Sattlerhof: Die Visionäre vom Kranachberg

Willi Sattler mit seinen Söhnen Andreas und Alexander bei der Fassprobe.

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Willi Sattler mit seinen Söhnen Andreas und Alexander bei der Fassprobe.

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Besucht man heute den weitläufigen Sattlerhof unweit von Gamlitz in der Südsteiermark, so kann man sich angesichts des Ensembles aus Weingut, Restaurant und Hotel nur schwer vorstellen, dass sich hier 1965 nur ein kleiner, halb verfallener Bauernhof mit ein paar Rebzeilen befand.

Aber der Reihe nach: Anfang der 1950er-Jahre beschloss der junge Wilhelm Sattler aus Kapfenberg, die Weinbauschule in Klosterneuburg zu besuchen, die er 1955 mit ausgezeichnetem Erfolg abschloss. Er arbeitete danach in Weinbaubetrieben, unter anderem in der Winzergenossenschaft Wachau in Dürnstein, und war als Edelobsterzeuger selbstständig, bis ihn ein Wink des Schicksals in die Südsteiermark führte: Der Bruder seiner Gattin Aloisia war bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen und hinterließ seiner Schwester ein kleines, ziemlich heruntergekommenes Weingut. Wilhelm Sattler senior erkannte das Potenzial, das Böden und Klima der Region dem Weinbau boten, und entschied sich, den Betrieb zu bewirtschaften.

Das Ehepaar machte sich daran, das kleine Gut auf Vordermann zu bringen, 1966 konnte Sattler seinen ersten Wein auf Flasche füllen. Den Wein legte er so an, wie er es unter anderem in der Wachau gelernt hatte: trocken, mit präziser Säurestruktur, leicht und zart fruchtig. Mit diesem Stil hatte der Pionier der naturbelassenen Weine in der Steiermark anfangs keinen leichten Stand. Erst 1980 gelang dem Sattlerhof der erste wichtige Durchbruch. Der Weinhändler Gottardi aus Innsbruck sicherte sich vertraglich das Alleinverkaufsrecht für einen Wein aus der Sorte Sauvignon Blanc, den Wilhelm Sattler aus der Ried Pfarrweingarten erzeugte. Diese Sorte sollte in den kommenden Jahren noch für viele weitere steirische Betriebe eine wesentliche Rolle spielen.

Eine große Vertikalprobe bot einen tiefen Einblick in die hohe Qualitätskonstanz am Sattlerhof.

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Steirische Pionierarbeit

Im Jahr 1979 stieg Wilhelm Sattler junior in den Betrieb ein, und wie sein Vater war er ganz vom Qualitätsgedanken beseelt. Er erkannte, dass man die Steiermark schwer im Alleingang nach vorne bringen kann, und gründete 1986 mit einigen Gleichgesinnten den Verein »Steirische Klassikwinzer«, aus dem die heutigen »Steirische Terroir- und Klassikweingüter«, kurz STK, hervorgegangen sind. Im gleichen Jahr wurde Willi junior der Obmann der neu gegründeten »Marktgemeinschaft Steirischer Wein«, die er bis 2014 leitete. Schritt für Schritt wurden das Weingut modernisiert und neue Top-Lagen in Bewirtschaftung genommen.

1990 eröffnete Wilhelms Bruder Hannes sein Restaurant am Sattlerhof, das zum ersten Haubenlokal der Steiermark avancierte – ein toller Botschafter für die Weine des Familienbetriebs. Im selben Jahr wurde auch erstmals sein Sauvignon Blanc aus der Top-Lage Kranachberg gefüllt, damals noch als »Prämium« bezeichnet, erst ab dem Jahrgang 1995 findet sich der Lagenname auch auf dem Etikett. Im Jahr 1997 sorgte dieser Wein erstmals für Furore, an seiner herausragenden Qualität konnte kein Weinkenner mehr vorbei.

Im Jahr 1999 verstarb Wilhelm Sattler senior, der Wegbereiter des trockenen steirischen Weins, an einem Herzleiden. Wenige Jahre später wurden am Sattlerhof die ersten Versuche mit der biodynamischen Wirtschaftsweise unternommen. Der Sattlerhof war der erste Betrieb der Steiermark, der von Kork auf Glasverschluss umstellte. Ab 2008 verzichtete man auf sämtliche Herbizide, in Folge wurde der »sanfte Rebschnitt« eingeführt. Im Jahr 2013 wurde endgültig auf biologische Bewirtschaftung umgestellt.

Der elegante Verkostungsraum ist im 300 Jahre alten Gewölbe des Sattlerhofs untergebracht.

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Seit seinem Studienabschluss 2014 unterstützt Sohn Andreas die Weiterentwicklung des Betriebes mit frischen Ideen, auch die anderen drei Geschwister bringen sich in unterschiedlichen Gebieten – vom Weingarten bis zur Etikettengestaltung – mit ein. Mit der nunmehr dritten Generation sind auch zukünftig Weine von höchstem Niveau und in bester Qualität vom Sattlerhof gesichert.

Aus Anlass der fünfzigjähren, anhaltenden Erfolgsstory des Sattlerhofs hat Wein-Chefredakteur Peter Moser eine Vertikalprobe zweier maßgeblicher österreichischer Weißweine durchgeführt. Auf dem Programm standen der Morillon der Monopollage Pfarrweingarten, der erstmals 1979 erzeugt wurde, und der Sauvignon Blanc Kranachberg, dessen erster Jahrgang 1990 war. Zur Verkostung kamen die Jahre inklusive 1990 und jünger.

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