In den letzten Dekaden hat die heimische Weinwirtschaft einen grandiosen Wandel erlebt. Die Weinqualität hat sich in allen Bereichen dramatisch verbessert, das kleine Österreich hat sich auf der internationalen Bühne einen Namen machen können. Im Land selbst finden die Weine einen ungeahnten Zuspruch, man ist stolz auf die Winzer, schätzt ihre Leistungen und konsumiert ganz bewusst heimische Tropfen. Was aber den Sekt betrifft, so sieht die Sache anders aus. Zwar ist auch in der Sektwirtschaft ein klarer qualitativer Aufwärtstrend zu erkennen, die Konsumenten aber scheinen diese Anstrengungen nicht in dem Ausmaß zu honorieren, wie dies in anderen Weinbauländern der Fall ist. Dennoch: Die Nachfrage nach reinsortigen Sekten aus Gelbem Mus­kateller, Grünem Veltliner oder Riesling ist im Wachsen.

Im Vorjahr konnte sich die heimische Sektwirtschaft über eine Verlagerung von Prosecco auf Sekt aus Österreich freuen, insgesamt konnten damit rund 23,5 Millionen Flaschen abgesetzt werden. Keine schlechte Bilanz, in den Jahren vor 2005, als es noch die ungeliebte Sektsteuer gab, wurden durchschnittlich nur rund 17 Millionen Flaschen jährlich verkauft.

Das Weingut Harkamp in der Südsteiermark produziert auch im Auftrag von namhaften Winzern / Foto beigestellt
Das Weingut Harkamp in der Südsteiermark produziert auch im Auftrag von namhaften Winzern / Foto beigestellt

 

Der Österreicher ist beim Schaumwein immer noch ein Anlasstrinker. Während der Italiener zum Prosecco und der Franzose zum Glas Champagner greift, ohne dabei von Gewissensbissen geplagt zu werden, muss es in Österreich meist einen handfesten Grund geben, damit tatsächlich die Korken knallen. Geburtstagsfeste, Hochzeiten, Jubiläen oder Festtage müssen es schon sein, um es tatsächlich sprudeln zu lassen.

Willi Bründlmayer zählt zu den bekanntesten Pionieren in Sachen Winzersekt / Foto © Moritz Schell
Willi Bründlmayer zählt zu den bekanntesten Pionieren in Sachen Winzersekt / Foto © Moritz Schell

Ein anderer Grund, warum viele potenzielle Konsumenten dem Sekt skeptisch gegenübersteht, ist das geringe Sachwissen über das Produkt an sich. Perlwein, Frizzante, Prosecco, Spumante, Tanksekt: Die Vielfalt an kohlensäurehaltigen Weinen ist enorm. Der große Vorteil beim österreichischen Sekt: Er wird aus heimischen Trauben hergestellt – und zwar zu 100 Prozent.

Eine wichtige Speerspitze in der Weiterentwicklung des Produktimages von »Sekt aus Österreich« kommt der Gruppe der Winzersekte zu. Hier kann man heute zwei Gruppen von Erzeugern unterscheiden. Es gibt einerseits Weingüter, die den gesamten Prozess vom Keltern des Grundweines über die traditionelle Flaschengärung und das Abrütteln bis zum fertigen Produkt im eigenen Keller durchführen. Die anderen lassen ihren Grundwein von einem Spezialisten zu Sekt veredeln, um ihn dann unter ihrem Namen selbst zu vermarkten. Auf dem Etikett kann man diesen Unterschied nicht feststellen. Da der Winzer bei seinem Vetragspartner sehr wohl die Möglichkeit hat, stilistische Wünsche von der Dosage bis zur Verweildauer auf der Hefe zu definieren, ist dieser Punkt seitens des Konsumenten auch weitgehend ohne Bedeutung. Für den Winzer ist das Auslagern dieser Aktivitäten meist von Vorteil, denn er hat einen kompetenten Spezialisten als Partner für die optimale Versektung, einen, der bereits über das entspechende Know-how verfügt.

Die Macher des tollen Winzersekts Schlumberger DOM TFXT: Manfred Tement, Eduard Kranebitter, Illa Szemes, Herbert Jagersberger und F. X. Pichler / Foto beigestellt
Die Macher des tollen Winzersekts Schlumberger DOM TFXT: Manfred Tement, Eduard Kranebitter, Illa Szemes, Herbert Jagersberger und F. X. Pichler / Foto beigestellt

 

