Räumungsklage gegen »Landtmann« trotz Corona-Krise

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Café Landtmann

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Mitten in der schwersten Krise der Nachkriegszeit und ein paar Tage vor Weihnachten bekam Cafétier Berndt Querfeld Post vom Vermieter des Traditionscafés »Landtmann«: Eine Räumungsklage. Der Absender – eine Immobiliengesellschaft, die zur Privatstiftung des verstorbenen Billa-Gründers Karl Wlaschek gehört – klagt darin Mietrückstände ein, die sich aufgrund der Corona-Krise angehäuft hatten. Es geht um Monatsmieten im höheren fünfstelligen Bereich.

Im Gespräch mit Falstaff beklagt Querfeld, dass der Vermieter bislang konstruktive Gespräche verweigert hat: »Einladungen zu persönlichen Gesprächen wurden immer wieder zurückgewiesen, es gab lediglich eine Videokonferenz mit Mitarbeitern ohne Entscheidungspouvoir. Mein Vorschlag einer Mediation, wie sie in derartigen Fällen eigentlich State-of-the-Art ist, wurde zwei Mal abgelehnt. Das ist Gesprächsverweigerung! Die drehen sich um und klagen!« 

Die Amisola Immobilien AG, die als Tochterfirma der Karl Wlaschek Privatstiftung die Räumungsklage zugestellt hat, verweigerte auf Falstaff-Anfrage eine Stellungnahme.

95 Mitarbeitern droht Arbeitslosigkeit

Querfeld macht deutlich, dass es bei den Klagen (auch das »Café Mozart« ist betroffen) um die Existenz seiner Familie geht. »Seit 44 Jahren zahlen wir jeden Monat pünktlich unseren Mietzins! Auch heuer haben wir pünktlich gezahlt, aber nur jenen Anteil, der aufgrund der eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten aus unserer Sicht zulässig war.« Es geht aber nicht nur um die Existenz der Unternehmerfamilie Querfeld, es geht auch um 95 Mitarbeiter, die immer noch im »Café Landtmann« angestellt sind.

Der Gastronom sorgt sich um die Zukunft des Standortes als traditionellem Kaffeehaus, denn während beim »Café Mozart« nur der Betrag geklagt wurde, wurde im Café Landtmann der Betrag UND die Räumung eingeklagt. Das Gerichtsverfahren ist für März anberaumt. »Das ist ein Angriff gegen die Wiener Kaffeehauskultur! Wer soll das ›Landtmann‹ als Café besser betreiben als wir?« Querfeld unterstreicht die Leidenschaft und erzählt, wieviel Herzblut seiner Familie in dem Betrieb steckt: »Als meine Mutter vor 44 Jahren aufgesperrt hat war das alles andere als eine Goldgrube, das ist es heute auch nicht. Da habe ich andere Betriebe die mehr bringen. Am Anfang war es ein Verlustgeschäft.«

Anita und Berndt Querfeld

Anita und Berndt Querfeld

© Günter Menzl

Kritik an Unsensibilität der Wlaschek-Stiftung

Berndt Querfeld erinnert sich an seine Begegnungen mit Karl Wlaschek, der ihm zu Lebzeiten als Kaffeesieder-Kollege (»Café Central«) begegnete. »Wlaschek war ein Mensch mit Handschlagqualität! Ich glaub nicht, dass die Stiftung so agiert, wie er sich das gewünscht hätte.«

Auch Falstaff Herausgeber Wolfgang Rosam erinnert sich an Karl Wlaschek: »Ich kannte Karl Wlaschek sehr gut. Das wäre niemals in seinem Sinne gewesen! Ich glaube auch, dass das den Stiftungszwecken sogar widerspricht, ein derartiges gastronomisches Kulturgut, wie es das ›Landtmann‹ ist, durch juristische Sturheit zu gefährden. Mir friert vor so viel Unsensibilität in der Führung der Wlaschek-Stiftung. Aber das passiert leider, wenn der Stifter gestorben ist und sein ursächlicher Wille von Managern und Anwälten missinterpretiert wird.«


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