Riviera-Weine: Ein wohlgehütetes Geheimnis

Blaues Wasser und grüne Reben: Die Provence verfügt über Weinberge in Sichtweite des Meers.

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Blaues Wasser und grüne Reben: Die Provence verfügt über Weinberge in Sichtweite des Meers.

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Wer an der Côte d’Azur in eines der namhaften Strandlokale einkehrt, tut gut daran, sich die Weinkarte etwas genauer anzusehen. Denn was wenige wissen: In der Provence wachsen charaktervolle Weißweine von ausgezeichneter Qualität. Oft verbergen sie sich hinter unbekannten AOC-Namen wie »Palette« und »Cassis«, oder sie tragen gar Landwein-Bezeichnungen wie »Alpilles« oder »Bouches du Rhône« auf dem Etikett.

Dass diese Weine so gut sind, hat mehrere Gründe. Einer von ihnen ist der Mistral. Dieser aus Nordwesten über die Hügel der Provence streichende kalte Fallwind kann selbst im Hochsommer immer wieder für knackige Abkühlung sorgen. Weiße Trauben profitieren ganz besonders davon: Zum einen hält der Wind die Trauben lange gesund – was die Provence übrigens auch zu einem Eldorado für Bio-Winzer macht. Zum anderen fördern die Temperaturunterschiede die Aromenbildung – und helfen, die Frische der Frucht zu bewahren.

Ein weiterer Faktor für die Qualität ist die lang zurückreichende Weinbaugeschichte der Region: Phokäer, Griechen, Römer, Gallier – alle haben in der Provence ihre weinbaulichen Spuren hinterlassen. Eine große Sortenvielfalt ist die Folge – und die Winzer nützen sie, um Komplexität ins Glas zu bringen. Dabei können die Assemblagen je nach den Gegebenheiten in den Weinbergen sehr unterschiedlich ausfallen. Die wichtig-sten Weißweintrauben sind Clairette, Bourboulenc, Marsanne und Roussanne, aber auch Rolle (der Vermentino Sardiniens), Grenache Blanc, Sémillon, Ugni Blanc, und sogar Muskatellerspielarten kommen vor.

Markante Flasche, markanter Wein: der weiße Clos Mireille der Domaines Ott.
Markante Flasche, markanter Wein: der weiße Clos Mireille der Domaines Ott.

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Lokale Hochkultur und internationales Flair

Beispielhaft für die Ausbildung örtlicher Weißwein-Hochkulturen steht die nur 40 Hektar große AOC Palette, die etwa zur Hälfte Weißwein erzeugt. Ihrer Kalksteinböden wegen wurde die Herkunft bereits 1948 in den Rang einer AOC erhoben. Das einzige überregional bekannte Weingut, Château Simone, hat eine noch viel längere Geschichte: Es wurde im 16. Jahrhundert von Karmelitermönchen gegründet. Mit traditionellen Methoden – einige Weinberge sind noch im Mischsatz gepflanzt – entstehen hier Wein-Unikate von Rang.

An anderen Orten der Provence wachsen die weißen Reben auf Schiefer – etwa im Clos Mireille der zum Champagnerhaus Roederer gehörigen Domaines Ott. Die Anwesenheit mondäner Investoren ist ein weiteres Merkmal der provenzalischen (Weiß-)Wein-Landschaft. So verfügen gleich drei Champagnerhäuser über eine hiesige Dépendance: Am bekanntesten ist wohl die zu Roederer gehörige Domaines Ott, doch auch Pommery (Château La Gordonne) und Bruno Paillard (Château des Sarrins) engagieren sich im Hinterland der Côte d’Azur. Alle drei Häuser haben aus der Champagne ihre Fähigkeit mitgebracht, mineralische Weißweine und elegante hellfarbene Roséweine zu keltern. Mit Sacha Lichine (Château d’Esclans) ist zudem ein Unternehmer aktiv, dessen Familie nach dem zweiten Weltkrieg in Bordeaux und weit darüber hinaus französische Weinbaugeschichte geschrieben hat.

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