Poetin der Farben: India Mahdavi im Interview

Pinke Extravaganza: India Mahdavis Durchbruch mit »The Gallery« im »Sketch«, London. 

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Pinke Extravaganza: India Mahdavis Durchbruch mit »The Gallery« im »Sketch«, London. 

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Dass rosafarbene, plüschige Sitzecken nicht kitschig, sondern durchaus stilvoll und noch mehr abgefahren aussehen können, darf in der »The Gallery« im Restaurant und Teehaus »Sketch« liebevoll begutachtet werden. Freilich in Kombination mit Kunst – David Shrigley lieferte seine Werke gleich mit dazu. Das »Sketch« in der Conduit Street im Herzen Mayfairs ist vielleicht das erste, aber sicher nicht das einzige Beispiel, womit die India-Mahdavi-Extravaganza ihre unübersehbaren Zeichen im Design-Kosmos setzte. Will man eine subtile, coole, unerwartete Harmonie zwischen Formen, Materialien und Farben, so sollte man die Koordinaten der Pariser Ausnahmekünstlerin bereits gespeichert haben. 

Großaufnahme

Großaufnahme: Designerin India Mahdavi.

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Paris-Platzhirsch Thierry Costes hat das längst getan und engagierte Mahdavi für sein Hotel »Germain«. Ebenso in Mahdavis Repertoire: die »Coburg Bar« im »The Connaught« in Mayfair, das »Ladurée« am Beverly Drive, Zimmer im »The Claridges« in London, Restaurants für die Haubenköche Hélène Darroze oder Jean-François Piège, eine Etage im KaDeWe und aktuell ein Couchtisch für Louis Vuitton. Ob da noch viel Zeit für persönlichen Genuss bleibt? LIVING traf die personifizierte Design-Explosion zum Talk über Haubenküche, Leidenschaft und warum Farben glücklich machen …

LIVING Einige Ihrer Lieblings-Interior-Projekte sind Restaurants. Könnte man daraus schließen, dass Sie ein Gourmet sind?
India Mahdavi

Ich liebe Geschmacksexplosionen. Ich koche zwar nicht jeden Tag, denn dazu bin ich etwas zu bequem. Aber ich habe immer eine Vorstellung davon, wie ein Gericht aussehen soll, das ich esse.

Mustergültig: Romantisch-plüschiges Design für das Café-Restaurant »Ladurée Quai des Bergues« in Genf.

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Sie hatten natürlich auch eine gewisse Vor­stellung vom Interior Design. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Weg einzuschlagen?

Ich habe mich sehr für den Film interessiert, und meine Lieblingsfilmemacher waren dafür bekannt, eine sehr starke Atmosphäre in ihren Filmen zu transportieren: Fellini, Visconti, Stanley Kubrick realisierten un­glaubliche Filmsets, aber auch die James-Bond-Filme. Ebenso begeisterte mich Fritz Langs »Metropolis«, ein monumentaler Stummfilm des deutschen Expressionismus, der mit einer gigantischen Szenerie beeindruckt. So wollte ich unbedingt zum Film und begann mein Architekturstudium, um Fritz Langs Weg zu folgen.

Aber es kam dann noch konkreter …

Es war eine Zeit, die erstmals Interior-Experimente zuließ. Philippe Starck realisierte für Jean-Louis Costes das erste »Café Costes« in Paris – das erste moderne Caféhaus Europas. Es transportierte eine Geschichte, war optisch unglaublich ansprechend und vermittelte ein herrliches Vergnügungspotenzial. Da habe ich erkannt, dass Interior Design mit der Filmindustrie stark verbunden ist. Ich konnte mich darin mit meiner ganzen Kraft verwirklichen.

Stets am Puls der Zeit: India Mahdavi inmitten ihrer designten Interior-Objekte. india-mahdavi.com 

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Was man bei Ihren Projekten auch zweifellos vermittelt bekommt. Welche Eigenschaften zeichnen Ihre Arbeit aus?

