Royale Weinlieferanten: Stets zu Diensten

Der Schaumwein, vor allem jener von Pol Roger, zählt zu den absoluten Favoriten der Royals.

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Der Schaumwein, vor allem jener von Pol Roger, zählt zu den absoluten Favoriten der Royals.

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Verschwiegenheit ist eine Tugend. Und wohl auch eine der Voraussetzungen, wenn man das britische Königshaus mit Wein beliefern möchte. Das erfahren wir, als wir bei Berry Bros. & Rudd, einem traditionsreichen Londoner Weinhändler und Lieferanten des Königshauses, etwas darüber in Erfahrung bringen möchten, welche Weine aus Österreich, Deutschland oder der Schweiz denn im royalen Haushalt gefragt seien. Reaktion? Man hüllt sich in Schweigen. Als Inhaber der Royal Warrant, wörtlich übersetzt so etwas wie die »Königliche Befugnis«, sei man nicht in der Lage, über die Geschäftsbeziehung zum britischen Hof Auskunft zu geben, heißt es aus London.

Britische Diskretion. Orientiert man sich jedoch an den frei zugänglichen Fakten, lässt sich glücklicherweise doch noch einiges über die Royal Warrant an sich herausfinden. Denn ganz so einfach, wie man vielleicht meinen mag, ist es nicht, diese Auszeichnung zu ergattern und so zu den fixen Hoflieferanten zu zählen. Seit dem 15. Jahrhundert vergibt die Krone diese Auszeichnung an Lieferanten des Königshauses und erlaubt ihnen auch, damit zu werben. Die Bandbreite der ausgezeichneten Firmen reicht dabei von Tischlern über Rauchfangkehrer bis eben hin zu Wein- und Lebensmittellieferanten. Eines der berühmtesten Beispiele dürften die Marmeladen von Wilkin & Sons sein, auf denen das Emblem der Royal Warrant prominent prangt. Nur die Queen, der Duke of Edinburgh und der Prince of Wales sind befugt, die Royal Warrant zu verleihen.

Grundlage hierfür ist eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung zwischen den royalen Häuptern und dem jeweiligen Lieferanten sowie die Eignung der Güter für den königlichen Haushalt, heißt es in den Statuten der Royal Warrant Holders Association. Bevor sich ein Unternehmen für die Royal Warrant bewerben kann, muss es fünf der letzten sieben Jahre erfolgreich an den Hof geliefert haben. Anschließend durchläuft die Bewerbung diverse Stufen der Prüfung, unter anderem durch das Royal Household Warrants Comittee. Die letzte Entscheidung, ob die Bewerbung angenommen wird, ist eine sehr persönliche, die eben nur von der Queen, dem Duke of Edinburgh oder dem Prince of Wales gefällt wird. Ausgestellt wird die Royal Warrant für jeweils fünf Jahre, bevor ihre Rechtmäßigkeit erneut geprüft wird. Immerhin gibt es heute über 850 Unternehmen und Einzelpersonen, die den Aufwand der Bewerbung auf sich genommen haben und mit insgesamt mehr als 1100 Ro­yal Warrants ausgezeichnet wurden.

Rigorose Standards

Neben bekannten Champagnerhäusern wie Bollinger oder Pol Roger gehört auch der portugiesische Portweinproduzent Graham’s zu diesem vornehmen Kreis. Letzterer erhielt die Auszeichnung erst im Jahr 2017. Auch hier hält man sich recht bedeckt, wenn es um Informationen zur Zusammenarbeit mit dem Königshaus geht. Letztlich habe man sich beworben und wurde akzeptiert, heißt es aus Portugal. Vor allem die legendären Jahrgangs-Ports des Hauses würden vom royalen Haushalt geschätzt, und neben der hohen Qualität der Produkte müsse man rigorose Standards hinsichtlich Nachhaltigkeit und Umweltschutz erfüllen. Letzteres verwundert kaum, denn schließlich sind diese Themen seit mehr als vier Dekaden ein Steckenpferd von Charles, dem Prince of Wales. Der ließ übrigens sogar einen Vintage Aston Martin, den er seit seinem 21. Lebensjahr fährt, umrüsten, um ihn mit vergleichsweise umweltfreundlichem Bioethanol betreiben zu können. Das sei nicht nur gut für die Umwelt, sondern rieche auch besser, gab er vor Jahren in einem Interview an.

Der Prince of Wales sei auch mit dafür verantwortlich gewesen, dass ein deutscher Weinproduzent zu den Lieferanten des britischen Königshofs zählt. Zwar ohne Royal Warrant, dafür aber seit Jahrzehnten. Maximin von Schubert vom Weingut Maximin Grünhaus aus Mertesdorf an der Ruwer berichtet, dass sein Großvater Andreas von Schubert den Prince of Wales bei Weinproben in Oxford und Cambridge kennengelernt habe. Sein Großvater engagierte sich damals schon für nachhaltige Landwirtschaft und naturnahen Anbau, berichtet von Schubert. Das war offensichtlich auch der Anknüpfungspunkt mit Prince Charles für die anschließenden Lieferungen an das Königshaus. Die Bestellungen für den Buckingham Palace werden seit jeher jedoch über die Handelspartner des Weinguts in London platziert. »Deshalb bekommen wir eigentlich nur dann mit, dass es fürs Königshaus ist, wenn etwa ein Wein ausverkauft ist. Dann teilt uns der Händler mit, dass er noch unbedingt 300 Flaschen für den Palast benötigt«, erzählt von Schubert. Pro Jahr liefert das Unternehmen Maximin Grünhaus etwa 600 Flaschen für den Palast, genaue Zahlen hinsichtlich der Menge gibt es aber natürlich nicht. Denn auch hier gilt: Verschwiegenheit ist höchstes Gebot. »Ich freue mich, dass das Königshaus unseren Wein trinkt, nicht mehr und nicht weniger«, so von Schubert.

Eine Franke zur Krönung

Queen Elizabeth II. selbst trinkt übrigens gar keinen Wein, sondern nur Champagner, Likör und Gin-Cocktails. Nach eigener Aussage »habe sie aber gehört, dass der britische Wein gut sein soll«. Und auch bei ihrer Krönungsfeier am 2. Juni 1953 wurde natürlich Wein ausgeschenkt. Zur Feier gab es gar einen deutschen Tropfen, und der kam aus Franken. Das Würzburger Juliusspital lieferte einen Riesling der Lage Iphöfer Julius-Echter-Berg, Jahrgang 1950. Auch hier soll es ein Londoner Weinhändler gewesen sein, der den Kontakt herstellte. Zur Hochzeit von William und Kate im Jahr 2011 standen übrigens ausschließlich Franzosen auf der Karte. Zur Vorspeise gab es einen 2009er Meursault von Guyot-Javillier, einen L’Hospitalet des Gazin aus Pomerol zum Hauptgang und zum Dessert einen Laurent-Perrier Rosé Champagner. Informationen wie diese finden sich auf der Speisekarte der Hochzeitsgäste und gelangen meist rascher an die Boulevardpresse, als die Weine ausgeschenkt werden.

Die Verschwiegenheit bezüglich der Geschäftsbeziehungen zum englischen Königshaus ist jedoch durchaus sinnvoll. Erst im Jahr 2018 entzog die Queen ihrem Hoflieferanten für Büstenhalter das Vertrauen – und das nach 57 Jahren. Grund dafür sollen Details über Anproben im Buckingham Palace gewesen sein, die die Firmenchefin preisgab. Wer jetzt stattdessen diese hochdelikate Rolle ausfüllen darf, bleibt natürlich streng vertraulich.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 01/2020
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