Schottland: Homeland of Whisky

Am Südufer der Insel Islay liegt die Whisky-Destillerie Ardbeg, deren Ursprünge bis in das Jahr 1794 zurückreichen.

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Am Südufer der Insel Islay liegt die Whisky-Destillerie Ardbeg, deren Ursprünge bis in das Jahr 1794 zurückreichen.

Am Südufer der Insel Islay liegt die Whisky-Destillerie Ardbeg, deren Ursprünge bis in das Jahr 1794 zurückreichen.

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Wer Schottland beschreiben müsste, ohne das Wort Whisky in den Mund zu nehmen, würde wohl schnell an seine Grenzen stoßen. Whisky gehört zur schottischen Kultur genauso wie der kultige Dialekt oder der Schottenrock. Seit Hunderten von Jahren wird Whisky in Schottland hergestellt und fast ebenso erfolgreich exportiert. Jede Sekunde verlassen 41 Flaschen Scotch das Land, rund 70 Prozent der exportierten Speisen und Getränke fallen auf den Whisky-Sektor.

So aussagekräftig die harten Fakten auch sind, Scotch ist keine Spirituose wie jede andere. Eindrücklich ist vor allem die Eigenschaft des schottischen Whiskys, sich je nach Brennerei oder Herstellungsphilosophie ganz unterschiedlich zu zeigen. Auch wenn ein Malt respektive ein Grain Whisky immer in etwa gleich hergestellt werden, spielen Parameter wie das Wasser, die Länge und Art der Gärung, die Art der Destillation, das Vorkommen und die Verwendung von Torf, die Wahl der Holzfässer und nicht zuletzt das Klima und die Lage der Whisky-Warehouses eine entscheidende Rolle für den Charakter eines jeden Whiskys.

Der Standort eines Whisky-Warehouses und nicht zuletzt der Master Blender entscheiden über den Geschmack des fertigen Whiskys. Im BIld Brian Kinsman von Glenfiddich.

Der Standort eines Whisky-Warehouses und nicht zuletzt der Master Blender entscheiden über den Geschmack des fertigen Whiskys. Im BIld Brian Kinsman von Glenfiddich.

© John Paul Photography

Reifeprüfung

Drei Jahre muss ein Scotch in einem Holzfass reifen, um so genannt werden zu können. Ob dabei Sherry-, Bourbon-, Rum- oder Weinfässer verwendet werden, ist der Philosophie der Brennerei überlassen. Das Alter wird bei vielen Traditionsbetrieben mit angegeben – steht etwa »12 years old« auf einer Flasche, so bezieht sich dieses Alter auf den jüngsten abgefüllten Whisky in der Flasche. Immer mehr schottische Brennereien aber bringen Whiskys ohne Altersangabe auf den Markt: Die sogenannten »No Age Statement« (NAS) sind Traditionalisten ein Dorn im Auge, während sie dem Genießer zusätzliche Geschmackserlebnisse ermöglichen. Erfunden wurden sie aus der Not heraus – der Single-Malt-Boom der letzten Jahrzehnte ließ die Bestände schrumpfen, weshalb man heute auch jüngere Scotch-Whiskys zur Komponierung erstklassiger Malts, Grains und Blends verwendet.

Bemerkenswert bei der ganzen Geschichte ist, dass nicht allein das Alter, sondern in der Tat auch die Landschaft, der Ort, an dem ein Scotch hergestellt wurde, bei den besten Produkten direkt spürbar ist. Fast wie beim Wein zeigen verschiedene Regionen unterschiedliche Nuancen. Bester Beweis, dass NAS-Whiskys nicht etwa von minderer Qualität sind, ist etwa der »Glenfiddich Fire & Cane«, der ein Finish in Rumfässern erfahren hat und klar als Glenfiddich erkennbar ist. Eindrücklich sind auch die NAS-Whiskys der Orkney-Destillerie Highland Park. Die Produkte der »The Warriors«-Serie mit klingenden Namen wie »Odin«, »Ragnvald« oder »Sigurd« gehören nicht etwa zu den günstigen Flaschen, finden aber auch ganz ohne Jahrgang ihre Liebhaber und tragen eindeutig die Handschrift der Brennerei. Highland-Park-Whiskys sind dezent getorft und verfügen gleichzeitig über eine gewisse Süße, die vom Ausbau in Sherry-Fässern herrührt.

