Muster.Gamlitz: Keine Superstars, sondern Weinbauern

Reinhard Muster ist Winzer am Weingut Muster.Gamlitz.

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Reinhard Muster ist Winzer am Weingut Muster.Gamlitz.

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http://www.falstaff.at/nd/mustergamlitz-keine-superstars-sondern-weinbauern/ Muster.Gamlitz: Keine Superstars, sondern Weinbauern Auch am Weingut Muster.Gamlitz tüftelt man ohne Ende an den Weinen. Aber nach außen hin will man einfach das sein, was man ist. Reinhard Muster im PROFI-Talk. http://www.falstaff.at/fileadmin/_processed_/1/8/csm_Muster-Gamlitz-beigestellt-2640_cec3788f0a.jpg

PROFI: Wie geht es Ihnen bzw. Ihrem Unternehmen im Moment?
Reinhard Muster: Hervorragend. Wir betrachten dieses Jahr als ein ganz großartiges Jahr – etwas, dass man in Zeiten von Corona fast nicht sagen darf. Aber es geht uns wirklich gut. Als Weinbauer freue ich mich sehr über die Niederschläge. Denn wir haben in Summe 15 Hektar Junganlage und die werden momentan fast täglich vom Regen gegossen.

Wir haben mit sehr viel Schwung in das Jahr 2020 gestartet und haben, da das Jahr 2019 sehr gut war, fantastische Weine lagernd. Da die Präsentationen und Messen, die für dieses Frühjahr angedacht waren, natürlich ausgefallen sind, konnte ich persönlich stark aus der Krise profitieren. Durch Covid-19 wurde mir ein zweimonatiger Heimurlaub geschenkt, den ich meiner Familie und meiner Arbeit im Weingarten gewidmet habe. In Zukunft müssen wir nun natürlich wieder Gas geben und den Kontakt zu unseren Kunden suchen.

»Wir sind traditionell und normal. Wir sind – nach außen hin – einfach nur Weinbauern!«
Reinhard Muster, Weingut Muster.Gamlitz

Inwiefern kann die derzeitige Lage eine Chance für Unternehmen darstellen?
Die Maßnahmen, die uns über diese Situation hinweggeholfen haben, haben wir schon viel früher getroffen. Als Weingut haben wir bereits viele Krisen gut überstanden. Die Finanzkrise 2008, diverse Wetterkapriolen der letzten Jahre und das Jahr 2016, wo wir aufgrund massiver Frostschäden im gesamten Weingarten 90 Prozent Ernteverluste verzeichnen mussten.

Wir betrachten jede Krise, ob finanziell oder umweltbedingt, als Chance, neu zu denken und andere Horizonte kennenzulernen. Wir arbeiten mit einem Produkt, das natürlich stark von seiner Umwelt abhängt. Dadurch müssen wir seit jeher mit sehr viel Hausverstand wirtschaften, um Ernteausfälle ausgleichen zu können. Einerseits verfügen wir über Reserven, mit denen wir zumindest zwei Jahre überbrücken können. Andererseits sind wir als Unternehmen recht breit auf-gestellt und wir profitieren vom Grundgedanken, für keinen Markt zu eitel zu sein.

Mit welchen Gefühlen blicken Sie in die Zukunft?
Sehr optimistisch. Die Südsteiermark hat die Chance, in den nächsten Jahren als Weinbaugebiet international einen großen Fortschritt zu machen. Und ich, als Mitglied dieser Gemeinschaft, freue mich sehr auf diese herausfordernde Aufgabe.

Das Aushängeschild des Weingut Muster.Gamlitz ist der Sauvignon Blanc Grubtal 2017.

© Margit Steidl

Winzer, die einen Online-Shop führen, waren in den letzten Monaten klar im Vorteil. War es Ihnen möglich einen Teil des Verlustes durch den Online-Vertrieb abzufedern?
Unser Online-Shop ist für uns fast so etwas wie ein kleines Heiligtum. Wir sind seit Jahren sehr bemüht, unseren Online-Shop zu pflegen und ihn, etwa in unseren Newslettern, intensiv zu bewerben. Durch Corona hat sich der Verkauf über unseren Webshop vervielfacht. Das war ein Wahnsinn für uns und ich freue mich sehr darüber. Kaufmännisch gesehen steht der Umsatz aus dem Online-Vertrieb allerdings in keinem Verhältnis zu unseren normalen Umsätzen. Rund 70 Prozent unseres Hauptumsatzes lukrieren wir aus der Gastronomie und 30 Prozent aus dem Fachhandel.

Worauf legen Sie beim Weinbau besonderen Wert?
Langsamkeit, Ruhe und Gelassenheit, Normalität. Wir müssen den Weinbau nicht neu erfinden, denn das haben die Weinbauern in den letzten 100 Jahren für uns gemacht. Es gibt aktuell viele neue Strömungen und Trends im Weinbau, was natürlich auch gut sein kann. Auch wir tüfteln ohne Ende an unseren Weinen, aber nach außen hin wollen wir einfach das sein, was wir sind – keine Superstars, sondern ganz einfach Weinbauern. Außerdem ist es mir wichtig, achtsam mit der Natur gemeinsam zu arbeiten, ohne Zertifikate und frei von Förderungen, die die Landwirtschaft kaputt machen.

Was ist Ihrer Meinung nach wichtig, um guten Wein zu kreieren?
Das Bauchgefühl und die Erkenntnis, dass Langsamkeit unumgänglich ist. Ich glaube, dass in der Produktion die eigene Vorstellung eines guten Weines grundsätzlich wichtiger ist als die Sensorik. Wenn wir uns einen Weingarten ansehen, entsteht eine Idee, wie ein guter Wein zu sein hat und was ­diesen auszeichnet. Und von dieser Vorstellung darf man in der Produktion nicht abweichen.

Was sind die Aushängeschilder Ihres ­Weinguts?
Für mich definitiv unser Sauvignon Blanc Grubtal 2017. Wir haben seit 20 Jahren an unserem Sauvignon Blanc gearbeitet und konnten 2017 einen großartigen Jahrgang mit einer unglaublichen Widmung hervorbringen.

Möchten Sie uns bzw. unseren Lesern sonst noch etwas sagen?
Ein großer Dank richtet sich an unser Team. Ohne euch wäre es unmöglich, so eine gemeinsame Erfolgskurve miterleben zu dürfen.

muster-gamlitz.at

ERSCHIENEN IN

Falstaff Profi Magazin 3/2020
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