Sara Pérez und René Barbier im Falstaff Interview

René Barbier und Sara Pérez

© Barbier/Perez

René Barbier und Sara Pérez

© Barbier/Perez

Sie sind das Traumpaar der spanischen Winzerszene und verkörpern eine neue Generation, die avantgardistisch und nachhaltig arbeitet. Sara Pérez und René Barbier entstammen den Weingütern Clos Mogador und Mas Martinet. Die beiden Familien haben das Priorat zusammen mit Alvaro Palacio vor der Vergessenheit bewahrt und den Boom dieser Region in Katalonien begründet haben. Ende der 1980er-Jahre wurde nur noch auf wenigen hundert Hektar von Genossenschaften wenig spannender Wein angebaut. Mittlwerweile sind es wieder über 1.700 Hektar, die bewirtschaftet werden. Auf kargen und steilen Schieferböden gedeihen vor allem Carignan und Grenache, die international sehr gefragt sind.

Eine Liebesgeschichte

Sara Pérez und René Barbier lernten einander bei vinophilen Bildungsreisen kennen und lieben. Pérez hatte im Jahr 1999 das Weingut Venus la Universal in der DO Montsant gegründet, das sie fortan zusammen bewirtschafteten. Die geschützte Herkunft Montsant umschließt das Priorat wie ein Hufeisen. Von Anfang an arbeiteten die beiden biologisch, hauptsächlich sogar biodynamisch. Da Sara Pérez als Konsulentin alle Weinbaugebiete Spaniens kennen gelernt hatte, entdeckte sie viele ungeahnte Potenziale und startete weitere Projekte wie beispielsweise in Galizien. Da aus der Beziehung von Pérez und Barbier aber nicht nur grandiose Weine, sondern mittlerweile vier Kinder hervorgingen, beschränken sich die beiden mittlerweile wieder auf die Regionen Priorat und Montsant. Bei einem hochkarätigen Degustationsmenü im Wiener Restaurant »Das Schick« erzählten die charismatischen Spanier von ihre gemeinsam Geschichte und ihren Visionen.

René Barvier & Sara Perez
René Barvier & Sara Perez

© Barbier/Perez

Ein Orange Wine, der nicht orange werden will

Falstaff: Neben Ihrem Weingut Venus la Universal im Montsant arbeiten Sie an weiteren Projekten. Können sie uns einen raschen Überblick verschaffen?
Sara Pérez und René Barbier:
Da ist einerseits das Weingut »Sara i René Viticultors« im Priorat, wo wir vier Hektar Rebfläche in steilen Hanglagen erwerben konnten. Die Reben sind 60 Jahre alt, wurden aber die vergangenen 30 Jahre nicht mehr bewirtschaftet. Alle unsere Weine werden biologisch und mit minimaler Manipulation hergestellt, die von »Sara i René Viticultors« sind am meisten »natural«. Andererseits haben wir mit sechs Freunden das Projekt »La Vinya del vuit« gegründet. »Vuit« bedeutet auf katalanisch »acht«, was für uns acht Freunde steht. Jedes Jahr haben wir ein anderes Etikett, das aber immer die Zahl acht enthält. (Anm.: Diese Weine sind nicht nur begehrte Sammlerstücke, sondern absolute Kultweine, die in der Fachwelt stets höchstes Lob ernten, beispielsweise der El Vuit 2010).

Wie »natural« sind diese Weine?
Bei zwei Weinen konnten wir bereits ganz auf Schwefel verzichten. Bei allen anderen verwenden wir nur minimale Mengen. Wir haben viel expermentiert, viel riskiert und schon zahlreiche Weine dadurch verloren. Aber nun verfügen wir über die nötige Erfahrung, die man braucht, um mit Minimal-Schwefel auszukommen. Wir haben auch mit einem Orange Wine experimentiert, dazu haben wir Macabeu-Trauben mit der Maische vergoren und in Tongefäßen reifen lassen. Sensorisch schmeckt er wie ein Orange-Wein, nur optisch sieht er fast normal aus.

Sind alle Ihre Weine spontan vergoren?
Ja. Die Hefe dafür wird für jeden Wein aus genau dem Weingarten geholt, in dem die Trauben gewachsen sind.

Sind Sie bei weiteren Projekten involviert?
Wir haben jetzt vier Kinder, da können und wollen wir nicht mehr so oft fern von zuhause sein. Unser Engagement in Galicien ist beispielsweise seit drei Jahren beendet. 

Gibt es unter Ihren Kindern schon einen René Barbier?
Ja, unser erster Sohn heißt René. (Anm.: Das ist nun die fünfte Generation, die auch den Voranmen weiter trägt).

Durch Ihr Netzwerk und Ihre frühreren Reisen haben Sie einen guten Überblick über die spanische Weinlandschaft. Welche Regionen haben das größte Potenzial (abgesehen von Montsant und Priorat)?
Wir haben Victoria Torres aus La Palma auf Teneriffa kennen gelernt, sie macht spektakulär guten Wein. Die Reben wachsen auf vulkanischem Gestein und werden gerade einmal kniehoch. Derartige Weine von den kanarischen Inseln haben sicher eine große Zukunft.

Bio-Weine sind in Spanien recht rar. Ist die Inlands-Nachfrage noch immer so gering?
Das stimmt für ganz Spanien, aber nicht für Katalonien, da ist biologische Landwirtschaft sehr populär.

Ich nehme an, dass die Exportquote entsprechend hoch ist?
Ja, aber das trifft auf fast alle Priorat-Weine zu. Unsere Weine gehen zu 55 Prozent außer Landes. Clos Mogador (das Weingut von René Barbiers Familie, das auf biodynamischen Weinbau umgestellt hat) hat eine Exportquote von 70 Prozent. 

Stimmt es, dass Sie auf Fässer aus Österreich schwören?
Ja, das stimmt! Es ist wirklich erstaunlich, aber wenn wir den selben Wein in einem Stockinger-Fass reifen lassen sowie in einem anderen: Der Wein aus dem Stockinger-Fass ist immer besser! Wir wissen nicht warum, aber vielleicht hat es auch mit den Personen zu tun? Herr Stockinger ist so authentisch, das übrträgt sich wohl auch auf das Fass und in weiterer Folge den Wein.

Aussicht auf Genuss im »das Schick«
Aussicht auf Genuss im »das Schick«

© Schick Hotels

Genialer Abend im »Das Schick«

Sara Pérez und René Barbier waren auf Einladung von Importeurin Beate Espinoza-Mayr (www.bodegarioja.at) in das Restaurant »das Schick« mit Blick über die Dächer von Wien gekommen. Da bereits die Elterngeneration zusammen gearbeitet hatte, kennen sich die »Jungen« schon von Kindesbeinen an. Für das kulinarische wohl sorgte Chefkoch Felix Albiez mit einem fulminanten Menü mit Highlights wie Gänseleber-Variationen, galizischem Oktopus oder Ragout vom Kalbsbackerl. Genial begleitet von den Weinen von den Gastwinzern. Unvergesslich die Venus Blanc 2013 aus 100 Prozent Cartoixà (Xarello), einer Sorte die überwiegend für Cava verwendet wird. Oder La Vinya del Vuit 2011 mit überwiegend Carignan (Cariñena) von fast 100 Jahre alten Rebstöcken...

Motiviert von hervorragenden Bewertungen eben erschienener Restaurantführer gibt es übrigens ab sofort eine neue Abendkarte mit Preziosen wie Seeigel oder Bauernente.

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