Rebenverwandtschaft: Shiraz und Syrah

»Mount Edelstone Vineyard« in Australien.

Foto: beigestellt

»Mount Edelstone Vineyard« in Australien.

»Mount Edelstone Vineyard« in Australien.

Foto: beigestellt

http://www.falstaff.at/nd/rebenverwandtschaft-shiraz-und-syrah/ Rebenverwandtschaft: Shiraz und Syrah Shiraz und Syrah – gibt es da eigentlich einen Unterschied? In Teil eins der neuen Falstaff-Serie »Rebenverwandtschaft« gehen wir den Ursprüngen eines ungleichen Rotwein-Pärchens nach. http://www.falstaff.at/fileadmin/_processed_/9/3/csm_mount-edelstone-vineyard-henshke-c-pr-2640_877c0689c3.jpg

Mit der Verwandtschaft ist es ja zuweilen so eine Sache. Bei Reben und Wein verhält sich das nicht anders als im richtigen Leben, oder vielmehr: Es ist noch komplizierter. Denn schon bei der Klärung der Abstammung ist außergewöhnlicher Aufwand vonnöten. Gen-Analysen sind praktisch unumgänglich, will man einen Einblick in die Verwandtschaftsverhältnisse bekommen, und dabei benötigt man gleich beides: Vaterschafts- und Mutterschaftstests. Doch selbst deren Ergebnisse lassen in aller Regel einige wesentliche Details im Dunkeln, beispielsweise Ort und Zeit einer Zufallskreuzung.

Bei der Rebsorte Syrah, die mindestens seit dem ausgehenden Mittelalter den Ruf der Weine der nördlichen Rhône begründet hat, nahm man früher aufgrund ihres Namens an, dass sie von Syrakus auf Sizilien oder aus Shiraz in Persien an die Rhône eingewandert sei. Beide Erklärungsversuche haben ihre Mängel: Denn die historischen persischen Weine aus der Umgebung von Shiraz waren von weißer Farbe, und ebenso wenig plau­sibel erscheint es, dass eine aus Sizilien stammende Rebsorte am Ort ihrer Herkunft völlig verschwunden sein könnte.

Am »Hill of Grace« wachsen die ältesten Shiraz-Rebstöcke Australiens: Sie sind 140 Jahre und älter. / Foto: beigestellt
Am »Hill of Grace« wachsen die ältesten Shiraz-Rebstöcke Australiens: Sie sind 140 Jahre und älter.

Foto: beigestellt

Inzwischen vermuten die Ampelografen den Ursprung der Sorte im Gebiet der westlichen Alpen – also unweit der Nordrhône –, denn als Eltern der Syrah ließen sich zwei Rebsorten nachweisen, die in Savoyen und in der Ardèche vorkommen: Mondeuse Blanche und Dureza.

Geht man den Stammbaum weiter zurück, dann stellt sich die Syrah sogar als eine Urenkelin des Pinot Noir heraus. Die französische Linie kann demzufolge zeitliche und stilistische Priorität für sich beanspruchen – auch wenn es einen Seitenstrang der Genealogie gibt, der nach Südtirol und ins Trentino verweist: Denn auch Lagrein und Teroldego sind mit Syrah verwandt.

Die berühmtesten Verwandten aus Übersee wachsen unter dem Namen »Shiraz« in Aus­tralien. Immerhin lässt sich die Immigration der Syrah und ihre Verwandlung in den Shiraz zeitlich und hinsichtlich des menschlichen ­Beitrags recht gut eingrenzen. Denn der maßgebliche historische Umstand, der die Neuansiedlung der Syrah Down Under ermöglicht hatte, war der Sturz Napoleons im Jahr 1815.

Der Grund hierfür ist in den englisch-französischen Beziehungen zu suchen. Englische Botaniker und Rebenkundler, die vor der Französischen Revolution das Studium der französischen Weinbaugebiete begonnen hatten, konnten sich erst nach 1815 wieder frei in Frankreich bewegen.

