Runder Tisch: »Jagd sichert Arbeit«

Herrenrunde. Falstaff-Herausgeber Wolfgang Rosam (l.) holte für Hanno Soravia (Mi.) und Siegfried Wolf edle Tropfen aus seinem Weinkeller.

© Chris Singer

Herrenrunde. Falstaff-Herausgeber Wolfgang Rosam (l.) holte für Hanno Soravia (Mi.) und Siegfried Wolf edle Tropfen aus seinem Weinkeller.

© Chris Singer

Prinzipiell ist es nicht die einfachste Übung, die beiden gemeinsam an einen Tisch zu bekommen: Siegfried Wolf, 61 und gebürtiger Steirer, seiner­zeitiger Magna-CEO worldwide, heute Aufsichtsratsvorsitzender der Sberbank und der GAZ Automobiles Group – ein genauso umtriebiger wie erfolgreicher Unternehmer. Hanno Soravia, 58, Kärntner, steht gemeinsam mit seinem Bruder Erwin an der Spitze eines der größten Immobilien-Development-Unternehmens in Zentraleuropa.

Wenn es aber um die Jagd geht, findet sich in jedem noch so vollen Terminkalender eine Lücke. Perfekt und dem Thema ent­sprechend gekleidet, erscheinen die beiden im Falstaff-Office in der Wiener Innenstadt, um für eine Stunde ganz tief in ein Thema einzutauchen, das beiden besonders am Herzen liegt. Und gleichzeitig Dinge anzusprechen, die man im österreichischen Jagdwesen aus unternehmerischer und persönlicher Sicht verbessern könnte. Ein Gespräch über Nachhaltigkeit, Respekt, das mangelnde öffentliche Bekenntnis und den großen Wunsch, »dass es endlich eine Jagdkarte für Gesamt-Österreich geben muss«.

Falstaff: Sie beide sind erfolgreiche Unternehmer mit einem klaren Bekenntnis zur Jagd. Was ist Ihre wichtigste Botschaft?
Siegfried Wolf: Ganz einfach: dass für uns die Nachhaltigkeit der Jagd an erster Stelle steht. In unserem Jagdgesetz sind Abschussregelungen, Artenregelungen, Schonzeiten, etc. klar und deutlich verankert. Ich denke, eines unserer größten Handicaps ist es aktuell, dass sich nicht alle Jäger richtig verhalten. Auch bei uns gibt es schwarze Schafe. Man muss dies den Leuten aber näherbringen und oft auch verdeutlichen, dass das ein No-Go ist.

Was genau stört Sie?
Hanno Soravia: Wir sind nicht nur Jäger, sondern vor allem auch Heger. Gerade jetzt, im tiefsten Winter, kann das Wild nur über­leben, weil es eine Fütterung durch uns gibt. Und nur dank dieser können wir auch den Wald vor Schälschäden bewahren. Aber das verstehen einige staatseigene Betriebe leider nicht. Da lautet die Devise eher: ohne Wild auch kein Wildschaden.

Wie wichtig ist der Businessfaktor?
Wolf: Einerseits sind wir seit Menschengedenken Jäger, andererseits geht es heute natürlich auch um eine gewisse ökonomische Ausgewogenheit. Wir müssen die Jagd als Businessmodell anerkennen – und an die Arbeitsplätze denken, die sie schafft, an die Investitionen etc. Allein, wenn man sich anschaut, wie viel Geld Jäger heute für Bekleidung oder Ähnliches ausgeben – das liegt allein bei uns
in Österreich in großer Millionenhöhe.

»Man sieht sehr schnell, ob jemand nur aus Businessgründen beziehungsweise aus einer Modeerscheinung heraus Jäger geworden ist. Oder ob ihm das echt eine Herzensangelegenheit ist«, sagt Unternehmer Siegfried Wolf.
»Man sieht sehr schnell, ob jemand nur aus Businessgründen beziehungsweise aus einer Modeerscheinung heraus Jäger geworden ist. Oder ob ihm das echt eine Herzensangelegenheit ist«, sagt Unternehmer Siegfried Wolf.

