Ruf nach Lockerungen in der Gastronomie

Auch im Grazer »Glöckl-Bräu« sehnt man eine Aufhebung der Maskenpflicht herbei.

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Auch im Grazer »Glöckl-Bräu« sehnt man eine Aufhebung der Maskenpflicht herbei.

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Eine Woche nachdem Restaurants und Bars nach dem Lockdown wieder aufsperren durften zeichnet sich ein düsteres Bild für die heimische Gastronomie ab. Dem Vernehmen nach müssen die meisten Wirte im Moment mit einem Umsatz von 50 Prozent im Vergleich zum Normalbetrieb auskommen (Falstaff hat berichtet). Im Moment ist es ein Überlebenskampf, den viele Betriebe nicht auf Dauer durchhalten können. Der Ruf nach Lockerungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung des COVID 19-Virus wird daher immer lauter.

Corona -Krise und Gastronomie: Die neuesten Entwicklungen

Multigastronom Toni Mörwald berichtet im Gespräch mit Falstaff ebenfalls von Umsätzen von rund der Hälfte wie notwendig, bei vollen Kosten für das Personal. »Ich habe noch alle Mitarbeiter angestellt«, unterstreicht Mörwald im Gespräch mit Falstaff. »Wir müssen die Angst und das schlechte Gewissen wegkriegen«, führt er weiter aus. Mörwald fordert daher, dass die Maskenpflicht sowohl für Gäste als auch das Personal aufgehoben werden soll. »Das sind Stimmungskiller! Und meine Mitarbeiter schwitzen unter diesen Masken, weshalb sich viele Gäste auch aus Mitleid unwohl fühlen«, sagt der Feuersbrunner Wirt.

Aufhebung des Vier-Personen-Limits

Stefan Sternad, Obmann der Wirtschafskammer-Fachgruppe Gastronomie, hatte klargestellt, dass Gäste die Masken nur noch beim Betreten des Lokals brauchen. Im Gastgarten, beim Gang auf die Toilette und beim Verlassen der Gaststätte (!) müssen Gäste keinen Mund-Nasen-Schutz tragen (Falstaff hat berichtet). Somit ist die Maskenpflicht für Gäste ohnehin obsolet. Mörwald will sie auch für das Service wegbekommen. Man müsse den Gastronomen vertrauen können, dass sie in jeder Hinsicht höchste Hygiene-Standars und »Safety-Service« einhalten.

Sternad fordert zudem die Aufhebung des Vier-Personen-Limits, die Gäste und Gastronomen massiv einschränken. Zudem verweist der Wirtschaftskammer-Obmann auf die jüngste Entscheidung der Regierung, dass ab 29. Mai wieder Kulturveranstaltungen für bis zu 100 Personen zugelassen werden. »Das muss auch für die Gastronomie gelten!«, unterstreicht er im Gespräch mit Falstaff. Somit wären wieder Familienfeiern, Hochzeiten, etc. möglich. Zur Ermöglichung von lückenlosem Contact-Tracing schlägt er die Einführung von Gästelisten vor, damit im Ernstfall alle Maßnahmen getroffen werden können, um eine Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Dennoch plädiert Sternad dafür, alles zu unternehmen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Er warnt auch davor, die Sperrstunden-Regelung so auszulegen, dass Gäste nach 23 Uhr noch im Lokal bleiben können. (Anm.: Der Wortlaut der Verordnung besagt, dass zwischen 6 und 23 Uhr Lokale nicht betreten werden dürfen).

Schanigarten 365

»Sacher«-Chef Matthias Winkler berichtet dem Falstaff von einer Idee, mit der man den Wirten unbürokratisch und nachhaltig helfen könnte: »Lassen wir die Schanigärten diesen Winter stehen!«. Hoteldirektor Reiner Heilmann steht argumentativ beiseite und berichtet von Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich, die alleine für den Auf- und Abbau der Schanigärten anfallen. 

Winkler ergänzt: »Wirte sind teils schwer von Corona getroffen, im wirtschaftlichen Sinne lebensbedrohend.« Mit dieser einfachen Maßnahme bleiben vor Ansteckung sichere Plätze im Freien erhalten, es werden Arbeitsplätze gesichert und es verursacht keine Kosten. Das würde der Gastronomie wirklich helfen und soll auch nur einen Winter lang getestet und später evaluiert werden.

In anderen Metropolen wie Mailand, Rom oder Paris ist es schon längst Usus und auch das Argument, dass es wegen Schneeräumung nicht möglich sei lässt Winkler nicht gelten: »Wenn es Kopenhagen schafft, schaffen wir`s im milden Winter auch!«

Cocktailbars hart getroffen

Für die heimische Barszene ist genau diese verordnete Sperrstunde das größte Problem. Nicht nur, dass man nur einen Bruchteil der Gäste empfangen darf, wenn das meiste Geschäft gemacht wird, muss man zusperren. »Das ist genau zu unserer Prime-Time«, sagt der international ausgezeichnete Barkeeper Damir Busic, der die beliebte Bar »Liquid Diary« im Innsbrucker Zentrum betreibt. Er berichtet von großem Stress, der die konsequente Einhaltung der verfrühten Sperrstunde mit sich bringt und außerdem von einigen Gästen, die zuvor »auf Druck« konsumieren, was die Sinnhaftigkeit dieser Regelung fraglich erscheinen lässt. 

»Jetzt müssen wir alle zusammen halten«, führt Busic weiter aus und fordert seine Kollegen auf, die Sperrstundenregelung bis zu einer offiziellen Aufhebung konsequent einzuhalten. Trotz der schwierigen Zeit verbreitet der leidenschaftliche Gastgeber gute Stimmung, hofft aber dennoch auf eine baldige Lockerung der Maßnahmen.

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