Die Shiraz-Legende »Penfolds Grange« trug in den Anfangsjahren den Zusatz »Hermitage«. / Foto: beigestellt
Die Shiraz-Legende »Penfolds Grange« trug in den Anfangsjahren den Zusatz »Hermitage«.

Foto: beigestellt

Und dies taten sie dann auch innerhalb kürzester Zeit, um einen Beitrag zum Aufbau der Landwirtschaft in der fernen Kolonie zu leisten. Im Oktober 1817 gelangten Reiser nach New South Wales, die der Brite John Macarthur (1767–1834) gemeinsam mit seinen beiden Söhnen James und William in ganz Frankreich gesammelt hatte. Auf der Liste jener Pflanzen, die die monatelange Reise auf dem Schiff »Lord Eldon« überstanden, stehen »Syracuse« und »Hermitage«. Allerdings scheinen sich diese Syrah-Abkömmlinge in den Versuchspflanzungen Macarthurs nicht durchgesetzt zu haben. In einem Resümee der Experimente aus seinen letzten Lebensjahren erwähnte der zwischenzeitlich geadelte Sir William Macarthur die Rebsorte Syrah oder ihre Synonyme nicht mehr.

Als Wegbereiter des australischen Shiraz gilt daher James Busby (1802–1871), der zwischen September und Dezember 1831 Reiser von Hunderten Rebsorten sammelte. Busby nützte die Rebbestände im Botanischen Garten von Montpellier und im Jardin du Luxembourg in Paris, aber er schnitt auch in Dutzenden Weinbergen im ganzen Land Reiser. Unter den Schreibweisen »Scyras« and »Ciras« verbreitete Busby seine Syrah-Setzlinge, zunächst im Hunter Valley nahe Sydney, ab 1839 auch in Südaustralien.

Jaboulet-Inhaberin Caroline Frey an der berühmten Kapelle am Hermitage-Weinberg. / © Julie Rey
Jaboulet-Inhaberin Caroline Frey an der berühmten Kapelle am Hermitage-Weinberg.

© Julie Rey

Eine Frage des Stils

In Europa ist auch außerhalb des Rhônetals die Schreibweise »Syrah« gebräuchlich. Diese Benennung verweist nicht nur auf die französische Herkunft des Rebmaterials, sie ist vor allem eine stilistische Aussage: Würze und Stoffigkeit dominieren über Schmelz, Volumen und Frucht. Dabei tragen allerdings die allerbesten Syrah-Weine den Namen der Rebsorte gar nicht auf dem Etikett, denn sie werden im Einklang mit dem romanischen Prinzip unter ihren Herkunftsbezeichnungen verkauft.

Archetypische Syrah-Eigenschaften besitzen die Weine der AOC Hermitage: Sie sind dunkel in der Farbe und komplex- kräuterwürzig in ihrem aromatischen Ausdruck, von mineralischem Kern und von solch stoffiger Tiefe, dass es in früheren Jahrhunderten gebräuchlich war, leichtere Bordeaux mit einem Schuss Hermitage zu verbessern. Es gab sogar ein Verb dafür: »hermitager«. An der Rhône selbst wiederum ist eine andere Form von Verschnitt gebräuchlich. Mit Ausnahme von Cornas ist es in allen Appellationen der Nordrhône gestattet, kleinere Prozentanteile Weißwein in den Rotwein zu cuvetieren, als Frische-Spender und um die Eleganz zu betonen.

In den Weinbergen von Jaboulet haben wieder Pferde Einzug gehalten. / © Julie Rey
In den Weinbergen von Jaboulet haben wieder Pferde Einzug gehalten.

© Julie Rey

Aus Falstaff Magazin Nr. 06/2016

Kühler in ihrer Anmutung, fleischig und kompakt fallen die Syrah-Weine aus, die flussaufwärts der Rhône im Schweizer Bergkanton Wallis wachsen. An der Südrhône wird Syrah kaum reinsortig an- und ausgebaut, hier wird sie vor allem als strukturgebender Cuvée-Partner für Sorten wie Grenache und Carignan genutzt. Fast überall in Südeuropa experimentieren Winzer mit Syrah – mit dem besten Erfolg dort, wo es nicht zu heiß ist. In Deutsch­land und Österreich wiederum be­­nötigt die Sorte beste Lagen und aufwendige Pflege, um zu befriedigender Reife zu gelangen.

