Say Cheese: Ludomirska über die Marken-Botschaft

Eine Marke kann auch Bekanntheit bei Verbrauchern schaffen.

© Lex Karelly

Eine Marke kann auch Bekanntheit bei Verbrauchern schaffen.

© Lex Karelly

Seit nunmehr 25 Jahren ist Roland Ludomirska im Käse-Business. The Crazy Cheese – seine neu kreierte Marke – hat der gebürtige Wiener mit dem ersten Store-Opening in Vösendorf am 5. März 2020 geboren. Trotz Shutdown und Krise folgten bereits weitere Stores. Mit PROFI sprach Ludomirska über seinen Weg und seine Vision.

»Ich wollte immer außergewöhnlich sein.«

PROFI: Wie begann Ihre Käse-Geschichte?
Roland Ludomirska: Ich hatte vor 25 Jahren einen Brotstand am Viktor Adler-Markt. Meine Tante brachte mich auf die Idee, Käse am Markt zu verkaufen. Ich war am Anfang extrem skeptisch, merkte aber schnell, dass Käse schon fast magisch ist und Kunden anzieht. Ich habe einige Jahre am Bauernmarkt, danach auf Messen verkauft. Schlussendlich ist mein Business, mein Konzept, aber gereift, es hat lange gebraucht, so wie beim Käse.

Was war bzw. ist Ihre Vision?
Ich wollte immer außergewöhnlich sein. Ich musste neue Wege gehen. Ich habe lange mit Vorarlbergern zusammengearbeitet, meine Vision von ungewöhnlichen Produkten konnten sie nicht teilen. Es war für Vorarlberger nicht nachzuvollziehen, warum ich ihnen als Wiener etwas über Käse erzählen möchte. Ich wusste aber, dass wir uns weiterentwickeln müssen. Ich arbeite jetzt mit Holländern zusammen, die außergewöhnliche Kreationen mit mir umsetzen wollten.

»Ich werde die Menschen nicht satt machen, ich werde sie glücklich  machen. Das war von Beginn an meine Vision.«
Roland Ludomirska, The Crazy Cheese

Wir haben mit der Zeit immer mehr Produkte auf dem Markt etabliert: Pestokäse, Lavendelkäse, Liebeskäse mit Tomaten und Oliven und viele mehr. Jetzt neu ist die Geile Sau, ein Käse geräuchert mit Grammeln. Käse ist Lifestyle! Und ich wollte mehr: Ich wollte einzigartig sein. Und das geht nur, wenn man etwas erschafft, das nicht kopiert werden kann, das war ich als Marke. Und das war meine Motivation.

Sie haben beim Shutdown unglaublich rasch reagiert, Ihr Online-Shop war umgehend ­präsent. Ein Zufall?
Ich kam mir vor, als hätten wir die Arche gebaut. Als es beim Shutdown in Strömen regnete, hatten wir innerhalb von drei Tagen unseren Online-Shop aufgestellt, in unserer Garage. Es war perfektes Timing. Wir haben den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr ohne Messen verdoppelt.

Trotz der Krise haben Sie weitere Stores eröffnet.
Mittlerweile haben wir sechs Stores, zwei weitere folgen – und das im ersten Jahr. Ich lebe in meiner eigenen Welt, ich habe mich von Corona nicht beeinflussen lassen. Direkt während des Shutdowns haben wir zwei Stores unterschrieben ohne abzuwarten wie die ersten Stores laufen. Das ist auch das Geheimnis meines Erfolges: Ich denke nicht über Dinge nach, die ich nicht beeinflussen kann. Ich handle und schwimme gegen den Strom. 

Wie stehen Sie zu Regionalität?
Das Leben ist zu kurz, um sich nur auf regionale Produkte zu beschränken. Auch wenn ich damit anecke. Wir möchten Spaß machen und wir wollen international sein. Nächstes Jahr möchten wir bereits den ersten Shop in den USA eröffnen.

Wie rechtfertigen Sie Ihr doch stolzes Pricing?
Es kommt immer darauf an, wie man sich vermarktet und seine Begehrlichkeit erhöht. Und wenn ich nicht diese Preisschiene wie heute fahre, dann habe ich es verpasst mich richtig zu präsentieren. Dann stimmt die Produkt­präsentation auch nicht. Dennoch kann man es nicht jedem recht machen und natürlich sind unsere Produkte auch nicht für jeden geeignet. Verzicht ist nichts für mich.

»Ich denke nicht über Dinge nach, die ich nicht beeinflussen kann. Ich handle einfach und schwimme gegen den Strom.«
Roland Ludomirska, The Crazy Cheese

Ich möchte den Menschen den Genuss zurück bringen. Gerade in diesen Zeiten möchte ich mehr denn je positiv sein und zeigen, dass man das Leben genießen muss. Ich trinke Champagner und vergesse sicher nicht zu leben. Ich versuche Menschen abzulenken. Wenn ich heute weiß, dass ich morgen sterbe, dann lebe ich heute anders. Wir sollten mehr im Jetzt genießen.

Sie polarisieren extrem. Wie gehen Sie mit Vorwürfen um?
Du kannst nur glücklich sein, wenn du jeden so annimmst, wie er ist. Ich lasse jeden wie er ist und versuche diese Negativität nicht zu beachten. Ich kann niemanden bekehren oder zumindest schwer, darauf konzentriere ich mich somit sicher nicht. Auch wenn manchmal etwas kränkend sein kann. Was ich machen kann, ist, ein Leben vorzuleben, von dem ich überzeugt bin. Ich werde nie 100 Prozent der Menschen ansprechen. ­Damit kann ich auch leben.

Sie achten darauf, dass positive Gedanken im Vordergrund stehen?
Mangelgedanken gibt es bei mir nicht. Man darf nicht denken: »Das ist zu teuer, das ist zu schwer, das ist nicht möglich.« Und auch Neidgedanken blockieren dich nur. Viele schrauben ihre Bedürfnisse herunter und denken, dass sie nichts mehr brauchen. Das darf es aber nicht sein. Man muss sich Dinge gönnen und das zeige ich auch, damit es andere ebenso machen wie ich. Wir leben, lieben und genießen.

Wie sieht Ihre Zukunft aus? Wie geht es ­weiter?
Mein Vorbild ist Walt Disney, ich möchte unsterblich sein. Auch wenn er schon lange verstorben ist, prägt seine Marke noch immer viele Menschen und Generationen. Wenn ich das erreiche, dann habe ich es gut gemacht. Daher möchten wir auch in die USA expandieren. Ich möchte eine Marke erschaffen, die auch nach mir funktioniert.

crazy-cheese.com

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Falstaff Profi Magazin 3/2020
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