Nichts macht das Motiv für den Relaunch des Schlumberger DOM T. FX.T verständlicher als eine Blindverkostung. Das erste Glas: in der Nase durchaus reife Anklänge, am Gaumen etwas lasche Perlage, das Aroma von Holz dominiert, die Säure etwas zu spitz, um an Champagner zu denken, und der Abgang verhalten und kurz. Das zweite Glas lässt einen tatsächlich an die Weinberge in der Montagne de Reims denken: feine Perlage, schöne Frucht, reife Noten, dahinter schimmert dezente Säure und im Abgang offenbaren sich Dichte und Länge, wie sie prominente Edelmarken aus der Champagne mit ihren Bruts nicht mal versuchen zu erreichen. Im ersten Glas: der DOM 2002 (er wurde 2006 auf Flasche gefüllt), im zweiten Glas: der DOM 2006, der im Mai 2010 präsentiert wurde. In diesem Zustand ist sein Anspruch auf den Platz an der Spitze des gesamten Schlumberger-Sortiments absolut nachvollziehbar und gerechtfertigt.

Als der DOM T.FX.T vor acht Jahren als Pres­tige-Cuvée von Schlumberger aus der Taufe gehoben wurde, waren die Ansprüche hoch. Die altehrwürdige Sektkellerei Schlumberger hatte sich mit den Winzern F. X. Pichler aus Oberloiben, Manfred Tement aus Berghausen sowie Illa und Tibor Szemes (Tibor verstarb 2001, seit

Illa Szemes
Illa Szemes

damals führt seine Witwe Illa das Weingut) aus Pinkafeld verbündet. Erklär­tes gemeinsames Ziel war es, einen österreichischen Spitzensekt nach der Méthode champenoise zu kreieren, der in Blindverkostungen den gängigen Brut-Champagnern in Augenhöhe begegnen kann. Doch so harmonisch die Qualitätsansprüche der Partner in den Konzepten formuliert waren, in der Praxis ­lagen sie doch auseinander. Dissonanzen über die Komposition des DOM und seinen Klang am Gaumen waren die Folge. Schuldzuweisungen? Keine. Aber sagen wir es mal so: Keiner der Beteiligten konnte so recht aus seiner Haut.

Neustart im Jahr 2006
Mit einem neuen Management an der Spitze von Schlumberger zu Beginn des Jahres 2006 wurden die Karten neu gemischt. Eduard Kranebitter, Vorstandsvorsitzender, und Herbert Jagersberger, Kellermeister und Geschäftsführer, waren gewillt, die Qualitätsansprüche der drei prominenten Partnerwinzer kompromisslos einzulösen und mit dem DOM in der ersten Liga der Spitzensekte mitzuspielen.

Mit dem Resultat der gemeinsamen Anstrengungen sind F. X. Pichler, Manfred

F. X. Pichler
F. X. Pichler

Tement und Illa Szemes nun vollauf zufrieden: »Wir hatten alle drei den Ehrgeiz, mit dem DOM noch mal neu durchzustarten, weil wir vom Konzept überzeugt sind«, so F. X. Pichler stellvertretend fürs das Winzer-Trio. »Der Weinjahrgang 2006 mit hoher physiologischer Reife und einer schönen Säurestruktur war ein Wink des Himmels, es noch mal zu probieren.«

Im September 2006 trafen sich die drei Winzer mit Jagersberger und inspizierten vor Ort Chardonnay- und Pinot-Noir-Trauben der Vertragswinzer von Schlumberger aus Poysdorf im Weinviertel. »Wir haben unsere Qualitätsansprüche noch höher geschraubt«, erinnert sich Illa Szemes. »Wir wollten lieber eine geringere Menge produzieren und wirklich nur die Top-Qualitäten selektionieren.«

Die Dosage vom Morillon der Lage Sulz ist optimal
Die Grundweine wurden teils im Stahltank, teils im großen Holzfass und zum geringsten Teil in gebrauchten Barriques vergoren. Dies im Gegensatz zum Vorgängermodell, dessen Grundweine zu einem weit höheren Anteil in kleinen Holzfässern vergoren wurden. Nach biologischem Säureabbau und Cuvéetierung lag der DOM 2006 danach für volle 36 Monate (also zwölf Monate länger als etwa der Jahrgang 2002) auf der Hefe und entwickelte während der Flaschenreife jene biskuitigen Aromen sowie den weichen, cremigen Ton am Gaumen, der den Gourmet auch tatsächlich an Champagner denken lässt.

Doch erst die Dosage macht einen Sekt balanciert und einzigartig, jene des DOM

Manfred Tement
Manfred Tement

stammt vom Morillon der Lage Sulz von Manfred Tement: »Wir haben mit verschiedenen Weinen und Zuckergradationen experimentiert und ausschließlich blind verkostet. Bei zehn Gramm war die Balance von Süße und Säure, Frucht und Körper am besten. Wenn wir den DOM 2006 jetzt im Glas haben, kommt schon große Freude auf. Wir haben alle viel Zeit und Know-how investiert und stehen mit unseren Namen hinter dem Produkt.«

Während der Jahrgang 2006 nun bereits trinkbar ist, reifen in den Schlumberger-Kellern auch schon die Jahrgänge 2007, 2008 und 2009 in ihren Rüttelpulten. Was man sich davon erwarten kann? »Wir werden immer qualitätsfanatischer«, schmunzelt Kellermeister Herbert Jagersberger, »und mit weniger als dem Ergebnis von 2006 wollen wir uns auch in Zukunft nicht zufriedengeben.«
Der DOM T.FX.T 2006 erscheint in einer limitierten, durchnummerierten Auflage von 20.000 Flaschen und ist nur in der Top-Gastronomie und in ausgewählten Vinotheken erhältlich.

von Klaus Buttenhauser

aus Falstaff 04/2010

Mehr zum Thema

News

Trend: Warum Sie Verjus probieren sollten

Biowinzer nutzen selbst unreife Trauben – als Verjus. Der »grüne Saft« muss aber nicht immer diese Farbe haben. Köstlich und vielseitig ist er...