© Chris Singer

Es gibt in Österreich inzwischen rund 130.000 Jäger ...
Wolf: Und dazu kommen noch mindestens genauso viele Jagdbegleitungen, Helfer, Hundeführer und so weiter. Das ist ein Volkswirtschaftsfaktor.
Soravia: Für viele in der ländlichen Bevölkerung ist das auch ein toller Zusatzerwerb. Und es fördert die soziale Gemeinschaft eines Orts. Was für die einen die Feuerwehr, ist für die anderen die Jagd.

Was wäre denn Ihr konkretes Anliegen?
Wolf: Es müssten mehr Gemeinsamkeiten her, zum Beispiel eine österreichische Jagdkarte. Eine mit den gleichen Schon- und Schutzzeiten, den gleichen Regulierungen etc. Das wäre meiner Meinung nach ein Thema, das man dringend angehen müsste. Ich habe fast für jedes Bundesland eine eigene Jagdkarte – das muss doch bitte nicht sein.

Wie früher einmal Golf, gilt heute die Jagd als Networking-Tool. Wie groß ist dieser Faktor tatsächlich?
Wolf: Nach wie vor sehr groß, wobei man natürlich aufpassen muss wegen der Com­pliance-Regelung. Man darf ja praktisch niemanden mehr einladen. Aber darunter leiden auch Kulturbetriebe wie zum Beispiel die Salzburger Festspiele. Da wird schon viel übertrieben.
Soravia: Dabei ist gerade Österreich bei internationalen Wirtschaftsbossen enorm beliebt. Jagd in Österreich ist offensichtlich anders, man kann auch gleich sagen, besser. Das liegt an der Vielfalt des Wildes, am Naturerlebnis, aber auch an unserem Talent, Gastgeber zu sein.
Wolf: Das stimmt. Österreich ist da sicher privilegiert, gerade im Schalenwildbereich haben wir meiner Meinung nach die ausgeprägteste Jagdkultur. Das verdanken wir Erzherzog Johann, der das Jagdbrauchtum ganz nach den Ehrengrundsätzen der Ausübung des Weidwerks gemacht hat. In Sachen Federwildjagd ist England allerdings führend.

Was schätzen die ausländischen Geschäftspartner und Freunde denn außerdem noch so an uns?
Wolf:
Unsere Geselligkeit und unsere Jagdkultur.
Soravia: Und den Respekt vor dem Wild und der Natur. Die Jagdkultur in unserem Land ist sehr hoch. Das schätzen insbesondere ausländische Jagdgäste enorm.

»Der Preis von € 2,60 für ein Kilo Wild ist ein Witz und entspricht keineswegs der hochklassigen Qualität dieses Nahrungsmittels«, betont Immobilien-Tycoon Hanno Soravia
»Der Preis von € 2,60 für ein Kilo Wild ist ein Witz und entspricht keineswegs der hochklassigen Qualität dieses Nahrungsmittels«, betont Immobilien-Tycoon Hanno Soravia (l.)

© Chris Singer

Herr Wolf, Sie haben in Ihrer Zeit bei Magna viele Jobs in Österreich geschaffen. War die Jagd dabei hilfreich?
Wolf:
Ganz sicher sogar. Wir haben bei Magna aus dem Stand heraus 17.000 neue Jobs in Europa geschaffen. In der Zuliefer­industrie sind noch 45.000 dazugekommen. Immer wieder war die Jagd dabei ein Türöffner und ein Ice-Breaker. Ich werde nie ver­gessen, wie bewegt ein großer deutscher Automo­bilist war, als er einen Einser-Hirsch schießen konnte und sich danach beim lieben Gott mit einem Kniefall bedankt hat. Das ist einer von vielen Momenten, die man in Erinnerung behält.

