Anlässlich seines jüngsten Besuchs in Wien konnte ­Falstaff mit Michael Silacci die aktuellen Jahrgänge von Opus One probieren.
Anlässlich seines jüngsten Besuchs in Wien konnte ­Falstaff mit Michael Silacci die aktuellen Jahrgänge von Opus One probieren. / Foto: Renee Del Missier

Den Grundstein zu Opus One, einem der berühmtesten Weingüter Kaliforniens, wenn nicht der Welt, legten zwei ganz Große aus der Welt des Weins: Baron Philippe de Rothschild, ­Besitzer von Mouton-Rothschild, und Bob Mondavi, der die Robert Mondavi Winery im Napa Valley gegründet hat. Heute blickt Opus One bereits auf eine 32-jährige Erfolgsgeschichte zurück. Seit 2004 trägt Michael ­Silacci die alleinige Verantwortung für den ­Geschmack des Kultweins.

Das heute weltbekannte Weingut für das Opus-One-Projekt wurde 1991 – also vor zwanzig Jahren – fertiggestellt und eingeweiht. Baron Philippe de Rothschild erlebte diesen glanzvollen Tag nicht mehr, er war bereits im Jänner 1988 verstorben. Wohl aber konnte er miterleben, wie das Joint Venture, das er gemeinsam mit Bob Mondavi erdacht hatte, konkrete Formen annahm und der Wein erste große Erfolge feierte. Der allererste Jahrgang dieses Ultra-Premium-Weins aus Napa Valley wurde auf der Robert Mondavi Winery aus der Taufe gehoben, Tim Mondavi und Lucien Sionneau von Château Mouton-Rothschild waren die verantwortlichen Kellermeister. Zu diesem Zeitpunkt gab es weder eigene Weingärten noch ein Weingut. Der Wein hatte damals auch noch keinen Namen, erst 1983 einigte man sich auf die Bezeichnung »Opus One«. 1984 wurde Scott Johnson als Architekt für das neu zu errichtende Weingut benannt. Ab 1985 ersetzte Mouton-Chefönologe Pat­rick Léon den pensionierten Lucien Sionneau als Ko-Winemaker neben Tim Mondavi.

Opus One/Foto beigestellt
Opus One/Foto beigestellt

Der Verkauf der Robert Mondavi Winery an den weltgrößten Weinkonzern, Constel­-
la­tion Brands, im Jahre 2004 war auch für Opus One eine Zäsur. Baronin Philippine de Rothschild kam mit den Verantwortlichen von Constellation überein, das Projekt im ­ursprünglichen Sinne als 50-zu-50-Partnerschaft weiterzuführen. In weiterer Folge ­entschied man sich, Opus One in eine weit­gehende Selbstständigkeit zu entlassen, und auch dafür, das dualistische System mit zwei gleichberechtigten Winemakern aufzugeben. Seither trägt Michael Silacci die volle Verantwortung für Stil und Erfolg von Opus One. Eine richtige Entscheidung, denn in den Dekaden davor kam es unter den Önologen immer wieder zu Auffassungsunterschieden, und diese Situation war dem Wein nicht immer zuträglich. Da bekanntlich viele Köche den Brei schon mal verderben, geht man heute bei Opus One neue Wege. Michael Silacci sieht sich aber nicht als Alleinherrscher in Keller und Weingarten. Ganz im Gegenteil, er legt großen Wert darauf, dass möglichst jeder Mitarbeiter, egal in welchem Bereich er tätig ist, versteht, wie großer Wein zustande kommt. »Seit mehreren Jahren wird die gesamte Belegschaft von Opus One, von der Sekretärin bis zum ­Finanzcontroller, in zwei Teams aufgeteilt, die jeweils ihren eigenen kleinen Anschnitt im Weingarten bearbeiten. Ziel ist es, dass es ihre Trauben in den Blend schaffen. Das fördert einerseits den Teamgeist und das Verständnis dafür, was wir hier eigentlich machen«, erzählt er stolz. Richtig zufrieden ist er, wenn es die Grundweine beider Gruppen schaffen, in den Opus One aufgenommen zu werden.

Seit einigen Jahren zeigt die Erfolgskurve des Weins, gemessen an den Bewertungser­gebnissen und an der internationalen Nachfrage, steil nach oben. Der Opus One hat unter Michael Silaccis Ägide deutlich an Klasse gewonnen, er hat auch mehr eigenständigen Charakter anzubieten.

Der unverwechselbare ­halbrunde Weinkeller von Opus One/Foto: Corbis
Der unverwechselbare ­halbrunde Weinkeller von Opus One/Foto: Corbis



»Wir verfolgen die Philosophie, jedem Wein zu erlauben zu erzählen, aus welchem Jahrgang er stammt und woher er kommt. Der gemeinsame Nenner ist immer das Terroir, und dazu muss es uns gelingen, den Charakter des einzelnen Jahres darzustellen. Das spiegelt sich dann auch in der Sortenzusammensetzung wider – 2006 war der Merlot-Anteil der bisher höchste, weil der Jahrgang im Napa Valley dieser Sorte besonders entgegenkam. 2007 hat hingegen einen höheren Anteil von Petit Verdot, der den Wein stärker prägt als sonst, 2008 ebenfalls«, so Silacci.

Über all die Jahre wurde dieser elegante Rotwein immer weiterentwickelt. Zunächst stand der klassische Bordeaux-Stil klar als Vorbild im Raum, später kam es zu einer Art Stilmischung, Opus One präsentierte sich in dieser Phase zwar finessenreicher, oft aber auch schlanker als viele der typischen Cabernets aus Napa. »Eigentlich müsste man heute von Opus One, Phase drei, sprechen. Vom Start 1979 bis 1984 machten Tim Mondavi und Lucien Sionneau den Wein, später kam dann seitens Château Mouton-Rothschild ­Patrick Léon dazu, und es wurden weitere Fortschritte erzielt. Ich bin nun seit zehn Jahren bei Opus One dabei und trage letztlich die Verantwortung für den aktuellen Stil der Weine. Mein Ziel ist es, die Herkunft des Weins und den jeweiligen Jahrgang so authentisch wie möglich abzubilden, und zwar ohne meine Handschrift zu hinterlassen.«

Den vollständigen Artikel lesen Sie in Falstaff Nr. 03/2011.


Zu den Verkostungsnotizen

Text von Peter Moser

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