche in den nächsten Jahren sogar noch größer werden. Bio ist also längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Neun von zehn Österreicherinnen und Österreichern kaufen regelmäßig Bio-Lebensmittel ein. Besonders beliebt ist Bio bei Trinkmilch, Eiern und Kartoffeln, Obst und Gemüse sowie bei Käse. Konsumenten greifen zu Bio, weil sie sich selbst und ihrer Familie etwas Gutes tun wollen.

Hinter den Kulissen

Wenn uns die Corona-Krise eines gelehrt hat, dann dass es in unserer globalisierten Welt nicht möglich ist, von heute auf morgen komplett in den »Regional-Modus« umzuschalten. Etwa aufgrund des Arbeitskräftemangels – viele pendeln aus Ungarn und der Slowakei zu ihren Arbeitsplätzen in Landwirtschaft oder Fleischverarbeitung, sofern die Grenzen für Personen nicht geschlossen sind. Oder punkto Produktion: Viele Wursthäute und Joghurtbecher werden etwa in Italien hergestellt. Und nur zwei Produktionsschritte weiter zurück liegen Frachtschiffe mit für Österreich bestimmten Bestandteilen von Tierfutter in Häfen fest und dürfen ihre Ladung nicht löschen. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise geht es bei den Auswirkungen der Globalisierung also gar nicht alleine um Kaffee und Ananas, die nicht mehr ankommen, sondern auch um »heimische« Frankfurter-Würstel und Heumilchjoghurt, für deren Verarbeitung maßgebliche Komponenten fehlen. Wenn man in Österreich also nicht komplett von globalen Gegebenheiten abhängig sein will, braucht man in Zukunft wohl auch im eigenen Land eine nennenswerte Produktion all jener Zusatzprodukte, die für den Lebensmittelsektor benötigt werden. Damit wir bei einer künftigen Krise – möge sie nie kommen – auch weiter alle Trümpfe in der Hand haben.


ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 03/2020
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»Qualität ist unsere Stärke«

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger im Interview über die funktionierende Lebensmittelversorgung in der Corona-Krise, den großen Einsatz der Bauern und das wachsende Bewusstsein für regional produzierte Produkte.

Falstaff: Frau Ministerin, was war ausschlaggebend dafür, dass die Versorgung mit frischen, qualitativ hochwertigen Lebensmitteln in den letzten Wochen so gut funktioniert hat?
Elisabeth Köstinger:
Ganz sicher der Zusammenhalt. Bäuerinnen und Bauern, die Lebensmittelverarbeitung und schlussendlich auch der Lebensmittelhandel haben sehr eng zusammengearbeitet. Gerade in der Krise geht es um Wertschätzung: Wertschätzung gegenüber den bäuerlichen Produkten und damit verbunden um faire Preise. Es braucht weiterhin ein klares gemeinsames Bekenntnis zu österreichischen Lebensmitteln, und das fordere ich auch ein.

Wie kann diese Versorgungssicherheit weiter garantiert werden?
Das Funktionieren der Versorgungs- und Lieferkette ist entscheidend. Vor wenigen Wochen kam es zu einem deutlich erhöhten Verkaufsvolumen im Lebensmittel­bereich. Aber auch in dieser kritischen Phase haben unsere Bäuerinnen und Bauern die Versorgung gesichert.

Kann sich Österreich mit Lebensmitteln selbst versorgen?
Österreich hat einen sehr hohen Selbstversorgungsgrad, der bei nahezu allen Grundnahrungsmitteln bei über 80 Prozent liegt. Diese Versorgungssicherheit war in den Köpfen vieler Menschen bisher immer selbstverständlich. Unsere Bäuerinnen und Bauern, aber auch unsere Nahversorger, Bäcker, Fleischer etc. setzen alles daran, unser Land mit genügend Lebensmitteln zu versorgen.

Wird das Bewusstsein für regionale, gesunde Lebensmittel durch die Corona-Krise zusätzlich geschärft?
Gerade in Zeiten der Krise erkennt man, wie wichtig die Eigenversorgung mit gesunden, heimischen Lebensmitteln ist. Das Bewusstsein für regionale Produkte steigt daher. Aber wenn wir diesen hohen Grad der Eigenversorgung auch in Zukunft gewährleisten wollen, sollte jeder von uns auch abseits von Krisenzeiten vermehrt auf heimische Lebensmittel bauen. Regionaler Konsum von Lebensmitteln, die in Österreich produziert werden, bedeutet mehr Wertschöpfung in den Regionen. Wir haben vor einigen Wochen die Plattform frischzumir.at gegründet. Dort findet man Hunderte bäuerliche Betriebe, bei denen man online bestellen und sich die Produkte direkt nach Hause liefern lassen kann.

Erleben jetzt auch biologisch produzierte Lebensmittel einen neuen Boom?
In Österreich haben wir rund 24.000 Bio-Betriebe und sind damit Bio-Land Nummer eins in Europa. Dieser Bereich wird weiterhin gesund wachsen. Es ist kein »entweder – oder« zwischen Bio oder Konventionell, sondern ein »sowohl – als auch«. Es geht mir um die flächendeckende Landwirtschaft in Österreich mit höchsten Qualitätsstandards, denn das zeichnet uns weltweit aus. Dazu brauchen wir alle Betriebsformen und Diversität in der Produktion. Das ist unsere Stärke.

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