Auch im Bereich Wellness ein Klassiker: der »Stanglwirt« in Going
Auch im Bereich Wellness ein Klassiker: der »Stanglwirt« in Going / Foto: beigestellt

Golling, Salzburg: Ein halbes Jahr hatten die Döllerers ­geschlossen. In dieser Zeit wurde das Hotel mit einem der besten ­Restaurants Öster­reichs von Grund auf ­umgebaut.

Alles neu
Es sollte ein großer Wurf werden, ein Betrieb, fit gemacht für die nächsten 20 Jahre. Dabei wurde an nichts gespart. Die Döllerers reisten viel in der Welt herum, um sich die neuesten Trends im Gastronomie- und ­Hotelleriebereich anzusehen.

Zwei an das Stammhaus angrenzende Häuser erwarben sie für ihr neues Projekt. Das Hotel erweiterten sie auf zwölf Zimmer und Suiten und schufen ein völlig neues Restaurant mit riesiger Küche. Sie ließen eine Gartenterrasse errichten, einen Felsen sprengen und neue Kellerfluchten anlegen. Und sie verfluchten zwischenzeitlich so manch einen aus der Bauwirtschaft. »Im Nachhinein gesehen der totale Irrsinn«, sagt Hermann Döllerer, »noch einmal möcht ich das nicht erleben.«

In sechs Monaten ­wurden »Döllerer’s ­Genusswelten« in Golling von Grund auf umgebaut / Foto: beigestellt
In sechs Monaten ­wurden »Döllerer’s ­Genusswelten« in Golling von Grund auf umgebaut / Foto: beigestellt



Asiatisch in den Alpen
Spektakulär auch die Eröffnung des neuen Kempinski-Hotels im vergangenen Herbst: »Das Tirol« in Jochberg mit 148 Zimmern, etwas außerhalb von Kitzbühel, ist das erste Kempinski-Hotel in Österreich. In Wien folgt demnächst ein zweites.

Dass ein derartiges Luxushotel mit gediegener Einrichtung aufwartet, überrascht vor allem an einem Ort wie Kitzbühel wenig. Dass in einem der beiden Restaurants aber asiatisch gekocht wird, umso mehr. Als küchentechnischer Konsulent, der mit seinen Kreationen die Linie vorgibt, wurde für das Restaurant »Sra Bua« der bekannte Asia-Koch Wini Brugger verpflichtet. Ein in mehrfacher Hinsicht mutiger Schritt, denn in ganz Tirol gab es bislang kein Asia-Restaurant in der Top-Klasse. Außerdem bergen prominente Küchenchefs, die ihren Namen für ein Restaurant hergeben, aber nicht ständig anwesend sind, ein gewisses Risiko in sich. Das Niveau muss auch dann gehalten werden, wenn der Meister nicht zugegen ist. Brugger hat jedenfalls in kulinarischer Hinsicht die Latte recht hoch gelegt. Seine Kreationen wirken ausgereift und fantasievoll, das Restaurant gilt inzwischen als eines der beliebtesten der Region.

Moderne, ­asiatisch beeinflusste ­Küche von Steve Karlsch im »Petit Tirolia« / Foto: beigestellt
Moderne, ­asiatisch beeinflusste ­Küche von Steve Karlsch im »Petit Tirolia« / Foto: beigestellt



Neuer Küchenchef im »Petit Tirolia«
Die gastronomische Landschaft Kitzbühels, eines der bekanntesten Wintersportorte Österreichs, hat sich in letzter Zeit gleich an mehreren Stellen verändert. Im Hotel Grand Tirolia mit dem Restaurant »Petit Tirolia« stand bis zum Spätsommer dieses Jahres Bobby Bräuer am Herd, er wurde in kürzester Zeit zum Shootingstar in Westösterreich. Doch Bräuer blieb nicht allzu lange und kehrte wieder nach Deutschland zurück. Jetzt kocht im »Petit Tirolia« ein anderer Deutscher, der 30-jährige Steve Karlsch. Der Berliner gilt als unkonventioneller Herdkünstler, der einen modernen, asiatisch beeinflussten Küchenstil verfolgt.

Exzellente Restaurants in bekannten ­Ski­regionen sind längst keine Ausnahme mehr. Wer im harten Tourismusgeschäft bestehen will, muss seinen Gästen mehr bieten als nur laue Allerweltsküche. Die Nachfrage nach Qualität steigt in allen Bereichen und damit auch bei den Restaurants im Skitourismus.

