Volnay im Herbst
Volnay im Herbst © Peter Moser

Falstaff-Chefredakteur Peter Moser besuchte zahlreiche Spitzenbetriebe in Burgund, um sich einen aktuellen Eindruck zu verschaffen, wie die letzten Jahrgänge ausgefallen sind. Die Ernte des jüngsten Jahrgangs war zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen. Die Zufriedenheit mit der hohen Qualität war unüberhörbar, denn auch in der Burgund rechnete man für das Jahr 2009 sowohl bei den weißen, wie auch bei den roten Gewächsen mit ausgezeichneten Weinen. Bei Clos de Tart war man am 19. September 2009 mit der Ernte fertig – das Wetter war vor der Lese so gut gewesen, dass man auf jede Art der Vor- und Auslese verzichten konnte, wie Regisseur Sylvain Pitiot berichtete.

Was aber dürfen die Burgunder-Freunde von den Jahrgängen 2008 und 2007 erwarten? Alec Seysses von der Domaine Dujac in Gevrey-Chambertin stellt gleich Eingangs fest, dass 2007 zwar ein gutes Rotweinjahr war, aber die Weißweine ausgezeichnet gelangen. Die Rotweine aus 2007 sind bereits jung gut antrinkbar, die Village-Weine sind nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, die kann man mehrheitlich getrost auslassen. Bei den Premiers und Grands Crus gibt es, ganz vom Winzer abhängig, sehr positive Überraschungen. Beim 2007er Rotwein-Jahrgang sind niedrigere Alkoholwerte zwischen 12,5 und 13 Prozent sowie frische Struktur angenehm.

Die Rotweine aus dem Jahr 2008 sind dennoch deutlich vielversprechender, wenngleich die Mengen signifikant geringer sind als üblich. Auffällig sind ebenfalls höhere Säurewerte. Die malolaktische Gärung war beim Jahrgang 2008 eher spät dran, hier gibt es dafür sicher einiges an Vin de Garde.

 

Carlo Wolf, Peter Moser und Eric Rousseau
Carlo Wolf, Peter Moser und Eric Rousseau

Die 2008er Weißweine sind jenen aus 2001 ähnlich: Oft wurde darauf verzichtet, den gesamten biologischen Säureabbau zu machen, um die Frische in den Weinen zu erhalten. Die Mengen entsprechen etwa jenen von 2006, 2007 gab es deutlich mehr Weißwein. Der jüngste Weißweinjahrgang 2009 wird hingegen stilistisch mit 2002 verglichen. Die Weißen 2007 machten den Winzern schon im Weingarten viel weniger Kopfzerbrechen, 2008 war der Krankheitsdruck deutlich massiver. Im Spätsommer 2008 (August, September) gab es Regen, die Botrytis hielt Einzug in den Rieden und speziell für die Biodynamiker wie Anne-Claude Leflaive & Co war das eine gefährliche Situation. Die Moste zeigten schließlich sehr hohe Zucker- aber auch Säurewerte, der biologische Säureabbau zog sich sehr in die Länge und war teilweise Anfang Oktober 2009 noch nicht ganz abgeschlossen.  Die weißen 2007er zeigen sich hingegen sehr pur und klar, verfügen über eine angenehme Würze, sind finessenreich und lassen klar ihr Terroir in den Vordergrund treten.

Domaine Leflaive im Kurz-Porträt
Das Weingut liegt in der Gemeinde Puligny-Montrachet im Bereich Côte d´Or (Côte de Beaune).  Es  wurde  von  Joseph Leflaive (1870-1953) gegründet. Sein  ältester  Sohn Vincent  Leflaive  baute  es  zu  einem  Spitzenbetrieb  aus.  Nach  seinem  Rückzug  aus  dem  Geschäft übernahmen Tochter Anne-Claude und Neffe Olivier Leflaive die Führung. Drei Jahre später gründete Olivier einen Weinhandel und schied aus. Die Weinberge der Domaine umfassen insgesamt 22 Hektar  Rebfläche in den Lagen Bourgogne Blanc, Puligny-Montrachet Village, sowie den Premiers Crus-Lagen Clavoillons, Combettes, Folatières und Pucelles und Meursault sous le dos d`Ane und den Grand Cru-Lagen Bâtard-Montrachet, Bienvenues-Bâtard-Montrachet und  Chevalier-Montrachet.

Insgesamt werden elf Weine produziert. Seit 1999 arbeitet die Domaine Leflaive konsequent biodynamisch nach den Richtlinien von Rudolf Steiner. Anne-Claude hegt die feste Überzeugung, dass große und haltbare Weine nur in einem gesunden Weinberg im Einklang mit der Natur entstehen können. Anne-Claude Leflaive's  Weißweine zählen zu den Besten weltweit. Die unvergleichliche Eleganz verbunden mit beeindruckender Komplexität macht ihre Weine einmalig. Von vielen Kennern wird die Domaine Leflaive (in der Gemeinde Puligny-Montrachet gelegen) als weißes Pendant zur Domaine de la Romanée-Conti gesehen.

» Zu den Verkostungsnotizen

von Peter Moser