Heimspiel Bayern: weißblauer Himmel über dem Hippodrom
Heimspiel Bayern: weißblauer Himmel über dem Hippodrom / Foto: Getty Images

Ausgerechnet zur 200-Jahr-Feier des Oktoberfestes geht es der viel gerühmten Liberalitas Bavariae an den Kragen – wegen der Nichtraucher, die den Qualm per Volksentscheid aus Lokalen und Bierzelten jeglicher Art verdammen. Wer seinen Platz im Zelt aufgibt, um draußen eine zu rauchen, kommt womöglich nicht mehr hinein – was aber gleichzeitig be­deutet, dass Raucher bessere Chancen haben, die Wiesn nicht so sternhagelvoll zu verlassen wie nonstop saufende Nikotinverweigerer. Den Tag oder Abend ohne finalen Kollateralschaden auf dem Oktoberfest zu verbringen ist durchaus möglich – das Geheimnis liegt im richtigen ­Timing. Wer zum Beispiel an den Wiesn-Samstagen schon um sechs Uhr vor den Zelteingängen campiert und mit ein paar Flaschen Augustiner vorglüht, dem geht es wie einer Weißwurst – er wird das Zwölfuhrläuten nicht mehr erleben. Grundsätzlich ist die sogenannte Mittagswiesn von elf bis 15 Uhr unter der Woche die beste Zeit, um ein bisserl was vom ursprünglichen, beschaulichen – und preiswerteren – Wiesngefühl zu erhaschen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass der klassische Wiesn-Dreier aus einem halben Hendl, ­einer Mass Bier und einer Riesenbrezn besteht.

Die Frage nach dem besten Gerstensaft auf der Wiesn ist übrigens müßig, denn bei den Münchnern, und die müssen es ja wissen, steht das Augustiner unangefochten auf Platz eins. Als einziges wird es noch aus den traditionellen handgefertigten Fässern gezapft. Alle anderen Brauereien sind längst zu Containern übergegangen, die von Tankwagen befüllt werden können. Was auch immer man im Krug hat, es gilt die Regel: Trinken ohne Grundlage ist wie ­Flaschenöffnen mit den Zähnen – die Reue kommt schneller, als man denkt. Im historischen Festzelt von »Ratskeller«-Wirt Toni Winklhofer gibt es an fester Nahrung neben den üblichen Schmankerln die einst so beliebte Rumfordsuppe, Böfflamott, Stockwürste, Ochsenmaulsalat und Zwetschkenpavesen.

Das Rind isst man am besten in der »Ochsenbraterei«, schließlich reift jedes Exemplar vom städtischen Gut Karlshof in Ismaning zwei Wochen im Kühlhaus, bevor es mit einer Trockenbeize aus Salz, Pfeffer, Kümmel, Knoblauch, Sellerie, Zitronenthymian, Petersilienwurzel und Karotten behandelt und anschließend gespießt wird. Wem der Sinn eher nach Hirschragout, Ha­senpfeffer oder Rehrücken steht, geht in die »Wildstubn«. Trudi Reinoldi ist heuer zum ers­ten Mal mit einem Zelt (im bayrischen Forsthausstil) auf der Wiesn, für die Eiligen hat sie davor eine Grillstation eingerichtet – mit Wildschwein am Spieß.

Im »Hacker« / Foto: Getty Images
Im »Hacker« / Foto: Getty Images



Zelthopping ist meistens nur bis etwa 18 Uhr möglich, danach werden die Türen oft wegen Überfüllung geschlossen. Deswegen ist es nicht ganz unwichtig, mit wem man für den Rest des Abends den Bierkrug kreuzt – jedes Zelt hat sein Stammpublikum: Während man in Manfred Vollmers »Augustiner« unbedingt der ­bayrischen Mundart mächtig sein sollte, wenn man mit den Münchnern ins Gespräch kom-men will, sind in Günther Steinbergs »Hofbräu« Fremdsprachenkenntnisse von Vorteil. Hier sitzen die meisten Amerikaner, Australier, Holländer und Ita­liener.

Normalerweise ist um 23.30 Uhr Schluss mit lustig – bis auf »Käfer Wies’n Schänke« und »Kufflers Weinzelt«, da sitzen die Unermüdlichen noch eineinhalb Stunden länger zusammen (ausgeschenkt wird aber nur bis 15 Minuten nach Mitternacht). All das sollte für einen Wiesn­besuch eigentlich reichen, aber es gibt ja Menschen, die, anstatt in die Kissen zu sinken, lieber in die »After­wiesn« eintauchen. Am einfachsten ist das im Wiesnclub auf der Theresienhöhe in
der Alten Kongresshalle. Einfach hinter dem »Schot­tenhamel-Zelt« den Hügel erklimmen und über die Straße laufen, wenn das noch geht.

Das richtige Timing zum Schluss: Die Wiesn dauert im Jubiläumsjahr einen Tag länger, nämlich bis zum 4. Oktober. Das ist ein Montag. Da sind die Touristen weg und die Münchner unter sich. Und ab Dienstag hat man Zeit für Münchens wahre kulinarische Attraktionen.


Die Wiesn-Hotspots:

Armbrustschützen-Festhalle
 T: +49/(0)89/23 70 37 03

Augustiner-Festhalle
T: +49/(0)89/23 18 32 66

Bräurosl
T: +49/(0)89/89 55 63 53

Fischer-Vroni
T: +49/(0)89/66 10 42

Hacker-Festzelt
T: +49/(0)81/70 73 03

Hofbräu-Festzelt
F: +49/(0)89/448 34 87

Hippodrom
T: +49/(0)89/29 16 46 46

Käfer Wies’n Schänke
T: +49/(0)89/416 83 56

Löwenbräu-Festhalle
T: +49/(0)89/50 07 75 30

Ochsenbraterei
T: +49/(0)89/38 38 73 12

Schottenhamel-Zelt
T: +49/(0)89/54 46 93 10

Schützen-Festzelt
T: +49/(0)89/23 18 12 24

Weinzelt
T: +49/(0)89/50 07 74 11

Wildstuben
T: +49/(0)89/64 27 01 67

Winzerer Fähndl
T: +49/(0)89/62 17 19 10

Reservierung empfohlen!

Nach dem Oktoberfest kommt das Gaumenfest: Die besten Restaurants und Wirtshäuser abseits der Wiesn finden Sie hier.

von Michael Tempel

aus Falstaff 06/10

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