Ralf Schumacher: Der Rennfahrer als Winzer

Ralf Schumacher vor einem Fass seiner Weine. Sie entstehen im slowenischen Teil des Friauls und werden in deutschen und österreichischen Restaurants ausgeschenkt.

© Damijan Simčič

Ralf Schumacher vor einem Fass seiner Weine. Sie entstehen im slowenischen Teil des Friauls und werden in deutschen und österreichischen Restaurants ausgeschenkt.

© Damijan Simčič

Radoš Koncut strahlt übers ganze Gesicht. Die Falten um seine Augen sind in Bewegung, seinen Mund hat er zu einem breiten Grinsen verzogen. Er schaut zu dem Mann, der ein paar Meter neben ihm steht. Dann tut er so, als würde er ein kleines Lenkrad in der Hand halten und nach links und rechts steuern. Er lacht sich kaputt dabei und schüttelt den Kopf, dass die Kappe wackelt. Ralf Schumacher, in seinem Weinberg!

Da steht er tatsächlich. Schmaler als gedacht, grau geworden, aber mit blitzenden Augen und gesunder Gesichtsfarbe. Ralf Schumacher, 44, ist an diesem Morgen in seinem VW Touareg aus Salzburg nach Slowenien gekommen, um sich nach dem Stand seiner Weine zu erkundigen. Die letzte Woche der Lese läuft, er steht zwischen den Reben, hält eine Schere in der Hand und macht Faxen für die Journalisten des Fernsehteams, das ihn interviewt. Schnell hat sich über das 340-Einwohner-Dorf Dobrovo hinaus herumgesprochen, dass Schumacher da ist. Gut ein Dutzend Journalisten steht am Rand, dazu die Familie von Winzer Radoš und Mitarbeiter vom Weingut.

Posieren für Erinnerungsfotos

»Schmeckt’s gut?«, fragt Schumacher den verantwortlichen Weinmacher, der auch mitgekommen ist und in eine Traube beißt. Der nickt. »Ich trinke ihn lieber«, sagt Schumacher auf Englisch und grinst. Er lächelt in die Kameras der Fotografen, macht etliche Erinnerungsfotos mit denen, die ihn darum bitten. Diszipliniert, freundlich, routiniert. Als sei er nie aus der Welt des Glamours weg gewesen. Auch 12 Jahre nach seinem Abschied aus der Formel 1 braucht dieser Mann keine Erklärung. Große Titel gewann er zwar nie, fuhr aber immerhin sechs Grand-Prix-Siege ein und stand 27 Mal auf dem Podium. Später wechselte er aus der Formel 1 in die Tourenwagen-Klasse, bevor er sich aus dem aktiven Rennsport verabschiedete. Sein Vermögen wird auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt.

Gründliche Arbeit an den Weinen

An diesem milden Vormittag im Oktober könnte man ihn fast für einen weiteren Mitarbeiter des Weinguts halten. Schumacher trägt über seinem Poloshirt eine Weste des Weinguts, so wie die anderen Mitarbeiter auch. Hier, im äußersten Westen Sloweniens, kurz vor der Grenze zu Italien, entstehen die Weine, mit denen er im nächsten Jahr die Welt erobern will. Seine Weine. Er hat kein Château in Frankreich gekauft oder hektarweise Weinberge in der Toskana, wie so viele andere Celebritys, für die Geld nur noch am Rande wichtig ist. Und doch arbeitet er ernsthafter an seinen Weinen mit als viele Promis. In seinem Portfolio sind reinsortige Weiße genauso darunter wie ein Pinot Noir und ein Cabernet Franc, es gibt einen Sparkling und auch einen Süßwein. Insgesamt acht Weine lässt er nach seinen Vorstellungen machen, alle unter dem Namen »Schumacher Collection«.

In Supermärkten oder Weinhandlungen wird man den Wein allerdings nicht kaufen können. Im »Mangostin« in München und in weiteren Restaurants in Deutschland und Österreich schon. Schumacher hat sich dafür entschieden, exklusiv an Gastronomen zu liefern, darunter an sein eigenes Restaurant in Bergheim bei Köln, das Mitarbeiter für ihn führen. »Dafür wollte ich gern meinen eigenen Wein haben«, sagt er.

