Neue Führungskulturen: Carsten K. Rath im Gespräch

Der Insider 
Carsten K. Rath kennt 
das Leben hinter der 
Bühne nur zu gut.

© Thomas Luethi / HEG

Der Insider 
Carsten K. Rath kennt 
das Leben hinter der 
Bühne nur zu gut.

© Thomas Luethi / HEG

Grandhotelier, Unternehmensberater, Autor und Speaker: Carsten K. Rath kennt die Branche wie kein anderer. In seinem neuen Buch 
»30 Minuten Freidenken für Führungskräfte« widmet er sich den neuen Führungskulturen.

KARRIERE Herr Rath, Sie schreiben über den Abschied des Kontrollwahns. Ist Führung ohne Kontrolle möglich?
RATH Es gibt keine erfolgreiche Führung ohne Regeln und Qualitätskriterien. Der Punkt ist ein anderer: Herausragende, kreative, innovative Lösungen entstehen, wenn Mitarbeiter und Führungskräfte die Freiheit genießen, die sie brauchen, damit sie sich entfalten und ihre persönlichen Stärken zum Ausdruck bringen können. Das meine ich mit Freidenken: Unternehmen und Produkte und sogar Claims ähneln sich immer mehr. Wir können uns nicht vom Wettbewerb absetzen, indem wir Führung als Benchmark-Bingo betreiben. Sondern nur, indem wir eigene Standards setzen und uns Raum für Innovation und Beziehungspflege schaffen, mit den Mitarbeitern und mit den Kunden. Diese Freiheit kann nur Führung schaffen. Dazu gehört auch, dass sie einen klaren, konstruktiven Rahmen um die Freiheiten zieht, die jeder Einzelne braucht. Was ich mit Kontrollwahn im Management meine und kritisiere, ist, dass Führung oft um der ­Kontrolle willen die Freiheiten minimiert.

Was verstehen Sie heute unter einem guten Führungsstil?
Stil ist etwas sehr Persönliches. Führungskräfte kommu­nizieren zum Beispiel sehr unterschiedlich und können ­dennoch zu gleichermaßen hervorragenden Ergebnissen kommen. Die richtige Haltung zur Führungsaufgabe kann man immer reflektieren und gestalten. Sie lässt sich mit der Formel V hoch 4 am besten beschreiben: Vertrauen, Vorbild, Verantwortung, Verpflichtung. Bei allen vier V geht es um die Rolle der Führungskraft. Wenn ich will, dass meine ­Mitarbeiter freiwillig und selbstbestimmt ­handeln, dann geht das nur, indem ich es ihnen vorlebe.

Welche Faktoren sind für einen guten ­Führungsstil notwendig?
Effektive Führungskräfte geben zuerst den alten Aberglauben auf, dass Entscheiden ein Führungsprivileg sein müsste. Je näher am Kunden Entscheidungen getroffen werden, desto besser. Der zweite Faktor ist der Fokus aufs Wie, also die Form der Umsetzung und die Art, wie das Unternehmen sich und seine Produkte präsentiert. Kontrollsüchtige Führung dreht sich häufig nur um das Was, also die Kennzahlen oder das Produkt. Vor allem die Mitarbeiter im Kundenkontakt brauchen maximale Gestaltungsfreiräume. Drittens: Kommunikation. Effektive Führung enttabuisiert Konflikte und Probleme und macht sie zur Lerngrundlage. Dazu gehört auch eine offene Fehlerkultur: Solange Mitarbeiter die ­Erfahrung machen, dass man Fehler am besten vertuscht, werden sie sich ständig wiederholen. So kann ein Unternehmen auf Dauer nur stagnieren. Der vierte Faktor ist natürlich die Innovation, die angesichts der Digitalisierung kriegsentscheidend ist. Was hat mein Kunde davon? Das ist der Gravitationspunkt, um den sich alles dreht. Um den hy­briden und digitalen Kunden von heute gerecht zu werden, ist es oft nötig und sinnvoll, mit der Bürokratie zu brechen und Systeme einzurichten, die intern die nötigen Freiheiten für eine radikale Kundenorientierung schaffen.

Über Carsten K. Rath

Carsten K. Rath 
Der mehrfach ausgezeichnete Unternehmer und Keynote Speaker ist ein Service- und Qualitätsenthusiast und hat Dutzende Unternehmen und Teams auf vier Kontinenten geleitet. Rath ist Gründer von »Kameha Grand Hotels & Resorts« und heute Gesellschafter für die Unternehmensberatung für Kundenbegeisterung RichtigRichtig.

www.carsten-k-rath.com

Interview aus Falstaff Karriere 05/17.

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