Premiere: Wiener Weingärten sind »Erste Lagen«

Die sechs WienWein-Winzer (v.l.n.r.) Thomas Podsednik, Fritz Wieninger, Rainer Christ, Thomas Huber, Michael Edlmoser und Gerhard J. Lobner sind den ÖTW beigetreten.

© Raimo Rudi Rumpel

Die sechs WienWein-Winzer (v.l.n.r.) Thomas Podsednik, Fritz Wieninger, Rainer Christ, Thomas Huber, Michael Edlmoser und Gerhard J. Lobner sind den ÖTW beigetreten.

© Raimo Rudi Rumpel

Mitte Juni wurde bekannt, dass die 1992 gegründete Vereinigung der Österreichischen Traditionsweingüter (kurz ÖTW) ihren Mitgliederkreis mit der Aufnahme neuer Weingüter aus Wien und Carnuntum auf 62 Betriebe erweitert (Falstaff hat berichtet). Nun präsentierte der ÖTW Regionalverein Wien, dem sechs Weingüter angehören, seine als »ÖTW.Erste Lage« klassifizierten Weine erstmals der Öffentlichkeit.

In einem langen Prozess der Beobachtung, Analyse und Bewertung haben die sechs Weingüter der Wiener Winzergruppe WienWein ihre besten und bedeutendsten Weinberglagen herausgearbeitet und sich damit dem Klassifizierungsprozess der Österreichischen Traditionsweingüter angeschlossen. Zwölf Wiener Rieden haben es geschafft, als »ÖTW.Erste Lage« anerkannt zu werden, und mit dem Jahrgang 2017 kommen nun die ersten Wiener Weine mit dieser Bezeichnung auf den Markt.

Dabei handelt es sich um eine Revolution für den Wiener Wein: Die WienWein-Gruppe ist ab sofort Teil des Systems der Lagenklassifizierung, das die ÖTW in den letzten 20 Jahren akribisch erarbeitet haben. »Niemand in Österreich hat mehr Erfahrung in der Klassifizierung von Weinberglagen als die ÖTW«, begründet WienWein-Winzer Fritz Wieninger diesen Schritt. International geht der Trend eindeutig zu Lagen- bzw. Herkunftsweinen. Die sechs WienWein-Winzer sehen sich auch diesbezüglich als Vorreiter in Wien und hoffen, dass möglichst viele andere Wiener Weingüter diesem Beispiel folgen werden.

Die aktuellen Mitglieder der Österreichischen Traditionsweingüter, Region Wien

  • Weingut Christ
  • Weingut Wien Cobenzl
  • Weingut Edlmoser
  • Weingut Fuhrgassl-Huber
  • Weingut Mayer am Pfarrplatz
  • Weingut Fritz Wieninger

»Die Herkunft ist das prägende Qualitätskriterium eines Weins. Die Lage entscheidet über Charakter, Reifepotenzial und alle aromatischen Besonderheiten.«
Gerhard J. Lobner, Mayer am Pfarrplatz

Sie zählt zu den absoluten Filetstücken am Nussberg: Die »ÖTW.Erste Lage« Ried Preussen. Hohe Quarzanteile im Boden prägen die Weine und verleihen ihnen Spannung und Vitalität.
Sie zählt zu den absoluten Filetstücken am Nussberg: Die »ÖTW.Erste Lage« Ried Preussen. Hohe Quarzanteile im Boden prägen die Weine und verleihen ihnen Spannung und Vitalität.

© Herbert Lehmann

Die ÖTW haben in jahrzehntelanger Arbeit die Kriterien erarbeitet, um gute, sehr gute und herausragende Lagen möglichst objektiv unterscheiden zu können. Seit zwei Jahrzehnten wird laufend daran gearbeitet, um die Ersten Lagen im Kamptal, Kremstal, Traisental und Wagram zu ermitteln. Derzeit sind es insgesamt 60 Rieden im Donauraum, die diese Bezeichnung tragen dürfen. Nun kommen mit den klassifizierten Wiener Lagen weitere zwölf dazu, ergibt gesamt also aktuell 72 »ÖTW.Erste Lagen«.

22 Wiener »ÖTW.Erste Lage«-Weine

Die Winzergruppe WienWein hat schon vor dem Beitritt jahrelang ihre Lagen im Hinblick auf eine Klassifizierung evaluiert. Dabei wurden zwölf Rieden identifiziert, die die strengen Kriterien (wie Hanglage, geologisch hochwertiger Bodenaufbau, hoher Qualitätsstandard des Weines über zumindest fünf Jahre, hochwertige Marktpräsenz über zumindest fünf Jahre, nachweislich hohe Bewertungen u.v.m.) der ÖTW erfüllen und ab sofort als »ÖTW.Erste Lage« bezeichnet werden dürfen. Ab September 2018 werden 22 Weine aus diesen Lagen verfügbar sein (siehe unten).

