Herbert Jagersberger und Eduard Kranebitter
Herbert Jagersberger und Eduard Kranebitter © Ingo Pertramer

Nichts macht das Motiv für den Relaunch des Schlumberger DOM T. FX.T verständlicher als eine Blindverkostung. Das erste Glas: in der Nase durchaus reife Anklänge, am Gaumen etwas lasche Perlage, das Aroma von Holz dominiert, die Säure etwas zu spitz, um an Champagner zu denken, und der Abgang verhalten und kurz. Das zweite Glas lässt einen tatsächlich an die Weinberge in der Montagne de Reims denken: feine Perlage, schöne Frucht, reife Noten, dahinter schimmert dezente Säure und im Abgang offenbaren sich Dichte und Länge, wie sie prominente Edelmarken aus der Champagne mit ihren Bruts nicht mal versuchen zu erreichen. Im ersten Glas: der DOM 2002 (er wurde 2006 auf Flasche gefüllt), im zweiten Glas: der DOM 2006, der im Mai 2010 präsentiert wurde. In diesem Zustand ist sein Anspruch auf den Platz an der Spitze des gesamten Schlumberger-Sortiments absolut nachvollziehbar und gerechtfertigt.

Als der DOM T.FX.T vor acht Jahren als Pres­tige-Cuvée von Schlumberger aus der Taufe gehoben wurde, waren die Ansprüche hoch. Die altehrwürdige Sektkellerei Schlumberger hatte sich mit den Winzern F. X. Pichler aus Oberloiben, Manfred Tement aus Berghausen sowie Illa und Tibor Szemes (Tibor verstarb 2001, seit

Illa Szemes
Illa Szemes

damals führt seine Witwe Illa das Weingut) aus Pinkafeld verbündet. Erklär­tes gemeinsames Ziel war es, einen österreichischen Spitzensekt nach der Méthode champenoise zu kreieren, der in Blindverkostungen den gängigen Brut-Champagnern in Augenhöhe begegnen kann. Doch so harmonisch die Qualitätsansprüche der Partner in den Konzepten formuliert waren, in der Praxis ­lagen sie doch auseinander. Dissonanzen über die Komposition des DOM und seinen Klang am Gaumen waren die Folge. Schuldzuweisungen? Keine. Aber sagen wir es mal so: Keiner der Beteiligten konnte so recht aus seiner Haut.

Neustart im Jahr 2006
Mit einem neuen Management an der Spitze von Schlumberger zu Beginn des Jahres 2006 wurden die Karten neu gemischt. Eduard Kranebitter, Vorstandsvorsitzender, und Herbert Jagersberger, Kellermeister und Geschäftsführer, waren gewillt, die Qualitätsansprüche der drei prominenten Partnerwinzer kompromisslos einzulösen und mit dem DOM in der ersten Liga der Spitzensekte mitzuspielen.

Mit dem Resultat der gemeinsamen Anstrengungen sind F. X. Pichler, Manfred

F. X. Pichler
F. X. Pichler

Tement und Illa Szemes nun vollauf zufrieden: »Wir hatten alle drei den Ehrgeiz, mit dem DOM noch mal neu durchzustarten, weil wir vom Konzept überzeugt sind«, so F. X. Pichler stellvertretend fürs das Winzer-Trio. »Der Weinjahrgang 2006 mit hoher physiologischer Reife und einer schönen Säurestruktur war ein Wink des Himmels, es noch mal zu probieren.«

Im September 2006 trafen sich die drei Winzer mit Jagersberger und inspizierten vor Ort Chardonnay- und Pinot-Noir-Trauben der Vertragswinzer von Schlumberger aus Poysdorf im Weinviertel. »Wir haben unsere Qualitätsansprüche noch höher geschraubt«, erinnert sich Illa Szemes. »Wir wollten lieber eine geringere Menge produzieren und wirklich nur die Top-Qualitäten selektionieren.«

Die Dosage vom Morillon der Lage Sulz ist optimal
Die Grundweine wurden teils im Stahltank, teils im großen Holzfass und zum geringsten Teil in gebrauchten Barriques vergoren. Dies im Gegensatz zum Vorgängermodell, dessen Grundweine zu einem weit höheren Anteil in kleinen Holzfässern vergoren wurden. Nach biologischem Säureabbau und Cuvéetierung lag der DOM 2006 danach für volle 36 Monate (also zwölf Monate länger als etwa der Jahrgang 2002) auf der Hefe und entwickelte während der Flaschenreife jene biskuitigen Aromen sowie den weichen, cremigen Ton am Gaumen, der den Gourmet auch tatsächlich an Champagner denken lässt.

Doch erst die Dosage macht einen Sekt balanciert und einzigartig, jene des DOM

Manfred Tement
Manfred Tement

stammt vom Morillon der Lage Sulz von Manfred Tement: »Wir haben mit verschiedenen Weinen und Zuckergradationen experimentiert und ausschließlich blind verkostet. Bei zehn Gramm war die Balance von Süße und Säure, Frucht und Körper am besten. Wenn wir den DOM 2006 jetzt im Glas haben, kommt schon große Freude auf. Wir haben alle viel Zeit und Know-how investiert und stehen mit unseren Namen hinter dem Produkt.«

Während der Jahrgang 2006 nun bereits trinkbar ist, reifen in den Schlumberger-Kellern auch schon die Jahrgänge 2007, 2008 und 2009 in ihren Rüttelpulten. Was man sich davon erwarten kann? »Wir werden immer qualitätsfanatischer«, schmunzelt Kellermeister Herbert Jagersberger, »und mit weniger als dem Ergebnis von 2006 wollen wir uns auch in Zukunft nicht zufriedengeben.«
Der DOM T.FX.T 2006 erscheint in einer limitierten, durchnummerierten Auflage von 20.000 Flaschen und ist nur in der Top-Gastronomie und in ausgewählten Vinotheken erhältlich.

von Klaus Buttenhauser

aus Falstaff 04/2010

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