Portrait: Sindy Kretschmar – Sommeliére des Jahres

Verliebt ins Land und die Materie: Keine Frage – Sindy Kretschmar steht auf Wein und Wien.

© Ian Ehm

Verliebt ins Land und die Materie: Keine Frage – Sindy Kretschmar steht auf Wein und Wien.

© Ian Ehm

Wien, Schubertring, Hotel »The Ritz-Carlton, Vienna«: Sindy Kretschmar wirkt im Gespräch mit Falstaff nicht unbedingt wie jemand, der auf den Mund gefallen ist. Das könnte sie in ihrem Job auch nicht gebrauchen. Kretschmar ist Sommelière, sie ist es, die im »Dstrikt«, dem Hotelrestaurant im »The Ritz-Carlton, Vienna«, den Gästen wortreich und überzeugend den passenden Wein empfiehlt. Wer sich da beim Reden schwertut, der hat schon von vornherein schlechte Karten. Noch dazu als Frau in einem Job, der hauptsächlich von Männern ausgeübt wird. Und dann stammt Kretschmar auch noch aus Leipzig, eine Deutsche in Wien – all das macht die Sache nicht gerade einfach. »Man hatte mich vor den Wienern gewarnt, die wären ein schwieriges Publikum«, sagt Kretschmar, fügt aber schnell hinzu, »so schlimm war es dann doch nicht, ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht.«

Große Vorbilder

1975 in Leipzig geboren, kam Kretschmar zu Hause weder mit gehobener Küche noch mit Wein in Kontakt, und doch entschloss sie sich schon früh zu einer Karriere in der Gastronomie. Und so begann diese bald nach dem Mauerfall in einem kleinen Betrieb im Schwarzwald, wo sie die Ausbildung zur Hotelfachfrau machte. »Danach hab ich mich erfolgreich im Hotel Bareiss in Baiersbronn beworben, und dort ist dann sehr schnell meine Liebe zum Wein geweckt worden.« Dort gab es damals bereits eine riesengroße Weinkarte mit weit über tausend Positionen. Chef-Sommelière war damals die legendäre Natalie Lumpp, die man auch als TV-Weinberaterin kennt und die 2015 für »Grillt den Henssler« den Publikums-Bambi bekam. Ihr Nachfolger als Weinchef im »Bareiss« wurde Jürgen Fendt, der seit 2017 mit Gattin Maren nun hauptberuflich als Winzer an der Mosel wirkt. »Unter Anleitung solcher tollen und motivierenden Sommeliers durfte auch ich bald den Gästen feine Weine empfehlen, und schnell ist der Wunsch entstanden, mehr über das Thema Wein zu lernen. Wenn Natalie den Gästen über den Wein erzählte, konnte man sich förmlich vorstellen, wie der schmeckt, ohne ihn selbst verkostet zu haben. Mit solchen Vorbildern ist es leicht, sich in die Materie zu verlieben.« 

»Man muss darum kämpfen, den Wiener in ein Hotelrestaurant zu bekommen, aber ist er zufrieden mit dem Gebotenen, bleibt er treu.« Sindy Kretschmar Sommelière »The Ritz-Carlton, Vienna«

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Dieerste eigene Weinkarte

Nach fünf Jahren im »Bareiss« erfolgte 1999 der Wechsel nach München in den »Königshof«, geführt von der höchst weinaffinen Hoteliersfamilie Geisel. »Hier habe ich meine Kenntnisse bezüglich der Arbeit am Tisch verfeinert, aber angesichts der hohen Ansprüche und der Mega-Weinkarte musste man halt doch den Sommelier holen, wenn der Gast besondere Fragen hatte. Und weil ich den Entschluss gefasst hatte, in Eigenregie zu arbeiten, war klar, dass ich meine Weinkenntnisse vertiefen möchte.« Im Jahr 2004 eröffnete sich für Sindy Kretschmar die Möglichkeit, in München an der neuen IHK Akademie die Sommelierschulbank bei Astrid Zieglmeier zu drücken. Nach erfolgreichem Abschluss begann nun die nächste Stufe im Beruf: nämlich, sich als Sommelière zu bewähren. Den Einstieg ins Sommelier-Dasein bot das Engagement bei Familie Disch aus Freiburg-Lehen im Breisgau. Hier durfte die junge Weinfachfrau nun für das »Gasthaus zum Löwen« erstmals eine eigene neue Weinkarte entwickeln. Für die junge Restaurantleiterin und Sommelière lag hier der Fokus klar auf den Weinen vom nahen Kaiserstuhl, dazu Weine aus ganz Deutschland. Bald aber führte der Weg wieder zurück nach München, und zwar in das »Sheraton«, das für sein Spitzengourmetrestaurant »Ente von Lehel« bekannt war, wo man Kretschmar eine Position als Sommelière angeboten hatte. Danach ging es ins »Grand Tirolia« nach Kitzbühel auf Saison sowie ins intime Restaurant von Lois und Maria Stern inmitten der Gamsstadt.

