Nachgefragt: kultig shoppen in Auktionshäusern

Legendär seit 1707: Die imposanten Hallen des Dorotheums in Wien.

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Legendär seit 1707: Die imposanten Hallen des Dorotheums in Wien.

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http://www.falstaff.at/nd/nachgefragt-kultig-shoppen-in-auktionshaeusern/ Nachgefragt: kultig shoppen in Auktionshäusern Im Geschäft einkaufen kann jeder. Echte Treasure-Hunters versuchen sich am Ersteigern. Ein Trend, der auch hierzulande boomt. LIVING recherchierte Rekorde und Fehleinschätzungen. http://www.falstaff.at/fileadmin/_processed_/e/9/csm_Living-Kultig-Shoppen-c-beigestellt-2640_cc048cbb35.jpg

Die Smartphones im Selfie-Dauerbetrieb, die Bietertafel emporgereckt – als im vergangenen Juni die Chanel-Sammlung einer Wiener Dame im Dorotheum versteigert wurde, zeigte sich das Bild einer neuen Generation in den altehrwürdigen Räumen des Auktionshauses. Ein rosafarbener Chanel-Kurzmantel um 4000 Euro, eine »Kelly Classic Bag« um 3750 Euro – die Preise waren überschaubar, zumindest wenn man sie mit den Top-Auktionsergebnissen des ersten Halbjahrs vergleicht. Ein makel­­-los erhaltenes Gemälde aus der Werkstatt 

Hans Memlings erzielte den Bruttopreis von 1.200.000, gefolgt von einem weiteren Altmeister für 1.022.500 Euro. Erst auf Platz vier taucht mit Lucio Fontana ein Vertreter der zeitgenössischen Kunst auf: ein Metier, in dem das Dorotheum stark vertreten ist. Dass sich US-Kunst, insbesondere Pop-Art, gut an den Mann bringen lässt, ist keine große Überraschung. Die Bilder sind bekannt, bunt und das Gegenteil von sperrig. Es ist aber nicht nur Pop-Art, die reüssiert, wie es vonseiten des Dorotheums heißt: »Tschechischer Kubismus ist eines der Design-Spezialgebiete, das immer mehr Anhänger findet.« Auch Outsider-Kunst, spätestens seit der Venedig-Biennale 2013 vorsichtig gehypt, findet begeisterte Abnehmer. 

Von anonymen Œuvres, die auf Dachböden gefunden und zu Bestpreisen versteigert werden, bis hin zu den mittlerweile gar nicht mehr so »außenstehenden« Künstlern von Gugging, die im Dorotheum ein großes Thema sind. 600 Auktionen wickelt man pro Jahr im 1707 gegründeten Auktionshaus ab, mit der Gründung der Design-Abteilung gehörte man 1996 zu den Vorreitern in Europa.
Die Namen: Adolf Loos, Carl Auböck, Jean Prouvé, Zaha Hadid, Franz West oder Heimo Zobernig. Die Objekte der Begierde: Möbel, Beleuchtung, angewandte Kunst und Ar­chitekturentwürfe. Dass ein Sitzobjekt der »Stararchitektin« Zaha Hadid oder ein Gemälde des Malerfürsten Ernst Fuchs – beide unlängst verstorben – aktuell höhere Preise erzielen, verwundert vermutlich nicht, wobei Doro­theum-Pressesprecherin Doris Krumpl betont, dass etwa Hadid immer schon stark nachgefragt wurde. »Für junge Sammeleinsteiger empfehlen wir moderne Grafik, Meisterzeichnungen oder auch historisch-wissenschaftliche Instrumente – hier bekommt man gute Qualität für verhältnismäßig wenig Geld. Jemand mit großem Budget sollte auf gute Namen und Qualität – und gute ­Beratung! – setzen. Lieber ein Top-Werk als fünf mittelmäßige«, so der Presseprofi.

It-Bag
Kelly-Bag von John Dumas (1935) für Hermès; Auctionata.

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Chanel only
Reine Chanel-Auktionen sind Publikumsrenner; Auctionata.

Tschechischer Kubismus
Schrank von Jindrich Eck – um 25.000 Euro versteigert.

Die Belgier kommen!

