Sebastian Kurz: »Wichtig ist auch eine Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes.«

Kurz ist unteranderem derzeitiger Außenminister Österreichs.

© Jakob Glaser

Kurz ist unteranderem derzeitiger Außenminister Österreichs.

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Sebastian Kurz steht KARRIERE Rede und Antwort zu den Themen, die die Branche bewegen.

KARRIERE Sehr geehrter Herr Außenminister Kurz – eine der wichtigsten Säulen Österreichs ist der Tourismus. Ein Punkt Ihres Programms ist die Rückgängigmachung der 13%-igen MwSt-Erhöhung auf 10%. Auch wenn wir Rekordnächtigungen verzeichnen, wären die Zahlen ohne die Steuererhöhung uU noch deutlicher ausgefallen. Dürfen Ihre Wähler auf dieses Versprechen zählen?
SEBASTIAN KURZ Die Anhebung des Mehrwertsteuersatzes für Tourismusbetriebe von 10% auf 13% war ein herber Schlag für die Branche. Nachdem Deutschland hier im Wettbewerb im Jahr 2010 ein Signal gesetzt hat und die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen auf 7% gesenkt hat, hat für die österreichische Tourismusbranche die Anhebung des Mehrwertsteuersatzes eine weitere Verschlechterung im Tourismus-Standortwettbewerb gebracht. Wir müssen daher diesen Schritt wieder rückgängig machen und werden uns nach der Wahl konsequent dafür einsetzen.

Welche weiteren Maßnahmen werden Sie als Koalitionspartner setzen, um unseren Tourismus wettbewerbsfähiger aufzustellen?
In unserem Programm schlagen wir eine Fülle an Maßnahmen vor, die speziell die Rahmenbedingungen für die Tourismusbranche deutlich verbessern sollen. Neben einer spürbaren Senkung der hohen Steuer- und Abgabenlast in Österreich sowie einer Offensive gegen überbordende Bürokratie und Überregulierung wollen wir über eine Stärkung der Österreich Werbung auch die Dachmarke »Österreich« international forcieren.

Wie wichtig ist Ihnen die Unterstützung der Sparte Tourismus?

Für den Standort Österreich, die Wertschöpfungsketten und unser Image in der Welt hat der österreichische Tourismus eine herausragende Bedeutung. 2016 wurde mit über 140 Millionen Nächtigungen und über 40 Millionen Urlaubern ein neuer Rekord erzielt. Dabei leisten über 65.000 Betriebe in allen Regionen einen großen Beitrag, um Österreich sowohl im Sommer- wie auch Wintertourismus als erfolgreiche Reise- und Freizeitdestination zu positionieren und dadurch über 200.000 Arbeitsplätze zu sichern. Speziell im ländlichen Raum ist der Tourismus für viele Regionen der Wachstums- und Jobmotor Nummer Eins.

Wir leiden massiv unter fehlendem Nachwuchs. Der schlechte Ruf verhindert oft die Entscheidungsfreude bei jungen Menschen sich für eine Karriere im Tourismus zu entscheiden. Welche Maßnahmen sind notwendig und als Koalitionspartner umsetzbar, dieser Bewegung entgegen zu wirken?
Wir müssen unsere Tourismusbranche bestmöglich dabei unterstützen, auch für junge Menschen wieder verstärkt als attraktiver Arbeitsplatz wahrgenommen zu werden. Dazu möchten wir einerseits die Lehrlingsausbildung an sich modernisieren, indem wir etwa die Durchlässigkeit hin zu höheren Ausbildungswegen verbessern und die Mobilität von Lehrlingen während der Berufsschulzeit besser fördern. Gleichzeitig gilt es, bereits in den Schulen verstärkt auf die Bedeutung des Tourismus für unser Land und auf die Vorteile der Arbeit in der Tourismusbranche hinzuweisen. Ein örtlich breit gestreutes Jobangebot, der Kontakt mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern, hohe Jobchancen speziell in Österreich und eine abwechslungsreiche Arbeit sind positive Punkte, die vor allem bei jungen Menschen stärker betont werden sollten.

