Reise durch das Weinland Argentinien

Inzwischen glänzt man in Argentinien immer öfter mit Finesse statt mit schierer Kraft (im Bild: Catena Zapata).

© Bodega Catena Zapata

Inzwischen glänzt man in Argentinien immer öfter mit Finesse statt mit schierer Kraft (im Bild: Catena Zapata).

© Bodega Catena Zapata

Noch vor weniger als 40 Jahren befand sich Argentiniens Weinwirtschaft auf dem Stand des 19. Jahrhunderts. Veraltete Ausrüstung und mangelndes Know-how zeugten von einer tiefgreifenden Krise. Erst in den 1990er-Jahren gelang es, nicht zuletzt durch die Rebsorte Malbec, sich einen gewissen internationalen Ruf zu erwerben. 

Mit wachsender wirtschaftlicher Stablität kamen auch Investoren ins Land. Zunächst Italiener: Noemi Cinzano gründete Noemia, Alberto Antonini kaufte Altos Las Hormigas, Masi gründete Tupungato, dann kamen die Franzosen: Cheval Blanc, Michel Rolland und Clos de los Siete. Es folgten Joint Ventures wie Caro von Barons de Rothschild und Catena Zapata, Sassicaia gründete 2004 die Bodega Chacra. 

Langsam erkannte man die Qualität der hochgelegenen Lagen und begann, neben den internationalen Sorten die Facetten des Flaggschiffs Malbec auszuloten. Längst hat heute eine Generation von fähigen jungen Önologen die besten Terroirs ausgemacht, sie erzeugt jetzt – oft in sehr limitierten Mengen – nichts weniger als Weltklasseweine. Finesse statt Kraft, Terroir statt Holz, so lautet das neue Credo.

Böden und Höhenlage entscheiden über Aromen

Anders als im schmalen Landstreifen von Chile, spielt die Nähe zum Ozean in Argentinien keine Rolle. Hier sind, einmal abgesehen von Patagonien ganz im Süden, die Höhenlagen der Weinberge und deren Böden entscheidend für die aromatische Ausprägung der Trauben und damit für den Stil der jeweiligen Weine. Das beginnt im Norden mit den Valles Calchaquíes, wo es schon eimal über 2500 Meter Seehöhe hinaufgehen kann, und geht bis zum Süden des Hauptanbaugebiets Mendoza, wo man in der aktuell stark favorisierten Region von Gualtallary auf 1600 Meter Top-Trauben ernten kann. 

In Argentinien dominieren die roten Sorten, wobei der Malbec (20 %) die ursprünglich aus Savoyen stammende Bonarda (18 %) vom ersten Rang verdrängt hat. Es folgen Cabernet Sauvignon (15 %) und Shiraz (10 %). Die Torrontés (9 %) – eine hochinteressante aromatische Traube – ist hingegen die meist kultivierte weiße Rebsorte.

Die Bewertung der Südamerika-Weine kann hier nachgelesen werden: Das Blut der Anden

Agrentinien im Fokus

Die aktuelle Anbaufläche beträgt: 225.000 Hektar
Die Produktionsmenge lag 2016 bei: 8,8 Millionen Hektoliter (lt. OIV, Paris)
Flaggschiff: Malbec

Fast 30.000 Hektar der argentinischen Rebfläche nimmt Malbec ein, das ist etwa fünfmal soviel wie in seiner französischen Heimat mit Zentrum Cahors, von wo die Sorte 1868 nach Südamerika gebracht wurde. Im Laufe der Zeit hat sich Malbec zur größten Erfolgsgeschichte unter den »alten« Sorten entwickelt, die Kombination aus uralten Reben, kühlen Höhenlagen und perfekter Vinifikation lassen heute in Argentinien aus Malbec Weine mit absoluter Weltklasse entstehen. Die Weine dieses argentinischen Aushängeschilds glänzen mit reifer dunkelbeeriger Frucht, Anklängen von Cassis und stoffigen, runden Tanninen. Abhängig von ihrem Standort, präsentieren sich diese Weine sehr mineralisch und lagerfähig. Malbec ist auch der dominierende Rebsatz in Mendoza.

Aus dem Falstaff Magazin 01/2017.

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