Bei echten Sammlern stehen strategische Überlegungen wie »Passt dieses Werk in meine Sammlung? Muss ich ein anderes dafür verkaufen?« im Fokus, generell rät man den Kunden im Doro­theum aber, zu kaufen, was persönlich gefällt. Peter Kempe, Vintage-Fashion-Experte im Auctionata-Netzwerk, rät sogar, Dinge zu sammeln, die man auch wirklich benutzt. Bei Handtaschen liegt das auch nahe. »Kleider aufzubewahren, hat doch etwas Kuratorisches«, meint der Hamburger, der als einer der führenden Spezialisten im deutschsprachigen Raum gilt. »Ich bin mit zwölf Jahren zum ersten Mal in einer Show von Lagerfeld gesessen, das war der Anfang«,
erzählt der »Couture-Opa«, wie er in der Branche auch gerne genannt wird. »Wenn es um das reine Investment geht, geht nichts über Hermès-Bags. Lange danach kommen Chanel, Dior und Louis Vuitton, aber bitte nicht die bunte Buchstabentasche aus dem Jahr 2002, die will nun wirklich keiner mehr haben.« Kempe macht klar, was er unter
Vintage versteht: »Es geht um besondere Kollektionen von besonderen Modeschöpfern.« Das Wort Designer kommt ihm dabei nicht über die Lippen.

Dafür muss man sich auskennen, so viel steht fest. »Wer in Online-Secondhand-Boutiquen kauft, finde ›bescheuerte‹ Preise. Die Sachen sind entweder zu günstig oder zu teuer.« Kempe empfiehlt, sich auf eine Marke zu beschränken, man müsse nicht »von jedem Modeschöpfer eine Tasche haben«. Welches Stück er, der selbst auch sammelt, gerne einmal in Händen halten würde? »Das erste Kleid von Karl Lagerfeld für Chanel aus dem Jahr 1983, das ist aber noch nie irgendwo aufgetaucht.« Seine Prognose für Labels, die noch »durch die Decke gehen werden« (O-Ton): Jean Paul Gaultier, die Belgier (wie Dries van Noten) und Helmut Lang. Ein absolutes Problem für die Auktionshäuser: 

»In Österreich und Deutschland gibt es nur wenige Couture-Sammler, deren Sachen wir übernehmen könnten. Und 100 bis 200 Stücke braucht man schon für eine Auktion«, so Kempe. Der Deutsche verweist im Gespräch auf das Pariser Haus Artcurial, das seit 2014 auch mit einer Dependance in Wien ver­tre­-ten ist. Österreich-Direktorin Caroline Messensee weiß, woher der Lobeswind weht: »Artcurial hat schon vor zwölf Jahren mit ›Hermès Vintage & Fashion Arts‹-Auktionen begonnen – wir waren die Ersten.« Der Unterschied zu anderen Auktionshäusern: »Wir nehmen nicht alles, achten sehr auf die Qualität«, so Messensee unmissverständlich. Und Hermès steht für High-End im High-End-Bereich, so die Expertin. »Von Louis Vuitton haben wir zum Beispiel nur Exponate aus der Zeit der Schrankkoffer, bevor die Marke in Richtung Massenproduktion gegangen ist.« Die gebürtige Wienerin erklärt auch das
Artcurial-Verständnis einer »It-Bag«: »Kelly- und Birkin-Bags – damit kann man kein Geld verlieren.« Die bisher teuerste Birkin-Bag hat übrigens um 300.000 US-Dollar ihren Besitzer gewechselt. Viel Geld, aber natürlich immer noch nichts im Vergleich zu einem alten Meister um 1,2 Millionen Euro. Dass sich Ersteigertes – gleich ob Birkin oder Hadid – als alternatives Investment anbietet, ist bekannt und wird auch von Doris Krumpl abschließend betont: »Wertpapiere mögen an Wert verlieren, eine Papierarbeit von Picasso sicher nicht.«

Peter Kempe
Der Hamburger ist Experte im Auctionata-Netzwerk.
www.kuballkempe.de

Linktipps
www.dorotheum.com
www.auctionata.com 
www.artcurial.com

Buchtipp
Franz Wojda, »Das Sammeln zeitgenössischer Kunst: Ein ganzheitlicher Ansatz«,
Verlag für moderne Kunst.

Aus Falstaff LIVING 03/2016

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