Thema Wildbret: Wie sieht es mit der Verwertung aus?
Soravia:
Das ist ein ganz wichtiger Punkt! Es hapert total an der Vermarktung unseres Wildbrets. Der Preis von € 2,60 für ein Kilo Wild ist ein Witz und entspricht keineswegs der hochklassigen Qualität dieses Nahrungsmittels. Wildfleisch gehört zum gesündesten überhaupt, wie wir alle wissen. Dennoch kaufen die Leute lieber hormonverseuchtes Putenfleisch, weil sie das leichter kochen können. Wir müssen hier Barrieren abbauen. Zum Beispiel, wie man Wild leicht und gut zubereiten kann. Denn wer weiß denn heute schon, wie man einen Fasan, eine sensationelle Rebhuhnbrust oder ein Hirschgulasch kocht? Fast niemand! Wir sind hier alle gefordert. Je mehr Menschen Wild genießen lernen, desto besser ist es für die gesamte Jagd. Wir haben den Geschmack unseres Wildes verloren.

Wie gehen Sie mit Kritik von Tierschützern um?
Wolf:
Da läuft das meiste völlig irrational ab. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn jemand vegan leben will. Dann soll er so essen. Aber er soll mich auch meinen Schweinsbraten genießen lassen. Das ist doch ein Minimum an gegenseitiger Toleranz, an Achtung und Akzeptanz dem anderen gegenüber. Ich habe aber ein echtes Problem mit militanten Tierschützern, die nicht nur Gesetze brechen, sondern auch dem Tier nichts Gutes tun. Und vor allem für einen vernünftigen Dialog nicht zu­gänglich sind.
Soravia: Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Wir sind Jäger und Heger und sicher keine Mörder. Wir haben eines der strengsten Jagdgesetze und jeder Abschuss verläuft ausschließlich kontrolliert und geplant, um Wild und Natur in einer guten Balance zu halten. Wer das nicht begreift,
tut mir echt leid.

Was muss passieren, um hier eine Deeskalation zu erreichen?
Wolf:
Wir haben eine ausreichende Gesetzeslage, die muss aber auch exekutiert und kommuniziert werden. Wir brauchen Aufklärung, Kommunikation, Verständnis und Vertrauen. Damit schaffen wir gleichzeitig auch mehr Verständnis für den Einklang von Natur und Wild in der Öffentlichkeit.

Falstaff Herausgeber Wolfgang Rosam im Gespräch.
Falstaff Herausgeber Wolfgang Rosam im Gespräch.

© Chris Singer

Erkennt man den Charakter eines Menschen bei der Jagd?
Wolf:
Absolut. Man sieht sehr schnell, ob jemand nur aus Businessgründen beziehungsweise aus einer Modeerscheinung heraus Jäger geworden ist. Oder ob ihm das echt eine Herzensangelegenheit ist.

Wer disqualifiziert sich sofort?
Wolf:
All jene, die zuerst schießen und erst hinterher ansprechen.
Soravia: Oder wenn sie sich nicht an die Vorgaben halten, die der Jagdherr ausgibt. Aber da ist mir auch schon einmal ein Fauxpas passiert. Weißt du noch, Sigi, als ich einmal einen falschen Hirschen bei dir geschossen habe? Gott sei Dank hattest du an diesem Tag ein exzellentes Geschäft abgeschlossen, also hast du’s mir sehr rasch verziehen.

Wenn wir kurz zusammenfassen: Die Jagd braucht also mehr Kom­munikation und mehr Bekenntnis von offizieller Seite?
Wolf: Richtig. Und mehr Respekt. Wir müssen erreichen, dass die Jagd ein ganz wichtiger Partner für das Funktio­nieren in der Natur ist. Wie Hanno schon gesagt hat: Wie erginge es dem Wild im Winter, ohne Fütterung?
Soravia: Ja, wir brauchen jedenfalls mehr Kommunikation und Dialog, auch mit nicht jagenden Öffentlichkeiten. Wir erfüllen eine ernste Aufgabe mit großem Gewissen. Und Nachhaltigkeit hat bei uns oberste Priorität.


Moderation: Ursula Macher
Fotos: Chris Singer

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