Der hünenhafte Däne Martin Markvardsen ist Box-Champion, Whisky-Liebhaber und Senior Brand Ambassador der Orkney-Destillerie Highland Park.

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Von Insel zu Insel

Die Orkneys, wo sich Highland Park befindet, gehört zu der Whiskyregion mit der größten Streuung im Land: den Inseln. Neben Orkney gehören die Inseln Skye, Mull, Jura, Arran und Lewis zu der Region. Nur der leichte Salzgeschmack aufgrund der Seeluft ist den Insel-Whiskys gemein. Zwischen den Orkneys im Norden und der Isle of Arran liegt das ganze schottische Festland oder rund 400 Kilometer. Auf der Isle of Arran gab es 150 Jahre lang keine einzige Brennerei mehr, bis 1995 die Arran-Destillerie eröffnet wurde. Arran-Whiskys sind trocken, eher leicht und betont fruchtig.

Die legendärste aller schottischen Whisky-Inseln ist unbestritten Islay, die als eigene Whisky-Region anerkannt ist. Die Whiskys von dieser Insel gelten als besonders kräftig und stark, das Torfaroma ist hier charakterbildend. Kein Wunder: Der Boden auf Islay ist extrem torfhaltig. Die legendären Islay-Whiskys schmecken zuweilen nach Leder, andere rein nach Torf und wieder andere zeigen Noten von Seetang oder Nuancen von Jod. Logisch, dass Islay-Whiskys polarisieren wie kaum ein anderer Scotch. Die Insel mit ihren gerade mal 619,6 Quadratkilometern gehört zu den wichtigsten Orten der Welt für die Whisky-Produktion. Das ist einerseits den genannten Torfvorkommen geschuldet, andererseits den acht legendären Islay-Brennereien: Ardbeg, Bowmore, Bruichladdich, Bunnahabhain, Caol Ila, Kilchoman, Lagavulin und Laphroaig.

Als langjähriger Master Blender von Bruichladdich prägte Jim McEwan das Bild des Islay-Whiskys, wie wir ihn heute kennen, entscheidend mit.

Als langjähriger Master Blender von Bruichladdich prägte Jim McEwan das Bild des Islay-Whiskys, wie wir ihn heute kennen, entscheidend mit.

© Roddy Mackay

Lowlands: mild und leicht

Islay befindet sich im Südwesten Schottlands – ungefähr auf der Höhe der Stadt Glasgow. Hier, auf dem Festland, befinden sich die sogenannten Lowlands. Diese erstrecken sich von der englischen Grenze bis zur Höhe der erdachten Linie zwischen den Städten Greenrock und Dundee. Die Region ist insbesondere bekannt für ihre milden und leichten Whiskys. Viele Jahre befand sich die Whisky-Produktion hier im Rückgang, Lowland-Whisky galt als minderwertig, und so verblieben nur wenige Produzenten. Einige davon mit großem Ausstoß – vor allem Grain Whisky für die Produktion von Blends wird traditionell in den Lowlands produziert. Doch die Lowlands kehren zurück! Neben den traditionellen Single-Malt-Produzenten Glenkinchie, Bladnoch und Auchentoshan sind in den letzten Jahren gleich drei neue Destillerien eröffnet worden: Ailsa Bay, Glasgow und Kingsbarns.

Die meisten Lowland-Whiskys sind nicht getorft und eignen sich darum gut als Einstiegs-Whiskys. Lowland-Whiskys mögen vielleicht leicht sein im Geschmack, von minderwertiger Qualität sind sie deswegen noch lange nicht – oder schon lange nicht mehr.

Für viele Whisky-Fans hat er einen absoluten Traumjob: John Campbel, Master Blender von Laphroaig auf Islay.

Für viele Whisky-Fans hat er einen absoluten Traumjob: John Campbel, Master Blender von Laphroaig auf Islay.

Foto beigestellt

Highlands: groß 
und vielfältig

Die Highlands bezeichnen das schottische Festland neben den Lowlands, also das Gebiet nördlich der erdachten Linie zwischen Greenrock und Dundee. Damit sind die Highlands die geografisch größte Whisky-Region Schottlands. Die Region erstreckt sich vom Norden bis in den Süden – eigentlich logisch, dass sich die Highland-Whiskys geschmacklich oft gewaltig unterscheiden. Es gibt hier getorfte und ungetorfte Whiskys und solche mit starkem Einfluss der Reifung im Sherryfass.

