Rauch: Mein Bruder, der Koch. Meine Schwester, die Gastgeberin.

Richard und Sonja Rauch, Styling von Mario Gutmann Hairdressing.

© Philipp Wagner

Richard und Sonja Rauch, Styling von Mario Gutmann Hairdressing.

Richard und Sonja Rauch, Styling von Mario Gutmann Hairdressing.

© Philipp Wagner

Im zarten Alter von 22 Jahren hat Sonja Rauch 1999 das Dorfwirtshaus übernommen und somit das Buch zur Erfolgsgeschichte der Geschwister Rauch aufgeschlagen. Kurz danach folgte Richard Rauch und absolvierte seine Kochlehre im Familienbetrieb. Mittlerweile zählt der »Steirawirt« zu den besten Restaurants des Landes. Kochbücher, eine Kochschule, das Genießerhotel »Villa Rosa« und noch viele weitere Projekte zählen zu den Meilensteinen der Geschwister.

Profi: Wie geht es Ihnen, wenn Sie an Ihre Anfänge zurückdenken?
Sonja Rauch: Das Unternehmer-Dasein liegt unserer Familie im Blut. Wir sind dadurch mit Mut und Fleiß ausgestattet. Mein Ziel war es immer, ein Geschäft zu haben, selbstständig zu sein. Da diese Immobilie in unserem Familienbesitz war, wollte ich hier in Trautmannsdorf eine gute Gastronomie umsetzen. Damals war die größte Herausforderung die Besetzung des Küchenchefs.
Richard Rauch: Am Anfang war es nicht im Businessmodell, dass ich zum Küchenchef werde. Das hat sich einfach ergeben. Ich war gerade im neunten Schuljahr, als Sonja den »Steirawirt« eröffnete. Es war ganz spannend, die Praxis mit dem Gelernten zu vergleichen. Auch wenn es viele Parallelen gibt, habe ich schnell gemerkt, dass nicht alles so einfach ist, wie es uns in der Schule beigebracht wurde. Für mich war schnell klar, dass ich die Kochlehre machen möchte und mir eine schulische Ausbildung alleine nicht reicht. So habe ich dann zu Hause die Lehre gemacht. Kurz vor meinem Lehrabschluss gab es einen Engpass und Sonja hat meine Leidenschaft erkannt und mir das Vertrauen geschenkt, diese Position dann auch einzunehmen.

»Man muss groß denken, um etwas Großes zu erreichen.«
Sonja Rauch, Geschwister Rauch, Trautmannsdorf

Zusammenzuarbeiten als Geschwister – kracht es hin und wieder?
Richard Rauch: Am Ende des Tages verfolgen wir dasselbe Ziele. Wir stehen für Qualität und wollen, dass wir und unsere Mitarbeiter Spaß an der Arbeit haben. Und ob eine Wand violett oder grün gestrichen wird – hier gibt am Ende immer einer nach.
Sonja Rauch: Wir haben aber auch einen sehr ähnlichen Geschmack. Wir haben überhaupt keine Machtkämpfe, da jeder von uns seinen eigenen Bereich verantwortet. Uns sind die selben Werte wichtig und wir möchten das Pflänzchen, das wir übernommen haben, wertig und nachhaltig weiterführen und betreiben. Uns ist die Nachhaltigkeit bei allen Investitionen, die wir tätigen, wichtig.
Richard Rauch: Wir wollen keine Eintagsfliege erschaffen. Wir denken langfristig. Es war für uns schnell klar, dass wir in dieser schwierigen Corona-Zeit investieren und einen Schritt weiter gehen. Denn wir wissen, nur so werden wir die Geschichte weiterschreiben.

Sie haben Ihr Restaurant inklusive Toiletten renoviert. Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Sonja Rauch:
Man betrachtet sein Lokal immer wieder kritisch. Der Umbau der Toiletten war geplant und dann kamen immer mehr Bereiche hinzu.
Richard Rauch: Uns war es wichtig, dass wir den Altbestand unseres geschichtsträchtigen Wirtshauses aufrecht erhalten. Wir sind behutsam vorgegangen und so gefällt es uns nun richtig gut.

Und das ist noch nicht alles. Sie bauen gerade auch die Mitarbeiterwohnungen aus und erweitern diese um sieben Einheiten.
Richard Rauch:
Mitarbeiter sind kostbar. Wenn unsere Mitarbeiter unser Haus, unsere Stimmung transportieren sollen, dann müssen sie sich auch wohlfühlen. Wir befinden uns in keiner Großstadt, umso wichtiger ist es, dass wir coole, lässige Wohnungen zur Verfügung stellen, in denen man sich in unserem ländlichen Raum wohlfühlt.
Sonja Rauch: Wir haben neben den Wohnungen nun auch eine eigene Produktionsküche mit 100 Quadratmetern gebaut. Die Produktlinie »Mein Bruder, der Koch« gibt es bereits. Unser Team ist gewachsen und damit wir alles so bewerkstelligen können, wie wir wollen, hatte auch dieser Bereich eine Erweiterung nötig.

