Rosige Zeiten: Pink und Rosa im Trend

Pink all over, dazu Messing und weiche Samtbezüge – die Konditorei »Nanan« in Polen setzt das Süße in Szene.

© Buck Studio / Nanan Photos

Pink all over, dazu Messing und weiche Samtbezüge – die Konditorei »Nanan« in Polen setzt das Süße in Szene.

Pink all over, dazu Messing und weiche Samtbezüge – die Konditorei »Nanan« in Polen setzt das Süße in Szene.

© Buck Studio / Nanan Photos

Seit das einflussreiche Farbinstitut Pantone »Rose Quartz« als Farbe des Jahres 2016 ausgerufen hat, scheint der Ton allgegenwärtig. So kurzlebig Trends oft sind, ist dieser gekommen, um zu bleiben. Beziehungsweise war er genau genommen immer schon da. Pink – gleich ob rauchig und sanft oder schreiend und intensiv – ist die älteste Farbe der Welt, das haben Forscher 2018 veröffentlicht. Wir sprechen hier von 1,1 Milliarden Jahren.

Und Pink macht glücklich, auch das weiß man. Die Trend­expertin schlechthin, Li Edelkoort, gab in einem Interview mit der Vogue letzten Herbst zu Protokoll: »Wir haben vor 20 Jahren mit der Arbeit an Pink begonnen und haben nie damit aufgehört, und es geht immer noch weiter.« Und dennoch ist die Farbwelt für viele ein hei­kles Thema, wie auch Innenarchitektin ­Ester Bruzkus weiß.

»Ich finde die Gender-Zuordnung bei Farben eher albern, es geht ja darum, spannende Räume zu schaffen.«
Ester Bruzkus, Architektin

Die Berlinerin gilt als eine der einflussreichsten Architektinnen Deutschlands und ist für ihr Farben-Faible bekannt. »Ich bin oft verwundert, wie schwierig Pink ist. Ich empfinde einen Nude-Ton oder auch ein Rosa nicht als ›weibliche‹ Farbe. Ich finde die Gender-Zuordnung bei Farben eher albern, es geht ja darum, spannende Räume zu schaffen.« Und weiter: »Ich nutze Farbe sehr gerne, um Überraschungsmomente und Brüche einzufügen. Farbe ist immer eine Herausforderung, man kann schnell daneben greifen. Ich denke, dass gute Farbtöne zeitlos sind.«

Millenial-Pink

Ob die Pizzeria »Humble« in Großbritannien oder die Bar »Moby Dick« in Wien – Rosa und Pink, gleich ob großflächig oder als Akzente gesetzt, findet sich auffällig oft in zeitgenössischen Hospitality-Projekten. Wer den Suchbegriff »Millenial Pink« verwendet, findet ganze Listen an »instagramable« Hotels weltweit. Und wie das Beispiel der Pizzeria zeigt: Rosa ist nicht etwa den Konditoreien und Bakeries vorbehalten.

Warum nicht etwa ein Steakrestaurant in Pink gestalten? Bruzkus: »Klar ist das denkbar! Fleisch hat ja genau diese Farbskala von Pink zu Rot.« Die Innenarchitektin schätzt die legendäre Farbpalette von Le Corbusier. Die Schweizer Farbmanufaktur »kt.color« ist hierfür eine gute Adresse, die Nuance »Rose pale« (»Ein behutsames Rosarot, steinig und matt«) darf sich der Referenz Le Corbusier rühmen. Nur Achtung: die »kt.color«-Produkte sind qualitativ hochwertigst – und kosten auch dementsprechend. Ein Tipp von Bruzkus: »Caparol Icons ­ent­­wickelt auch tolle Farben. Hier gibt es von zarten Rosé-Tönen bis zu einem lauten Flamingo-Pink eine schöne Auswahl.«

Wurde 2019 unter die 200 »Ad Influencers« gewählt: Architektin Ester Bruzkus aus Berlin.

Wurde 2019 unter die 200 »Ad Influencers« gewählt: Architektin Ester Bruzkus aus Berlin.

© Jens Bösenberg

Zuckerlrosa

Dass Rosa schon immer funktioniert hat, beweist die Konditorei-Kette »Aida« aus Wien. 1913 wurde das »Aida«-Rosa eingeführt, ob eigens für das Unternehmen entwickelt oder eine bestehende Farbe, ist nicht bekannt. Erst in den 1980er-Jahren wurde der Pantone-Farbton festgelegt. »Warum Rosa?«, fragt PROFI wenig verwunderlich Unternehmenssprecher Stefan Ratzenberger. »Weil die Frau des Gründers Rosa hieß. Und weil die Farbe einfach auffällig war.«

Es kann manchmal tatsächlich so einfach sein. Die »Aida-Damen« waren erst in weiß gekleidet, mit der Zeit setzte sich das zuckerlrosa so richtig durch. »Jeder in Wien hat einen Bezug zu Aida«, ­behauptet Ratzenberger – und liegt damit ­sicher nicht so falsch. 32 Filialen sind es ­aktuell, davon 31 im Großraum Wien und eine in Tirol. Werden die Filialen renoviert, dann versuche man, so der Unternehmenssprecher, den Stil der jeweiligen Zeit beizubehalten.

Dass ein so charakteristischer Farbton auch kleinere Hoppalas mit sich bringt, zeigt der Fall der Anfang 2019 eröffneten Franchise-Filiale am Flughafen Wien. »Aus Zuckerlrosa wurde hier Pink«, bestätigt Ratzenberger. Ein Übermittlungsfehler des Farbcodes war schuld. Kann passieren, sollte aber nicht.

Ob Pink à la longue ernstzunehmende Konkurrenz zu erwarten hat, wollen wir abschließend von Bruzkus wissen. »Ich ­glaube, dass Terrakotta wieder kommt und Pink ablösen wird – beziehungsweise mit Pink eine gute Kombi ist.« Man darf gespannt sein.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Profi Magazin 4/2019
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