Wie er auf Slowenien kam, ist schnell erzählt. Schumacher liebt Seafood, weshalb er in seiner Wahlheimat Salzburg oft im Fischrestaurant sitzt. Der trockene Weißwein, den er dort trank, schmeckte ihm großartig. Schumacher hatte eine autochthone Rebsorte des Friauls im Glas: Rebula oder Ribolla Gialla, wie sie auf Italienisch heißt. Vom Restaurantbesitzer erfuhr er von der Herkunft des Weins. Kurze Zeit später besuchte er zum ersten Mal das Weingut in Dobrovo, das ihn herstellt: Klet Brda, Sloweniens größte Winzergenossenschaft.
Sie nimmt 400 Winzerfamilien aus der gesamten Grenzregion zu Italien die Trauben ab, 2000 Hektar sind unter Vertrag. Klet Brda produziert auch Auftragsweine, und zu den Kunden zählt seit vergangenem Jahr auch Ralf Schumacher.

Das Klima der Region ist mediterran geprägt: 200 Tage im Jahr ohne Regen, milde Nächte, ein stetiger Wind, der die Trauben trocken hält. Nicht nur die von hier stammende Rebsorte Rebula gedeiht vorzüglich, auch internationale Varietäten wie Chardonnay und Sauvignon Blanc lässt Schumacher abfüllen. Für den Süßwein hat er wiederum eine heimische Rebsorte ausgewählt, die Picolit-Bianco-Traube. »Ich wollte einen simplen Süßwein, der zu Gänseleber passt, zu Käse.« Und um das Portfolio abzurunden, hat Schumacher einen weiteren Sparkling in Auftrag gegeben, einen Rosé.

»Ich wollte einen simplen Süßwein, der zu Käse und zu Gänseleber passt.« so Ralf Schumacher.

»Ich wollte einen simplen Süßwein, der zu Käse und zu Gänseleber passt.« so Ralf Schumacher.

© Jure Batagelj

Detailarbeit am Rosé

Später, als die Autos wieder neben dem Weingut parken und Schumacher aus den robusten Lederschuhen in weiße Sneaker umgestiegen ist, stehen einige Gläser bereit – die Weine sollen probiert werden. »Können wir da nicht direkt den Rosé besprechen?«, fragt Schumacher, und sein rheinischer Dialekt klingt immer noch durch. Na klar, antwortet ein Weingutsmitarbeiter und stürmt los, um die ersten Flaschen zu holen. »Ich bin mit der Farbe noch nicht zufrieden«, erklärt der Auftraggeber in der Zwischenzeit, die bisherigen Versuche seien ihm nicht ausgewogen genug. »Mein Favorit ist die Farbe vom Rosé aus der Provence.«

Der Weingutsmitarbeiter stellt drei Flaschen vom Jahrgang 2012 auf den Tisch, Cuvées aus Pinot Noir und Chardonnay, aber ohne Etikett, zu unterscheiden nur an drei Plastikschleifen an der Agraffe. Er öffnet die erste und lässt Schumacher probieren. Ein Extra Brut mit schmalen fünf Gramm Restzucker. »Dat is nix«, meint Schumacher. Der nächste hat sieben  Gramm Restzucker. »Hmm, gar nicht schlecht«, sagt er. Und zur Variante mit zehn Gramm sagt er: »Der andere war ausgeglichener.« Ob es nun der Mittlere wird? Kann sein. »Aber an der Farbe müssen wir weiterfeilen«, sagt er.

Bis es so weit ist, stehen ohnehin noch andere Aufgaben an. Sogar um die Versandkartons kümmert sich Schumacher selbst. »Wollen wir die Kartons nicht aus Kohlenstofffasern machen?«, fragt er einen Mitarbeiter auf Englisch. »Könnte witzig sein, oder? Wie ein Rennwagen.« Einer der wenigen Momente, in denen er sich seine Rennfahrervergangenheit anmerken lässt.

Im ehemaligen Kollegenkreis haben seine Weine die Feuertaufe schon bestanden. Fürs Fahrerlager der Formel 1 hat Schumacher eine Weinprobe gemacht, wo die Weine gut ankamen. Und bei den Siegen seines eigenen Teams in der Formel 4 – hier fährt sein Sohn David mit – wurde bei der Siegerehrung ein Schumacher Sparkling versprüht. Mit einem Schumacher auf dem Podest wird weiterhin zu rechnen sein.

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Falstaff Nr. 08/2019
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