Ein Pionier unter den niederösterreichischen Winzersekterzeugern ist Gerald Malat aus Palt, der bereits 1976 auf recht unkonventionelle Art versuchte, seinen eigenen »Champagner« zu erzeugen, und sich schließlich eine Anzeige aus dem Weinhandel einfing, weil die Sekterzeugung damals dessen Monopol war. Mit der Einführung des Begriffs »Winzersekt« wurde nach deutschem Vorbild eine rechtliche Grundlage geschaffen, und seither können auch Winzer ihren Sekt kreieren. Willi Bründlmayer, der im Jahr 1989 mit seinem Sekt debütierte, war ein weiterer Vordenker ins Sachen Winzersekt, auch er folgte mit Grundweinen aus Chardonnay und Pinot Noir dem französischen Vorbild. Karl Steininger, ebenfalls aus Langenlois, unternahm ebenfalls 1989 seine ersten Versektungsversuche, heute gilt er als Spezialist für ein breites Angebot von sortenreinen Sekten, hergestellt aus eigenen Grundweinen. Manche dieser Sekte stammen sogar aus bekannten Einzellagen, wie der Grüne Veltliner Sekt Steinhaus oder der Riesling Sekt Heiligenstein.

Michael Malat setzt die innovative Sektproduktion seines Vaters Gerald fort / Foto: Christof Wagner
Michael Malat setzt die innovative Sektproduktion seines Vaters Gerald fort / Foto: Christof Wagner

Die führende Sektkellerei Schlumberger aus Wien hat mit ihren Jahrgangssekten DOM TFXT Classic und Rosé Brut ebenfalls typischene Winzersekte im Programm. Mit den Starwinzern Manfred Tement, F. X. Pichler und Illa Szemes wurden Sekte von höchster Qualität entwickelt, die keinen internationalen Vergleich scheuen müssen.    

Die Steiermark hat eine lange Tradition in der Sekterzeugung, da ist es nicht verwunderlich, dass diese bei den Winzern eine gewisse Renaissance erlebt. Seit 2006 widmen sich auch Erich & Walter Polz dem steirischen Sekt, ihr Muskateller- und Rosé-Sekt erfreuen sich heute bereits einer großen Liebhaberschar. Im Sausal hat sich Winzer Hannes Harkamp auf die Erzeugung hochwertiger Sekte spezialisiert und mit Muskateller, Brut Reserve und Rosé bereits Eingang in die Weinkarten der besten Restaurants des Landes gefunden. Jüngstes Mitglied in der dynamischen Riege der österreichischen Winzersektproduzenten ist der umtriebige Markus Huber aus dem Traisental, der im Oktober gleich drei sortenreine Sekte aus Trauben seiner kalkreichen Toplage Berg präsentierte: einen Chardonnay, einen Grünen Veltliner und einen drei Jahre auf der Hefe gereiften Pinot Noir Rosé.

Das Weingut Stift Klosterneuburg ist für seinen exzellenten Mathäi Brut bekannt / Foto beigestellt
Das Weingut Stift Klosterneuburg ist für seinen exzellenten Mathäi Brut bekannt / Foto beigestellt


Das Weingut Stift Klosterneuburg ist für seinen exzellenten Mathäi Brut bekannt / Foto beigestellt

Der Sekt hat in Österreich ein unübersehbares Steigerungspotenzial. Dazu müssen aber gewisse Voraussetzungen erfüllt werden. Das Imitieren bestehender Erfolgskonzepte ist zum Scheitern verurteilt, wie gut auch immer die Resultate sein mögen. Egal ob Prosecco oder Champagner: Am Ende greift der Konsument im Zweifel lieber zum Original. Die Stärken des heimischen Sekts liegen eindeutig in seiner klaren Fruchtigkeit, kombiniert mit einer für den österreichischen Weißwein typischen Säurestruktur. Das Motto: Je mehr Aromen, die für die beliebtesten landestypischen Rebsorten stehen, und somit je mehr Identität, desto besser. Ein

Das Weingut Graf Hardegg im Weinviertel erzeugt guten Winzersekt / Foto beigestellt
Das Weingut Graf Hardegg im Weinviertel erzeugt guten Winzersekt / Foto beigestellt

klarer, prä­ziser, rassiger Muskateller-Sekt bietet sicher mehr Trinkspaß als ein Moscato d’Asti mit seiner etwas beliebigen Süße. Egal ob Sauvignon Blanc, Traminer oder Riesling, es steht in Österreich eine breite Palette von geeigneten Rebsorten zur Verfügung. Auch der Rosésekt findet guten Absatz, und der Schilchersekt, der von der Domäne Müller salonfähig gemacht wurde und dem sich heute Spezialisten wie Christian Reiterer und eine Vielzahl von kleineren Erzeugern wie Jöbstl, Langmann oder Strohmeier verschrieben haben, trägt eine unverwechselbare Facette zur österreichen Sektkultur bei. Setzen die Produzenten zukünftig noch mehr auf die Stärken der landestypischen Rebsorten und deren Herkunft, so steht dem Sekt ohne Zweifel eine prickelnde Zukunft bevor.


Text von Peter Moser
Aus Falstaff Nr. 08/2013

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