Ich investiere in meine Projekte stets Unmengen an Leidenschaft und Liebe. Anders könnte ich gar nicht arbeiten.

Sie leben in Paris. Inwieweit beeinflusst Ihre aktuelle Wohnadresse Ihre Arbeit?

Paris ist für mich irgendwie die Kapitale des Interior Designs. In keiner anderen Stadt gibt es so viele Kunsthandwerker und Manufakturen, mit denen ich zusammenarbeite. Engagiert man einen französischen Designer, bekommt man so viel mehr als nur Dekoration. Man bekommt etwas sehr Authentisches, eine Geschichte, die von der Einleitung über den Inhalt bis zum Ende passt und aus dramaturgischer Sicht ein einheitliches Ganzes ergibt.

Pastell rules the World
Pastell rules the World: Blümchen, Grün und Rosa für einen Ableger des Pariser Kaffeehauses »Ladurée« am Beverly Drive in L. A.

© Trevor Tondro, all rights reserved

Welche Städte neben Paris inspirieren Sie noch?

Ich liebe orientalisch angehauchte Städte wie Istanbul, Beirut, Kairo und Teheran. Aber auch L. A. und New York geben mir viel Kraft und Energie. Und natürlich Venedig – aber wer liebt diese Stadt nicht?

Was war Ihre erste ausschlaggebende Erinnerung im Design?

Das war meine farbenfrohe Kindheit in Cambridge, Massachusetts. Es waren so farbenfreundliche und glückliche Tage Mitte der 60er-Jahre. Egal, ob das Fernsehen, lustige Autos oder Bugs Bunny – es hat einfach Freude gemacht. Ich weiß natürlich nicht, ob man Farben als Design bezeichnen kann – aber in jedem Fall haben sie mich später bei meinem Tun beeinflusst.

Céline, Balenciaga oder The Row: India Mahdavi entwarf Luxus-Boutiquen für die zweite Etage des KaDeWe Berlin.

© Derek Hudson 2016

Wie würden Sie Ihren persönlichen Stil bezeichnen?

Polyglott und polychrom – multikulturell und farbenaffin. Ich bin wie ein Chamäleon – einfach sehr vielseitig.

Warum spielen Farben eine so große Rolle in Ihrer künstlerischen Welt?

Ich habe mich bereits mein ganzes Leben von Farben angezogen gefühlt. Sie bringen gute Laune und beeinflussen positiv. Darum geht es auch in meiner Arbeit: Sie soll Menschen viel Freude bereiten und sie glücklich machen.

Pinke Extravaganza: "The Gallery", London

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Restaurants, Hotels, Boutiquen oder private Appartements: Sie sind überall …

Ich liebe alle meine Projekte, denn ich brauche für mein Schaffen den Unterschied und die Vielseitigkeit eines Raumes. Sozusagen die Abwechslung in der Dimension. Einmal denke ich groß, dann klein, dann wieder für private Kunden, für die Öffentlichkeit oder auch kommerziell. Die Großzügigkeit eines Projekts hat viele Vorteile, und ich denke, ich habe die professionelle Reife, diese auch so umzusetzen.

Sie haben einen Stil-Guide veröffentlicht, wie man jedem Raum das gewisse Etwas an Flair vermitteln kann. Haben Sie einen besonderen Tipp für uns?

Wenn Sie glauben, dass mit einem Raum etwas nicht in Ordnung ist, machen Sie ein Foto. So wird die Situation offensichtlich, und es wird schnell klar, was gut aussieht oder was man ändern sollte.

Gibt es ein absolutes No-Go im Interior Design?

Es darf nicht alles perfekt sein. Das ist langweilig. Eine gelungene Einrichtung in einem Raum braucht unbedingt Fehler und Stilbrüche!

Aus dem Living Magazin 03/2017.

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