»Shiraz« ist nicht nur ein im Englischen einfach auszusprechender Name, diese Bezeichnung verweist auch auf das stilistische Vorbild der Neuen Welt: Die Weine haben Wucht und eine intensive, zuweilen rosinenartige oder portig getönte Frucht. Shiraz-Weine sind typischerweise schon in ihrer Jugend zugänglich und haben milderen Gerbstoff als die europäischen Pendants. Vor allem in Australien und in Südafrika wachsen Shiraz-Weine, aber auch in Teilen Südamerikas, in Washington und Kalifornien.

Hermitage, die berühmteste Syrah-AOC der Nordrhône: Steilhänge auf Granit. / © Shutterstock
Hermitage, die berühmteste Syrah-AOC der Nordrhône: Steilhänge auf Granit.

© Shutterstock

In den Anfangsjahren des australischen Shiraz glaubte man übrigens nicht, dass die Sorte zu einem roten Tischwein taugte – man bevorzugte die Produktion eines gespriteten, am Vorbild des Port orientierten Weins. Diese Tradition führen heute nur noch wenige aus­tralische Weingüter fort.

Dank moderner Kellertechnik gelingen auch in der Hitze aus­tralischer Regionen wie des Barossa Valley strukturierte Rotweine, die der Oxidation Widerstand leisten. Den besten Weinen ge­­lingt es sogar, mit der Hitzigkeit der Frucht zu spielen und dabei der auch aus Frankreich bekannten »Wildheit« der Syrah-Würze einen genuin australischen Ausdruck zu verleihen: Auch Shiraz ist am Ende eben nichts komplett anderes als Syrah.

Verkostungsnotiz: Shiraz versus Syrah im Falstaff-Tasting.

MEHR ENTDECKEN

  • Tasting
    Syrah/Shiraz 2016 - Shiraz versus Syrah
    08.09.2016
    Shiraz gegen Syrah – das scheint den reinen Punktbewertungen zufolge ein ungleicher Kampf zu sein: Sieben der neun Weine in der »Best of«-Auswahl stammen aus der Neuen Welt. Doch man muss sich in Acht nehmen, die weniger dichten und opulenten Weine der Nordrhône nicht zu unterschätzen: In puncto...
  • Tasting
    Penfolds 2015-Tasting
    03.09.2015
    Vom zarten 2015er Riesling aus dem Eden Valley bis hin zum großartigen Cabernet Sauvignon BIN 707 konnten die Penfolds-Topweine überzeugen, speziell der Cabernet aus dem Jahrgang 2013 verdient volle Beachtung. Ein Jahrgang der den Sammlern wieder einmal den Cabernet Sauvignon aus Coonawarra mit...
  • 25.01.2016
    Penfolds Max's: Eine Hommage an Max Schubert
    Das Weingut ehrt die australischen Kellermeister-Legende mit einem Shiraz Cabernet.
  • 05.10.2015
    Penfolds – Australiens Wein-Ikonen im Falstaff-Check
    96 Punkte für den Grange 2011 ist nicht die einzige Spitzenbewertung des Tastings.

Mehr zum Thema

News

Wein der Etrusker an der toskanischen Küste

Podere La Regola, ein Ort an dem, Natur, Menschen und Kunst aufeinandertreffen.

Advertorial
News

Extraklasse: Conterno meets Hidalgo – Ein Dinner der Superlative

Auf Einladung von Otto Mattivi und Lissy Pernthaler pilgerten sämtliche Genussfreaks ins »AOMI« Restaurant im »Hidalgo« nach Südtirol. Denn...

News

Drink Pink! Rosé Trophy Italien 2022

Rosato – so der italienische Name für Rosé – hat in Italien eine lange Geschichte. Apulien, Kalabrien, die Abruzzen, Valtenesi und Bardolino am...