Konstante Spitzenleistung
Eines der eindrucksvollsten Beispiele dieser Art ist das Hotel Trofana Royal in Ischgl. Dort kocht Martin Sieberer nicht nur in luftigen Höhen, er zählt auch längst zu den ­bes­ten Köchen Österreichs und hat das Res­taurant »Paznauner Stube« kulinarisch und imagemäßig in die oberste Reihe gehievt. Sieberer kann seine Auszeichnungen schon nicht mehr zählen und heimst auch im Falstaff Res­taurantguide Jahr für Jahr Höchstbe­wertungen ein. In dem etwas rustikal, aber ­dennoch luxuriös eingerichteten Restaurant werden neben À-la-carte-Gerichten auch vier- bis sechsgängige Menüs angeboten. Unersättliche Gourmets können sich darüber hinaus am mittlerweile schon legendären Royal-Menü mit zehn Gängen erfreuen. Der ­Service agiert perfekt, die Weinauswahl (auch glasweise) ist nur schwer zu überbieten.

Regelmäßig Höchstnoten im Falstaff Restaurantguide erzielt die »Paznauner Stube« im Hotel Trofana Royal in Ischgl / Foto: beigestellt
Regelmäßig Höchstnoten im Falstaff Restaurantguide erzielt die »Paznauner Stube« im Hotel Trofana Royal in Ischgl / Foto: beigestellt


Regelmäßig Höchstnoten im Falstaff Restaurantguide erzielt die »Paznauner Stube« im Hotel Trofana Royal in Ischgl

Das Trofana Royal ist übrigens auch als Wellnessoase herausragend. Auch auf diesem Sektor erringt das Haus, ausgestattet mit ­allen erdenklichen Fitness- und Beautyeinrichtungen, immer wieder Preise und erste Plätze in diversen Guides.

Lech/Zürs als nobles Pflaster
Die berühmteste Skiregion Österreichs ist aber unangefochten der Arlberg. Und dort sind Orte wie Lech und Zürs schon seit ­Langem reich an guten Gourmetadressen. Schließlich ist die Klientel anspruchsvoll und das Preisniveau alles andere als niedrig. Wer hier absteigt, will für sein Geld etwas geboten bekommen, auch in kulinarischer Hinsicht. Unter den Betrieben mit überdurchschnittlicher Küchenleistung ragen etwa in Lech – dem wohl modänsten Skiort Österreichs – ­einige besonders hervor, beispielsweise der in jeder Hinsicht außergewöhnliche Almhof Schneider. Der gebürtige Lecher Gerold Schneider betreibt mit dem Almhof ein Hotel mit architektonischem ­Vorbildcharakter, ­Modernität und klaren Formen. Auch das Res­taurant zählt zu den besten der Gegend.

Der Almhof Schneider zählt in Lech zu den ersten Adressen / Foto: beigestellt
Der Almhof Schneider zählt in Lech zu den ersten Adressen / Foto: beigestellt


Der Almhof Schneider zählt in Lech zu den ersten Adressen

Jahr für Jahr hoch bewertet ist auch die »Griggeler Stuba« mit dem genialen und sympathischen Thorsten Probost am Herd sowie das ultracoole »Fux« mit einem sagenhaften Weinkeller, die traditionelle »Post« der Familie Moosbrugger und das »La Fenice« im Hotel Arlberg.

In Zürs und Umgebung wiederum sind es die Restaurants der Hotels Albona Nova und Montafoner Hof, die mit guter Küche punkten. Aber auch in Sachen Wein werden zu­weilen die Grenzen des Üblichen bei ­Weitem gesprengt. Bestes Beispiel: der Weinkeller von Adi Werner in seiner »Hospiz Alm« in St. Chris­toph auf der Tiroler Seite des Arlbergs. Der Name ist ein wenig irre­führend, denn wie in einem Hospiz geht es dort keineswegs zu. Ganz im Gegenteil: Auf 1450 Meter Seehöhe werden eine aufwendige ­Küche und große Altweine, vorwiegend aus dem Bordelais, serviert – von Château Pétrus und ­Mouton Rothschild abwärts. Küche und Weinkeller befinden sich damit in jeder ­Hinsicht auf hohem Niveau.

Hoch hinaus
Es gibt inzwischen aber auch jede Menge Skihütten beziehungsweise extrem hoch gelegene Lokalitäten, die weit mehr bieten als rus­tikale Gemütlichkeit mit zumeist mediokrer Verpflegung. Gaumenfreuden in hochalpiner Umgebung, Feinschmeckertreffs in unmittelbarer Pistennähe – der Begriff »Skihütte« wird den meisten Lokalen über 1500 Meter Seehöhe längst nicht mehr gerecht.

