Rezeptstrecke: Pasta – Ti amo, ti!

© Konrad Limbeck

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Es gibt Studien, die belegen, dass die Kinder nirgendwo in Europa so lange im gemeinsamen Haushalt mit ihren Eltern leben wie in Italien. Für die Autoren scheint der Grund dafür klar zu sein: der härter werdende Wettbewerb, die wirtschaftliche Misere und steigende Wohnkosten. Das mag schon sein. Was diese Studien aber nicht in Betracht ziehen, ist die besondere Stellung, die das familiäre Leben und, ganz zentral, das gemeinsame Mahl im Leben der Italiener einnimmt: der Teller hausgemachter Pasta, den die Mamma, die Nonna, jedenfalls ein Mitglied der nahen Familie an jedem Tag des Jahres ganz selbstverständlich auf den Tisch zu bringen weiß und dessen gemeinsamer, ritueller Genuss den Höhepunkt eines jeden Tages markiert.

Das ist es, wofür es sich als Italiener zu leben lohnt. Dafür können beengte Platzverhältnisse und andere Unannehmlichkeiten allemal in Kauf genommen werden: Wenn die Qualität der Pasta stimmt, ist der Rest nicht mehr ganz so wichtig. Es ist diese zentrale Stellung des gemeinsamen Mahls und des Essens an und für sich, die die Einzigartigkeit der italienischen Küche ausmacht.

Wobei: Ganz so paradiesisch ist das italienische Essen bei näherer Betrachtung auch nicht. Schließlich grenzt es schon an bornierte Engstirnigkeit, dass jeder aufrechte Italiener die Herkunft des wirklich guten Essens meist nur einer Person zutrauen möchte: seiner Mamma. Sie allein ist der Quell wahrer Köstlichkeit, sie allein weiß, wie man mit Paradeisern umgehen muss, damit sie die Pasta ganz für sich mit göttlichem Aroma zu erfüllen vermögen. Und tausend andere Dinge mehr, die die Unbill des Alltags mit der großen Gaumenfreude des Daseins aufwiegen. Den Italiener von Format freilich kostet der Vorwurf kulinarischer Beschränktheit bestenfalls ein mildes Lächeln: Schließlich hat es die italienische Küche eben deswegen zu weltumspannender Köstlichkeit gebracht.

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Zwei Faktoren sind zentral für die alle Krisen und Nöte überdauernde Einzigartigkeit der italienischen Küchen: einerseits die Besessenheit, mit der regionale Besonderheiten, lokale Sorten und überlieferte Traditionen über die Zeiten weitergetragen und verehrt werden. Und andererseits die stolze Gewissheit, mit der die Rezepte der eigenen Familie über die Generationen bewahrt und als einzig mögliche, einzig wahre Form der Zubereitung tradiert werden. In Wahrheit ist es für den Italiener nämlich so: Es gibt nur die Mamma, die weiß, wie gute Pasta geht, und schon im nächsten Dorf – oft sogar im nächsten Haus – lauern irgendwelche Barbaren, die in der Küche die abwegigsten Dinge mit ihren Tomaten anstellen.

Das vielleicht Bemerkenswerteste an der Liebe des Italieners zu seinem Essen ist aber die Erfüllung, die er gerade in den einfachen Freuden findet. Der wirklich große Genuss ist bei den Menschen des Südens gar nicht so sehr bei Fischfilet und Lendensteak daheim. Sondern, nur ein Beispiel, bei einem Strauß wild gesammelter Blätter oder Wurzeln, die einen Teller Pasta auf kraftvoll bittere, unnachahmlich aromatische Weise zu beleben wissen.

Eines ist bei aller Bescheidenheit aber nicht diskutierbar: die makellose Frische und die kompromisslose Qualität der verwendeten Produkte. Dafür ist der Italiener allemal bereit, auf viele Dinge zu verzichten, die in unseren Breiten als essenzielle Errungenschaften des Wohlstands betrachtet werden. Ganz ehrlich: Es würde uns ganz gut tun, die eine oder andere Scheibe von dieser Sensibilität für die wirklich wichtigen Dinge abzuschneiden.

Echte, italienische Pasta Rezepte:


Fotos: Konrad Limbeck  
Produktion: Fotoredaktion.at
Foodstylist: BENNI WILLKE
Tableware: Feinedinge.at, Stillsegler.com, Fundus

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Dinner for Two – Falstaff Rezepte 01/2018
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