Das Business der Genussboxen haben Sie perfektioniert bzw. freuen sich Ihre Kunden immer wieder über neue Überraschungen. Von QR-Codes, die zu Kochanleitungen und der passenden Musik führen, bis hin zu einem Kochbuch. Wer ist Mastermind dieser abwechslungsreichen Überraschungen?
Sonja Rauch:
Den kulinarisch-kreativen Part verantwortet Richard – denn er weiß auch wie man welche Menüs in einer Box, die transportfähig sein muss, umsetzen kann. Mit den Details sind wir gewachsen – auch zusammen mit unseren Kunden, mit unseren Gästen. Aber wir sind auch selber User, wir probieren unsere Boxen aus und schauen, was wir uns wünschen würden. Wir geben in die Boxen die Kleinigkeiten und Details, die wir gerne in einer Genussbox haben möchten.

»Man muss seine eigene Arbeit hinterfragen, um sich weiterzuentwickeln und somit weiterzukommen.«
Richard Rauch, Geschwister Rauch, Trautmannsdorf

Hand aufs Herz: Wer von Ihnen beiden wollte ein Kondom in der Valentinstags-Box?
Sonja Rauch:
Die Kondome haben wir bereits auf unseren Zimmern in der »Villa Rosa« mit dem Hashtag #sicherheitgehtvor. Und jetzt passt dieser Hashtag doch mehr denn je.
Richard Rauch: Und dieses Schmunzeln, das wir unseren Gästen auf die Lippen gezaubert haben, genau darum geht es uns. Wir wollen, dass unsere Gäste zumindest für zwei bis drei Stunden eine entspannte, schöne Zeit zu Hause verbringen. Deswegen sorgen wir in jeder Box für eine neue Überraschung.
Sonja Rauch: Und psychologisch bleibt genau das in Erinnerung, mit dem man nicht gerechnet hat, wie eben das Kondom. Das Feedback unserer Gäste bestärkt uns dann noch einmal, uns immer wieder etwas Neues einfallen zu lassen.

Sie konnten bereits viele Auszeichnungen für sich entscheiden: »Koch des Jahres« von Gault Millau, Madame Courage – und viele mehr. Was bedeuten Ihnen Auszeichnungen wie diese?
Richard Rauch:
Bestätigung für unser Schaffen. Aber auch für die Mitarbeiter ist es enorm wichtig. Denn wir feiern unsere Erfolge zusammen. Wir sind ja auch an der Front. Sonja im Service und der Reservierung. Und auch ich bin in der Küche immer greifbar, somit feiern wir auch unsere Erfolge zusammen.
Sonja Rauch: Wie in einer Fußballmannschaft. Aber die Bedeutung von Auszeichnungen nimmt man meistens erst später wahr. Es dauert immer, bis man realisiert, welche Wirkung diese haben.

Wie sehen Sie die Zukunft der Hospitality-Branche?
Sonja Rauch Individualität wird gefragt sein. Die Größe unserer »Villa Rosa«, das servierte Frühstück, auch mit den Abständen – das spielt uns in die Hände. Denn genau das machen wir. Im kleinen Rahmen bieten wir individuell zugeschnittene Qualität. Ich denke, dass dieses Konzept auch in Zukunft sehr gefragt sein wird, da viele Menschen große Hotels vermeiden werden.

»Mit unseren Genussboxen haben wir 40 Prozent Neukunden gewonnen, das macht uns richtig stolz.«
Richard Rauch, Geschwister Rauch, Trautmannsdorf

Welche Eigenschaften braucht ein attraktiver Arbeitgeber von heute?
Richard Rauch:
Man muss ein Teamplayer sein.
Sonja Rauch: Man muss seine Mitarbeiter wahrnehmen und ihnen Gehör schenken.
Richard Rauch: Gespräche auf Augenhöhe führen, Meinungen von Mitarbeitern einbeziehen, auch wenn wir letztlich die Entscheidungen treffen. Das geht schon bei den Boxen los – da fragen wir alle: Was können wir verbessern? Gab es Fehlerquellen?
Sonja Rauch: Es ist ganz spannend. Im Zuge der Genussboxen hat jeder eine andere Rolle eingenommen. Jeder war bei diesem Erfolg mit dabei und wir haben uns alle zusammen darüber gefreut, dass die Boxen erfolgreich gewesen sind. Wir waren alle im Austausch, hatten Spaß und wir haben etwas gemeinsam geschaffen. Wir haben gemerkt wie stolz jeder bei uns darauf ist, bei dieser Erfolgsgeschichte mit dabei zu sein.
Richard Rauch: Wir haben 40 Prozent Neukunden durch unser Boxen-Business gewonnen. Es ist eine unglaubliche Spirale entstanden. Denn nun haben bereits Gäste bei uns im Sommer gebucht, die noch nie bei uns gewesen sind und die wir mit unserer Box überzeugt haben. Es ist unglaublich schön, das zu erleben.

Gibt es etwas, dass Sie bereuen oder aus heutiger Sicht anders machen würden?
Sonja Rauch: Eine Auslandserfahrung hätte ich gerne gemacht.
Richard Rauch: Wir hätten noch früher in Zimmer beziehunsgweise Übernachtungen investieren sollen.

geschwister-rauch.at

Richard und Sonja Rauch wurden durch das Team von Mario Gutmann Hairdressing gestylt.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Profi Magazin 02/2021
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