Die Whiskys von der Küste zeigen oft starke Salznoten, während andere geschmacklich an Honig oder Nüsse erinnern. In der Region befinden sich legendäre Destillerien wie Dalmore, Glendronach oder Glenmorangie, die mit auffallend weichen, von den verwendeten Fässern geprägten Single Malts überzeugen. Dalwhinnie-Whiskys wiederum gehören zu den eher süßlichen, honigartigen Vertretern, während die sich an der Küste befindende Brennerei Oban mit rauchig-würzigen Whiskys mit salzigem Einschlag begeistert. Nur um ein paar Beispiele zu nennen.

Whisky Destillerien in Schottland

© Stefanie Hilgarth

Hotspot Speyside

Genau genommen befindet sich der Whisky-Hotstpot Speyside in den Highlands und ist keine eigenständige Region. Angesichts der Tatsache, dass hier aber fast die Hälfte aller schottischen Brennereien angesiedelt ist, macht es sicher Sinn, den Landstrich als eigene Whisky Region zu sehen – ebenso den Charakter der Brände. Speyside-Whiskys sind malzig-süß und haben wenn, dann nur feine Torfnoten. Namensgebend für die Region ist der Fluss Spey, der mit der Whisky-Produktion direkt allerdings wenig zu tun hat. Das Wasser für die Produktion stammt oft aus brennereieigenen Quellen, die Region eignet sich zudem für den Anbau von Gerste.

Ein weiterer, wichtiger Punkt für die Konzentration von derart vielen Brennereien in Speyside ist, dass die Gegend früher schwer zugänglich war – ideale Bedingungen fanden hier Schwarzbrenner vor. Nur wenige in der Region sind je geschnappt worden – ein ideales Terrain für die Betriebe der ersten Stunde. Und so befinden sich in Speyside bis heute legendäre Whisky-Macher: etwa The Glenlivet, die erste legale Destillerie Schottlands, Glenfiddich, die Erfinder des Single Malts, deren Schwesterbetrieb The Balvenie oder The Macallan, die erst kürzlich mit einem spektakulären Neubau für Aufsehen sorgte.

Neben erstklassigen Single-Malt-Produzenten finden sich in Speyside aber auch versteckte Schätze, weshalb die Region bei Touristen besonders beliebt ist. Die Brennerei Strathisla ist die älteste noch in Betrieb befindliche Brennerei von ganz Speyside. In den denkmalgeschützten Gebäuden entsteht ein Großteil des legendären Blended Scotch Whiskys »Chivas Regal«.

The Macallan eröffnete 2018 ein neues, futuristisch anmutendes Brennereigebäude. Die hölzerne Dachkonstruktion wurde von einem oberösterreichischen Unternehmen fabriziert.

The Macallan eröffnete 2018 ein neues, futuristisch anmutendes Brennereigebäude. Die hölzerne Dachkonstruktion wurde von einem oberösterreichischen Unternehmen fabriziert.

© Mauritius Images / Alarmy / John Bracegirdl

Klein und fein: Campbeltown

Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei Campbeltown um eine schottische Stadt. Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich hier, im Süden des Landes, das Zentrum der Whisky-Herstellung und Campbeltown galt als Whisky-Hauptstadt der Welt. Nicht weniger als 34 Destillerien befanden sich damals in und um die Kleinstadt. Heute sind es gerade mal noch drei: Glen Scotia, Springbank und Glengyle. Der Whisky aus der Region ist bekannt und beliebt für sein rauchiges Aroma sowie seinen salzigen Geschmack.

Die bekannteste Brennerei der Region ist unbestritten Springbank, wo nach alter Tradition und mit handwerklichen Methoden charaktervolle Destillate hergestellt werden. Wie viele andere Brennereien auch, ist Springbank für Besucher eingerichtet, die hier den gesamten Herstellungsprozess eines Malts – vom Mälzen bis zur Reifung – verfolgen können. Denn neben der Produktion und dem Export von Whisky sind die Schotten heute auch auf den Whisky-Tourismus spezialisiert. Erst kürzlich vermeldete man, dass im vergangenen Jahr erstmals mehr als zwei Millionen Besucher schottische Brennereien besuchten. Das verstehen wir, schließlich gibt es keinen besseren Weg, um ein Terroirprodukt kennenzulernen als den Besuch vor Ort. Mindestens ein Brennereibesuch sei jedem Schottlandreisenden empfohlen.

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