Die erste Dekade des 21. Jahrhunderts bescherte Bordeaux einen Paradigmenwechsel. Man kann ihn in einem Satz zusammenfassen: Es gibt keine Jahrhundertjahrgänge mehr. Jahrgänge wie 1961 oder 1982, die man noch zu Recht als Jahrhundertereignisse feierte, drohen zur Normalität zu werden. 2005, 2009, 2010: Dieses Super-Trio hat zu einem der verrücktesten Hypes geführt, die die Weinwelt je erlebt hat – mit Flaschenpreisen von über 1.000 Euro für Spitzengewächse, die noch im Fass liegen.

Doch jetzt sieht es so aus, als sei das Ende der Fahnenstange erreicht. Was passiert, wenn wir immer häufiger solche Jahrgänge bekommen? Heiner Lobenberg, einer der erfahrensten deutschen Bordeauxhändler, hat folgende Antwort: »Die Kunden werden sich an diese Qualität gewöhnen, sie für normal halten und nicht mehr bereit sein, so viel Geld zu zahlen, wie sie es ­bisher für Ausnahmeweine getan haben.« Die Premiers und einige Kultweine seien zwar sehr schnell ausverkauft gewesen, aber das Publikum habe einfach noch nicht erkannt, dass es 2009 und 2010 in der Preisklasse zwischen fünf und 30 Euro Weine auf einem Qualitätsniveau gibt, wie man es noch nie zuvor erlebt habe.

Dem Preis-Hype auf den Grund gegangen
In der Kampagne für den Jahrgang 2009 sei der Umsatz exorbitant in die Höhe gegangen – auf die doppelte Summe von 2005. Mit 2010 liege man jetzt ungefähr bei 60 Prozent von 2009. Aber, so gibt Lobenberg zu bedenken, noch ein oder zwei Jahrgänge mehr, und der Markt werde kollabieren. Es sei denn, die Châteaux würden ihre Preise drastisch nach unten korrigieren. Nun sieht zwar 2011 »nur« nach einem guten bis sehr guten Jahrgang aus. Dennoch befürchtet Lobenberg, dass bereits dies ein erster »Rohrkrepierer« werden könnte.



Das heute erreichte historische Preisniveau wurde im Wesentlichen durch drei Entwicklungen möglich, die ab zirka 2003 aufeinandertrafen und sich gegenseitig potenzierten. Zum einen ist in den vergangenen zehn Jahren das weltweite Interesse an den klassifizierten Gewächsen gestiegen, speziell an den Premiers und Deuxièmes Crus, durch die schnell wachsende neue Kundschaft in den »Emerging Markets«, allen voran China. Ein anderer Punkt sind das Know-how der Winzer im Weinberg und die Entwicklung der Kellertechnik. Beides hat sich seit den 1970er-Jahren enorm verbessert. Wirklich schlechte Jahrgänge gibt es kaum noch.

Der Klimawandel kommt auch im Bordeaux an
Gleichzeitig hat sich das Klima spürbar gewandelt – mit teilweise dramatischen Folgen für den Weinbau. Beste Beispiele sind die »Heatwaves« der Jahre 2003 und 2011. Diese gab es so sonst nur in Kalifornien oder Australien, in Bordeaux nur alle 100 Jahre wie zum Beispiel 1893. Mit dem Klima hat sich auch der Weintypus geändert: vom herben, dünnen Säuerling zur konzentrierten, süßen Alkoholbombe.

Speziell die Premiers Crus investieren zurzeit auch sechsstellige Summen in ein anderes Problemfeld, und zwar in die Erforschung von natürlichen Spritzmitteln, Mitteln als Ersatz für Fungizide und Pestizide. Verstärkter Pilz- und Schädlingsbefall könnte der künftige Pferdefuß des Klimawandels sein, wenn sich tatsächlich die Tendenzen zu tropischen Wettersituationen (große Wärme, verbunden mit Feuchtigkeit) verstärken sollten. Da sind sich die Klimatologen (noch) nicht einig, aber manche sehen darin eine große, wenn nicht gar die größte Gefahr.

Den vollständigen Artikel lesen Sie im Falstaff-Magazin 06/11.

Text: Mario Scheuermann

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