Große Themen für Unternehmer sind Deregulierung, Entbürokratisierung und Auflagenreduktion: Eine klare Forderung der WKO ist es die überbordenden Prüfpflichten auf ein absolut notwendiges Maß zu reduzieren, bürokratische Auflagen zu verringern und Mehrfachprüfungen zu beseitigen. Welche Unterstützungen und Erleichterungen für Unternehmer im Tourismus haben Sie als Koalitionspartner geplant?
Wir sind davon überzeugt, dass es eine grundlegende Änderung in der Kultur der Gesetzgebung braucht. Regeln dürfen kein Selbstzweck sein und müssen ständig hinterfragt werden. In unserem Programm findet sich daher eine breite Palette an Vorhaben, die wir zum Bürokratieabbau umsetzen wollen. Aus unseren zahlreichen Gesprächen mit Unternehmern wissen wir, dass eine freiere Gestaltung der Arbeitszeit, ein deutlicher Abbau von Informations- und Meldepflichten und ein moderner Arbeitnehmerschutz mit einem Arbeitsinspektorat, das sich als Servicestelle versteht (»Beraten statt Strafen«), zu den zentralen Anliegen zählen, die wir dringend umsetzen müssen. Außerdem möchten wir durch das »one in, one out«-Prinzip (für jede neue Regulierung von Unternehmen wird eine bestehende abgeschafft) sowie die Sunset Legislation (Gesetze bekommen ein Ablaufdatum) dafür sorgen, dass Bürokratieabbau auch wirklich nachhaltig ist. Ein bundesweiter Wettbewerb, in dem wir gemeinsam mit den Betroffenen aus der Branche die sinnlosesten Vorschriften des Landes identifizieren und abschaffen, wäre ein weiterer guter Schritt in die richtige Richtung.

Welche Maßnahmen werden Sie setzen, um den Fachkräftemangel entgegen zu wirken?
Der Fachkräftemangel im österreichischen Tourismus liegt neben den oben erwähnten Problemen beim Nachwuchs auch an einer geringen Mobilität innerhalb Österreichs. Besonders groß ist der Personalmangel in den ländlichen Regionen Westösterreichs, weil zahlreiche geeignete Arbeitnehmer im Osten nicht in den Westen gehen wollen. Kurzfristig kann das Problem durch eine Regionalisierung der Mangelberufsliste gemindert werden, generell braucht es aber mehr Anreize, damit Menschen wieder bereit sind, passende Jobmöglichkeiten auch im ländlichen Raum anzunehmen. Wichtig ist auch eine Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes. Arbeiten am Abend und am Wochenende ist im Tourismus Gang und Gebe. Damit solche Arbeitszeiten für Mitarbeiter aber keine Abschreckung sind, sondern als Chance gesehen werden, brauchen wir dringend moderne und auf die individuelle Situation der Menschen abstimmbare Arbeitszeitregelungen.

Noch ein kurzes Schlusswort?
Wir treten bei dieser Wahl an, weil wir eine echte Veränderung für Österreich möglich machen wollen. Die letzten Jahre waren in der Politik von Minimalkompromissen und gegenseitiger Blockade geprägt. Wir wollen mit diesem alten Stil brechen und eine neue Art von Politik und Politikverständnis in unser Land bringen. Dazu gehört es, den anderen nicht anzupatzen und schlechtzumachen, sondern durch eigene Ideen und Inhalte zu überzeugen. Wahrheiten klar aussprechen und die Dinge tun, die notwendig sind – auch wenn diese einmal unpopulär sein mögen. Jeder, der diesen neuen Zugang zu Politik unterstützt, ist eingeladen, unsere neue offene Bewegung zu unterstützen.

»In unserem Programm schlagen wir eine Fülle an Maßnahmen vor, die speziell die Rahmenbedingungen für die Tourismusbranche deutlich verbessern sollen.«

© Jakob Glaser

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