Robert Parker gilt als einer der wichtigsten Weinkritiker weltweit.
Robert Parker gilt als einer der wichtigsten Weinkritiker weltweit. / Foto: Werk

Mit Ausnahme von einigen Cru Bourgeois und dem Hause Moueix in Libourne hatte sich bis jetzt alles was in Bordeaux Rang und Namen hat in Sachen Primeur-Preise bedeckt gehalten. Der Grund war offensichtlich. Nach dem es zunächst eine Fülle euphorischer Kommentare zum Jahrgang 2010 gegeben hatte, mischten sich zuletzt mehr und mehr skeptische oder gar kritische Stimmen in den Lobgesang. Meist kamen sie zwar von Verkostern, die auf Grund ihres biologischen Alters schlichtweg nicht die nötige Verkostungserfahrung haben konnten bzw. von Händlern, die abseits des positiv gestimmten Mainstreams ihre Süppchen kochen wollten. Aber diese Kommentare waren da, wurden gelesen und in den einschlägigen Foren diskutiert. 



Ein Teil der Szene nahm sie sogar begierig auf; denn diese Statements waren Balsam für Anleger, die befürchteten, dass die Preise wieder ins Astronomische abdriften und damit die Objekte ihrer vinophilen Begierde außerhalb der Reichweite ihrer finanziellen Möglichkeiten liegen würden.
 
So blieb der Angebotsseite nichts anderes übrig, als einmal mehr auf Robert Parker als letzte Instanz zu warten. Und der sprach nun ein Machtwort: »...but I have tasted enough wines from 2005, 2009 and 2010 to realize that these may be the three greatest Bordeaux vintages I have tasted in my career.«



Erfahrende Verkoster wie Mario Scheuermann stimmen dem Urteil von Parker zu. Dem kann ich nur zustimmen. »Bei den großen alten Jahrgängen gehören wir zu den schreibenden ‘happy few‘ weltweit, die diese bis 1811 zurück in den vergangenen 40 Jahren verkostet haben also eine gewisse Ahnung davon entwickeln konnten, was tatsächlich ‘Jahrhundertjahrgänge‘ sind.« Außerdem setzte auch Parker, ähnlich wie andere wichtigen Weinjournalisten, zehn Weine mit 100-Punkte-Verdacht an die Spitze seiner Liste: 


Lafite-Rothschild 98-100

La Mission Haut Brion 98-100

Latour 98-100
Petrus 98-100

Ausone 98-100
Haut Brion 98-100

Mouton-Rothschild 97-100

L'Eglise Clinet 96-100

Beausejour (Duffau Lagarrosse) 96-100

Pontet-Canet 96-100 



Bemerkenswert aber ist auch bei Parker vor allem die große Zahl der kleineren und mittleren Gewächse mit deutlich über 90 Punkten. Wer also keinen unbedingten Wert darauf legt Prestigeobjekte für seinen Keller erwerben zu wollen, sondern einfach nur sehr gute und lagerfähige Weine kaufen möchte, wird in diesem Jahrgang sicher auch für »kleines Geld« großartige Weine finden können; denn längst nicht für alle werden die (Preis-)Bäume in den Himmel wachsen. Und das ist am Ende die gute Nachricht.

Parker korrigiert 2008 nach unten
Für weitere Schlagzeilen im Weinbusiness dürfte Robert Parker mit der Abwertung des 2008'er Jahrgangs sorgen, die er in der aktuellen Ausgabe seines Wine Advocate vornimmt. Der schwierige Jahrgang wurde von Parker offensichtlich »überschätzt«, nun hat er seine überhöhten Bewertungen für den Jahrgang 2008 deutlich zurückgenommen und zwar um bis vier Punkte.

In seinem jetzigen Ranking gibt es keinen potentiellen 100-Punkte-Wein mehr. Lafite und Ausone markieren mit 98 Punkten die Spitze. Dies ist eine wesentlich realistischere Sichtweise dieses Jahrgangs als Parkers ursprüngliche Noten nach der Primeurverkostung. Nur ganz wenige haben sich verbessert, die meisten Weine verharren auf ihrem Niveau bzw. zeigen ihre Unarten jetzt noch deutlicher. Damit kann man die von einigen Weinhändlern gestrickte Mär vom verkannten Spitzen-Jahrgang weitgehend ad acta legen.


Infos von Mario Scheuermann

www.bordeaux.blogg.de

 

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