Die zwölf »ÖTW.Erste Lagen in Wien«

  • Ried Falkenberg, Bisamberg
  • Ried Wiesthalen, Bisamberg
  • Ried Ulm, Nussberg
  • Ried Gollin, Nussberg
  • Ried Rosengartel, Nussberg
  • Ried Preussen, Nussberg
  • Ried Langteufel, Nussberg
  • Ried Steinberg, Grinzing
  • Ried Seidenhaus, Grinzing
  • Ried Schenkenberg, Grinzing
  • Ried Himmel, Maurerberg
  • Ried Sätzen, Maurerberg
Die »ÖTW.Erste Lage« Ried Sätzen am Maurerberg, im Süden der Stadt, weist einen besonders hohen Kalkgehalt auf und ist daher für die Sorte Riesling wunderbar geeignet.
Die »ÖTW.Erste Lage« Ried Sätzen am Maurerberg, im Süden der Stadt, weist einen besonders hohen Kalkgehalt auf und ist daher für die Sorte Riesling wunderbar geeignet.

© Herbert Lehmann

Klassifizierung für alle Weingüter Wiens offen

Die Klassifizierung nach dem System der ÖTW soll kein Alleingang der WienWein-Winzer sein. Im Gegenteil. »Jedem Wiener Weinbaubetrieb steht es offen, sich dem Projekt anzuschließen, auch wenn er nicht WienWein Mitglied ist«, lädt Thomas Podsednik (Weingut Cobenzl Wien) andere Winzer ausdrücklich ein. Ab 1.1.2019 ist es möglich, eine Klassifizierung nach den Statuten des Vereins ÖTW zu beantragen. Nach einer Beobachtungszeit von drei Jahren kann die Auszeichnung »ÖTW.Erste Lage« vergeben werden. Derzeit werden ausschließlich Lagen klassifiziert, in denen die Sorten Wiener Gemischter Satz, Grüner Veltliner, Riesling und Weißburgunder wachsen. Lagen mit roten Sorten wurden bis dato noch nicht klassifiziert.

Filet-Stücke des Wiener Weins

Der Wiener Weinbau bringt ideale Voraussetzungen für ein wissenschaftlich fundiertes Klassifizierungssystem mit. Denn in Wien besteht schon seit langem ein amtliches Rebflächen Verzeichnis. Jeder Weingarten wird mit einer Grundstücksnummer hinterlegt, die eine präzise Abgrenzung möglich macht. Insgesamt verfügt die Weinbauregion Wien über 145 Rieden. Die ersten zwölf »ÖTW.Erste Lagen« sind die Filet-Stücke des gesamten Weinbaugebietes und machen gerade einmal 18,4 Hektar aus. Das sind 2,9 Prozent der gesamten Wiener Rebfläche von 637 Hektar.

Pyramide der Herkunft

Die Klassifizierung soll helfen, bei den Konsumenten das Bewusstsein für die Wiener Weinlagen neu zu wecken. »Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts war es ganz normal, Wein nach seiner Herkunft zu benennen«, sagt Winzer Rainer Christ. Die Weinliebhaber tranken einen ›Nussberger‹ oder einen ›Neustifter‹ oder verlangten einen ›Bisamberger‹. Erst später wurde es üblich, die Weine nach Sorten zu benennen oder ihnen Fantasienamen zu geben. Durch die Lagenklassifizierung sollen die alten Rieden-Namen und ihre Charakteristika wieder mehr Bekanntheit erlangen«. Die ÖTW sehen als Fernziel eine Einteilung in fünf Stufen mit immer engerer Herkunftsbezeichnung: Gebietswein, Ortswein, Riedenwein. Die Weine aus Einzellagen haben zudem die Chance als Erste Lage und Große Lage zertifiziert zu werden. Bisher wurden noch keine »Großen Lagen« definiert. »Große Lagen zu klassifizieren, das bleibt ein Ziel für die Zukunft«, betont Winzer Michael Edlmoser, »sie werden sich aus den ›Ersten Lagen‹ entwickeln.«

Die Basis dieser Pyramide wurde bereits 2013 mit der Einführung der kontrollierten Gebietsbezeichnung DAC geschaffen. Dieses Prädikat gibt es in Wien vorläufig nur für den Wiener Gemischten Satz, es werden aber bereits Pläne gewälzt, dass in Zukunft auch die für Wien typischen Sorten Grüner Veltliner, Riesling und Weißburgunder den DAC-Status erhalten sollen. Das würde die Bedeutung der Herkunft der klassifizierten Lagen noch mehr betonen.

www.wienwein.at

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