Die terrassenförmig angelegten Weingärten wurden zum Weltkulturerbe erklärt.
Die terrassenförmig angelegten Weingärten wurden zum Weltkulturerbe erklärt. / Foto beigestellt

Die Stadt Porto an der Mündung des Douroflusses in den Atlantik war stets die Drehscheibe für den Handel mit Portwein, der allerdings aus Trauben gekeltert wird, die in einer beträchtlichen Distanz landeinwärts an den steilen Hängen des Dourotales und dessen Seitentäler wachsen. Die Grundweine für den Port werden traditionell vor Ort gekeltert und dann zur Weiterverarbeitung flussabwärts nach Vila Nova de Gaia gebracht, wo sie in den »Lodges« genannten Weinkellereien dann zum gewünschten Endprodukt von Tawny Port bis hin zu edlen Vintage Port verwandelt werden.

Vila Nova liegt gegenüber der Altstadt von Porto am linken Ufer des Rio Douro und ist ein Pflichtbesuch für jeden Weinfreund. Dort bieten zahlreiche bekannte Portproduzenten Kellervisiten und Verkostungen an.

Das Anbaugebiet ist entlang des Flusses in drei Teile geteilt. Das Douro Superior liegt im Osten, wo der Fluss aus Spanien kommend nach Portugal fließt. Es erstreckt sich von Barca d’Alva bis hinunter nach Pinhão und umfasst etwa 8000 Hektar Rebberge. Das Hauptgebiet des Weinbaus ist das Cima Corgo mit rund 17.000 Hektar. Es liegt rund um den Ort Pinhão. Weitere 13.000 Hektar liegen flussabwärts zwischen Corgo und Régua und heißen Baixo Corgo. Die Reben wachsen im Dourotal durchwegs auf Steinhängen, die teilweise mit Terrassenanlagen gestützt werden. Auf einem Untergrund aus Granit liegen Schieferverwitterungsböden, die den ­Reben optimale Bedingungen bieten.
Das Dourotal ist bedeckt von etwa 80 unterschiedlichen Sorten, mehrheitlich rote Varietäten. Für die Portweinproduktion, aber auch Tafelweinerzeugung haben sich fünf rote Sorten als besonders bedeutend herauskristallisiert. Die kraftvolle, tanninreiche und gut strukturierte Touriga Nacional, die duftige, fruchtbetonte Touriga Franca, Tinta Roriz, die in Spanien den bekannten Namen Tempranillo trägt, die feinwürzige, aber kapriziöse Tinta Cão und schließlich die Tinta Barroca, eine süße, robuste Sorte und ein geeigneter Verschnittpartner.

Neben der Erzeugung von Portwein in allen Spielarten hat in den letzten beiden Dekaden die Herstellung von roten, aber auch weißen Qualitätsweinen mit der Herkunftsbezeichnung Douro DOC rasant an Bedeutung gewonnen. Der Urvater dieser Rotweine ist ein Wein namens »Barca Velha«, der schon in den 80er-Jahren als der »Pétrus von Portugal« tituliert wurde. Es war schließlich der Topönologe Dirk van der Niepoort, der ab 1990 mit seinem Engagement für Qualitätsweine einen wahren Boom auslöste. In weiterer Folge schloss sich eine Gruppe von Winzern unter dem Namen »Douro Boys« zusammen, um höchst erfolgreich gemeinsam die eigenständigen Qualitätsweine zu promoten. Zahlreiche weitere Produzenten folgten ihnen auf diesem Weg. Heute zählen die aus ­au­tochthonen Rebsorten erzeugten Rotweine aus dem Dourotal zu den spannendsten »neuen« Weinen Europas.  

(PM)