Station auf Sylt

2012 erfolgte der Wechsel ans Wattenmeer nach Sylt. Vier sehr erfolgreiche Jahre ist Kretschmar nun Sommelière im »Fährhaus« mit seiner einmaligen Lage im Munkmarsch zwischen Kampen und Keitum. Über drei Restaurants und eine Vinothek verfügte das noble Familienhotel, hier kann sich ein Fachmann bzw. eine Fachfrau voll entfalten. »Hier lag mein Fokus ausschließlich auf dem Wein und in der optimalen Ausrichtung auf die vielfältigen Gerichte unserer Zwei-Sterne-Küche unter Alexandro Pape, bald hatte meine Karte eintausend Positionen. Der Schwerpunkt lag hier auf Burgund und der großen Vielfalt an deutschen Spitzenweinen.« Im Frühjahr 2016 wurde das hoch dekorierte Gourmetrestaurant »Fährhaus« überraschend geschlossen. 

© Ian Ehm

Weiter nach Wien

Der nun folgende Schritt nach Wien hatte aber auch einen privaten Aspekt, denn neben der vielversprechenden Position im »The Ritz-Carlton, Vienna« spielte dabei auch eine Rolle, dass der langjährige Lebensgefährte, ein gebürtiger Steirer und zuletzt weinverantwortlich für die legendäre »Sansibar« in Sylt, ebenfalls ein sehr interessantes Jobangebot in Wien in der Tasche hatte. »Hier im Dstrikt, dem kulinarischen Herzstück des »The Ritz-Carlton, Vienna« hat man zunächst mit einer kleinen Weinkarte begonnen und schnell erkannt, dass man das weiter ausbauen sollte. Man entschied sich, einen Sommelier für das Haus zu suchen. Und ich war gerade im rechten Moment am rechten Ort. Das ist hier ein anderes Konzept und eine ganz andere Art als die, wie ich bisher gearbeitet habe, aber diese Herausforderung hat mich gereizt.« Denn im Steakhaus liegt nicht der Fokus mehr auf der punktgenauen Kombination von Gericht und speziellem Wein wie in einem Gourmetrestaurant. Hier geht es mehr darum, eine hervorragende Weinkarte zu gestalten, die neben Starproduzenten aus Österreich auch junge Winzer integriert, und sich als weinaffine Adresse zu präsentieren. Rund 550 Positionen hat die aktuelle Weinkarte im »Dstrikt« heute zu bieten, thematisch bedingt liegt hier der Schwerpunkt auf Rotwein.

Begeistertes Stammpublikum

Dass der bezüglich des Angebots eingeschlagene Weg richtig ist, zeigt die Tatsache, dass es in relativ kurzer Zeit gelungen ist, sich ein treues Wiener Stammpublikum aufzubauen, die Rate der Gäste, die regelmäßig ins »Dstrikt« wiederkehren, ist hoch. »Man muss darum kämpfen, den Wiener in ein Hotelrestaurant zu bekommen, aber wenn er zufrieden mit dem Gebotenen ist, dann ist er treu. Das schätze ich sehr.« Dazu zählt natürlich auch, auf die Jahreszeiten einzugehen und neue Weingüter für die Gäste zu involvieren. 

So präsentiert Kretschmar abwechselnd einen internationalen und österreichischen Betrieb als »Winzer des Monats«, wobei dann dessen Weine glasweise bestellt werden können, darunter oft auch gereiftere Jahrgänge.

Kretschmar ist natürlich auch für alle ­anderen weinrelevanten Bereiche des »The Ritz-Carlton, Vienna« zuständig, und dazu zählen die »D-bar«, bereits 2014 von Falstaff als beste Hotelbar ausgezeichnet – hier spielt die Verbindung von Wein und Zigarre eine Rolle –, die elegante »Melounge Lobby Lounge«, die dem Vernehmen nach noch im Herbst dieses Jahres durch ein neues, italienisch inspiriertes Konzept aufgewertet werden soll – hier stehen leichtere, trinkfreudige Weine und Schaumweine im Vordergrund –, und natürlich die »Atmo­s­­phere Rooftop Bar« im Sommer, wo wieder frische Weißweine, Rosés und Champagner gefragt sind. Und schließlich nicht zu vergessen: die Weine im Bankettbereich, die ebenfalls sorgsam ausgewählt sein müssen. Ein breites Betätigungsfeld also für die ambitionierte neue »Falstaff-Sommelière des Jahres 2018«, die auch zukünftig ihre Gäste mit immer neuen Angeboten ihrer wohlsortierten Weinkarte überraschen wird.

Dstrikt im »The Ritz-Carlton, Vienna« 
Schubertring 5, 
1010 Wien
T: +43 1 31188150
www.ritzcarlton.com

Fotoshooting

Produktion Christin Ditschke
Make-up & Hair Kerstin Szinovatz / Making of
Styling Martina Cerny / Making of
Assistenz Barbara Brandtner / Making of
Herzlichen Dank an Peek&Cloppenburg,
Cajoy, Palmers und Humanic

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Falstaff Nr. 02/2018
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