News

Dr. Loosen launcht alkoholfreien Riesling

Es sagt viel über den Zeitgeist aus, wenn ein ikonischer Rieslingproduzent alkoholfreie Weine präsentiert.

News

Moët & Chandon: Ein Jahrhundert Champagner

Moët & Chandon feierte den hundertsten Jahrestag des großen Jahrgangs 1921 — der als einer der größten Champagnerjahrgänge aller Zeiten gilt — mit...

News

Tauziehen um Ahr-Spenden vor dem Ende?

Bis heute warten die Ahr-Winzer auf die gesammelten Hilfen. Bund und Länder wollen nun gemeinsam nach steuerrechtlichen Lösungen suchen.

News

Henkell Freixenet steigt in die britische Schaumweinproduktion ein

Der Sektgigant möchte mit dem Kauf des Bolney Wine Estates für eine noch unbekannte Summe, in Zukunft auch im englischen Markt mitmischen.

News

Der Boom der alkoholfreien Spirituosen-Alternativen

Alkoholfreie Spirituosenalternativen boomen. Und das, obwohl es – gelinde gesagt – schwierig ist, Gin, Whisky, Rum & Co ohne den wichtigen...

News

Wegen Omikron: ProWein prüft Verschiebung

Nach zwei Jahren Corona-bedingter Abstinenz sollte die Düsseldorfer Weinfachmesse im März 2022 eigentlich wieder stattfinden – nun ist wohl ein...

News

Burgenland: Best of Mittelburgenland DAC

Seit dem Jahr 2005 gibt es die Herkunftsbezeichnung Mittelburgenland DAC in den drei Kategorien Klassik, Klassik mit Riedbezeichnung und Reserve – wir...

News

Im Porträt: Château Pontet-Canet, Pauillac, Bordeaux

Biodynamische Weltklasse: Pontet-Canet wurde dank konsequenter Bemühungen zu Bordeaux »Phönix aus der Asche« und zugleich das erste klassifizierte...

News

Cave de Tain legt Weinbau-Fond auf

Die Rhône-Genossenschaft verspricht flüssige Dividenden ab einem Investment von 5360 Euro. Wir haben mit dem Direktor gesprochen.

News

Südtirol-Trophy 2021: Best of Burgundersorten

Die klassischen Burgundersorten, also Weiß-, Grau- und Blauburgunder sowie Chardonnay, haben eine lange Tradition in Südtirol. Zu den Gewinnern der...

News

Irland führt Mindestpreis für Alkohol ein

Aufgrund eines neuen Gesetzes darf in Irland eine Flasche Wein für nicht weniger als 7,40 Euro verkauft werden. UMFRAGE: Könnten Sie sich diese...

News

Tenuta di Biserno erweitert

Das feine Familienweingut der Marchesi Antinori an der Küste der Toskana erweitert und übernimmt Collemezzano bei Cecina. Direktor Niccolò Marzicchi...

News

Pro & Contra: Wein für Veganer

Immer öfter prangt auch auf Weinetiketten das Prüfsiegel »vegan«. Aber Wein wird aus Trauben erzeugt, wo soll hier tierischer Einfluss herkommen? Der...

News

Sensationsergebnis bei der dritten Weinauktion von Falstaff und Dorotheum

Alle 425 Lots wurden auktioniert und ein Gesamterlös von 327.000 Euro erzielt. Die nächste Weinauktion findet zu Ostern statt, Einbringungen sind ab...

News

Claude Taittinger im Alter von 94 Jahren verstorben

Claude Taittinger, der rund 40 Jahre lang das Champagnerhaus seiner Familie leitete, starb am 3. Januar in Paris.

News

Die Sieger der Chianti Classico Trophy 2021

Chianti Classico bietet guten Trinkgenuss – das gilt natürlich auch für die Jahrgänge 2018 und 2019, die für diese Falstaff-Trophy verkostet wurden.

News

Wilfried Bauer bei Schlossquadrat Trophy

Das Weinviertler Winzertalent präsentiert seine Weine am 11. Jänner im Wiener »Schlossquadrat«. Die Verkostung findet mit fixen Sitzplätzen in zwei...

News

Das Weingut Château Figeac im Porträt

Das traditionsreichen Bordeaux-Weingut Château Figeac, das seit 1892 in der Hand von Familie Manoncourt ist, hat sich für die Zukunft aufgestellt.

News

Meistgeklickt auf Falstaff.at: Top 10 Winzer 2021

Jahresrückblick: Diese zehn Weingüter wurden 2021 am häufigsten aufgerufen.