Nicht nur die Gäste, auch die ­edlen Zutaten fahren mit der Galzigbahn in Europas höchstgelegenes Zwei-Hauben-Restaurant / Foto: beigestellt
Nicht nur die Gäste, auch die ­edlen Zutaten fahren mit der Galzigbahn in Europas höchstgelegenes Zwei-Hauben-Restaurant / Foto: beigestellt



So ist etwa die »Verwallstube« alles andere als eine Seilbahnstation auf über 2000 Meter Höhe. Von St. Anton aus gelangt man mit der Galzigbahn zu diesem höchstgelegenen Zwei-Hauben-Restaurants Europas. Dort beeindruckt nicht nur das grandiose Bergpanorama, sondern auch eine Küche, die man an einem solchen Ort nicht erwartet. Küchenchef Bernhard Neuhold hat sich vor allem mit seinen Fischspezialitäten einen Namen gemacht, lässt aber auch Edelprodukte wie Gänseleber, Wachteln und Steaks nach oben bringen. Die anspruchsvolle Küche und ein gut bestückter Weinkeller machen dieses Lokal zu einem durch und durch ungewöhnlichen Treffpunkt für verwöhnte Skifahrer und Gourmets.

Das trifft auch auf die »Kristallhütte« im Hochzillertal zu. Von typischer Skihütten­atmosphäre kann hier keine Rede sein. Das Ambiente ist modern und die Terrasse mit Freiluft-Lounge-Charakter sowie einem atemberaubenden Panoramablick alles ­andere als traditionell. Philipp Stummer vom Hotel Guglwald im Mühlviertel kocht in der neuen Saison als Küchenchef auf, die Weinauswahl wurde durchaus kompetent zusammengestellt. Kein Wunder, dass die »Kristallhütte« schon mehrfach als »Skihütte des ­Jahres« ausgezeichnet wurde.

 Lounge-Feeling auf der »Kristallhütte« im Hochzillertal / Foto: beigestellt
Lounge-Feeling auf der »Kristallhütte« im Hochzillertal / Foto: beigestellt


Lounge-Feeling auf der »Kristallhütte« im Hochzillertal

Hüttenzauber für Gourmets

Nicht minder »cool« (in mehrfacher Hinsicht) ist »Addis Abeba[r]« auf rund 1700 Me­ter Seehöhe oberhalb von Galtür im Paznauntal. Ein postmoderner Kubus aus Holz, Beton und Glas, wo tagsüber zu Lounge-Musik Drinks und kreativ zubereitete Gerichte serviert werden. Auch hier ist die Weinauswahl mehr als nur durchschnittlich und hat mit dem üblichen Getränkeangebot einer herkömmlichen Skihütte rein gar nichts zu tun.

3082 Meter hoch liegt die verglaste Panoramabar »Top Mountain Star« in Hochgurgl, wo auf 120 Quadratmetern erlesene Happen und Spitzenweine kredenzt werden. Einen besseren Ausblick bei gutem Essen wird man in ganz Europa nicht finden.

Österreichs höchstgelegenes Café eröffnet diese Saison auf der Wildspitze im Piztal – es heißt entsprechend »Café 3440«.

Regionales auf hohem Niveau
In Kärnten ist es die »Edelweissalm«, die derzeit als beste Skihütte gehandelt wird. Sie befindet sich direkt bei der Talstation der Kornockbahn auf der Turracher Höhe und bietet den Gästen eine bemerkenswerte regionale Küche – mit Kärntner Kasnudeln, Kässpätzle und Kaiserschmarren.

Die modern durchgestylte »Balmalp« in der Arlbergregion auf über 2000 Meter Seehöhe etwa erreicht man mit der Zugerberg- oder Kriegerhornbahn. Wer dort ankommt, den ­erwartet eine Multikulti-Küche – von Riesenpizzen und Pastagerichten bis hin zu asiatischen ­Wokspezialitäten und regionalen ­Klassikern.
Ein Design-Highlight ist aber vor allem die »Schneggarei« an der Lecher Schlegelkopf-Talstation. Das Haus wurde mehrfach mit Architekturpreisen ausgezeichnet. Im ­Normalbetrieb werden hier Pizzen aus dem Holzofen, aber auch regionale Gerichte von beachtlicher Qualität angeboten. Und in der »Frozen Icebar« an der Schlegelkopf-Berg­station trifft man auf Swarovski-Kristalle und mit Pelzen bedeckte Sitze – Merkmale ­einer der wohl ­exklusivsten Skibars Europas.

Infos: www.falstaff.at/wintersporthotels


Text von Herbert Hacker
Aus Falstaff Nr. 07/2012

 

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    12.11.2012
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