News

Teil 3: ¡Viva la Revolución! – Der Kult um den Rioja

Die Weinrevolution in der Rioja steckt noch in den Kinderschuhen. Die auf dem Markt noch raren Einzellagenweine sind mehr als vielversprechend.

News

Hommage à Jacques Perrin

Eine Ikone aus Châteauneuf-du-Pape zu Gast in Österreich.

News

Wiener Weinpreis: Das sind die Landessieger 2022

Die diesjährigen Wiener Landessieger sind gekürt und trumpfen mit Spitzenjahrgängen in 15 Kategorien auf. Winzer Michael Edlmoser gewinnt mit vier...

News

Teil 2: ¡Viva la Revolución! – Der Kult um den Rioja

In der spanischen Rioja Region entstehen immer noch hervorragende Reservas und Gran Reservas nach dem klassischen Prädikatssystem. Gleichzeitig setzen...

News

Rückruf: Erneut Ecstasy in »Moët Chandon«-Flaschen gefunden

In Deutschland wurden bereits zum zweiten Mal große Mengen der harten Droge in einer Charge entdeckt. Es sei bereits zu einem Todesfall gekommen.

News

Bussi, Baba & Prost: Hanna Glatzers Wein grüßt von Postkarten

Die Welt der Nachwuchs-Winzerin aus Göttlesbrunn ist bunt. Das beweist einmal mehr ihre Weinlinie, die nun bei der CCA-Gala im Verpackungsdesign und...

News

Historischer Fund: Englisches Kriegsschiff voller ungeöffneter Weinflaschen

Das Wrack der 1682 gesunkenen »Gloucester« wurde bereits 2007 entdeckt. Nun gibt es erstmals Informationen zur Ladung der archäologischen Sensation.

News

Sommerliche Frische

Sommerliches Wohlgefühl stellt sich ein, da wird es Zeit, sich über die passende Weinbegleitung für die lauen Sommerabende Gedanken zu machen.

Advertorial
News

Brad Pitt und Angelina Jolie streiten erneut um Weingut »Château Miraval«

Jolie soll ihre Hälfte des Gutes ohne Pitts Zustimmung an einen »Fremden« verkauft haben. Berichten zufolge handelt es sich dabei um einen russischen...

News

Teil 1: ¡Viva la Revolución! – Der Kult um den Rioja

Niemals zuvor war die Vielfalt der Rioja-Weine größer als heute. Die Fokussierung auf das Terroir kommt einer kleinen Revolution gleich.

News

Hans Herzog: Erster Blaufränkisch in Neuseeland

Die gebürtigen Schweizer Therese und Hans Herzog bringen mit ihrem neuseeländischen Weingut den ersten Blaufränkisch auf den Markt.

News

Tinazzi (R)evolution: Bio im Vormarsch

Biologischer Anbau von erlesenen Weinen findet immer mehr Anklang. Tinazzi‘s Engagement im biologischen Anbau spiegelt sich in der wunderbaren Bio...

Advertorial
News

Bond aus Napa Valley zu Besuch in Wien

Geballte Cabernet-Klasse aus Kalifornien.

News

Rebenverwandtschaft: Grauburgunder & Pinot Gris

Grauburgunder ist ein Wein mit vielen Gesichtern und ebenso vielen Namen: Pinot Gris, Ruländer, Pinot Grigio, Sivi Pinot sind alles Bezeichnungen für...

News

Rebenverwandtschaft Muskateller und Muscat

Ob trocken, sprudelnd oder süß, die Aromatik der Muskatweine ist einfach unverwechselbar – und die große Reb­familie ist rund um den Globus...

News

Rebenverwandschaft: Blaufränkisch & Lemberger

Die Rotweine der Sorte Blaufränkisch werden immer beliebter. In Österreich gilt Blaufränkisch als König unter den roten Sorten. In Deutschland machte...

News

Rebenverwandtschaft: Zinfandel und Primitivo

Was ist der Unterschied zwischen Zinfandel und Primitivo? Den Beweis zu erbringen, dass beide Sorten waschechte Kroaten sind, dauerte jedenfalls 44...