Museen Waadt: Ein Mekka für Kulturliebhaber

2016 eröffnete in Charlie Chaplins einstigem Wohnhaus bei Vevey das Museum »Chaplin’s World«.

© Bubbles Incorporated, Marc Ducrest

2016 eröffnete in Charlie Chaplins einstigem Wohnhaus bei Vevey das Museum »Chaplin’s World«.

© Bubbles Incorporated, Marc Ducrest

Chaplin’s World, Corsier-sur-Vevey

© Bubbles Incorporated, Marc Ducrest

Der Mann hatte nicht nur im Film Stil, sondern auch im Privatleben: Der Ausnahmekünstler Charlie Chaplin wählte nach Problemen bei der Wiedereinreise in die USA die Schweiz als Heimatland. In Corsier-sur-Vevey ließ er sich mit seiner Familie nieder und kaufte das wunderschöne Anwesen Manoir de Ban. Das Museum »Chaplin’s World« hat seinen Sitz ebendort und erlaubt spannende Einblicke in Leben und Werk des begnadeten Multitalents. Die Ausstellung ist zweigeteilt: Während es in der Villa um das Privatleben Chaplins geht, zeigt das Studio, das er zeit seines Lebens unter der Erde errichten ließ, sein filmisches Schaffen. Im Garten, in dem übrigens Michael Jackson häufiger mit dem Hubschrauber landete, dürfen sich die Besucher ebenfalls umschauen.

chaplinsworld.com


Schloss Chillon, Veytaux

© swiss-image.ch / Andy Mettler

Das Schloss Chillon vor den Toren der Stadt Montreux ist das meistbesuchte historische Gebäude der Schweiz. Das 1005 erstmals erwähnte Schloss war vom 12. bis ins 16. Jahrhundert ertragreiche Zollstation der Grafen von Savoyen. Dann eroberten die Berner die Wasserburg, danach die Waadtländer. Besuchern stehen auf dem Schloss Chillon diverse Möglichkeiten offen, um die reiche Geschichte des Ortes zu erkunden: Auf eigene Faust mit Broschüre oder Audioguide ausgestattet, auf einer ausgedehnten Gruppenführung oder bei einem mittelalterlichen Workshop. Ein Muss für Weinreisende in dem Gebiet ist eine Besichtigung des Weinkellers: Rund 40 Eichenfässer befinden sich in dem Teil des Gewölbes, in dem François Bonivard, der Held des berühmten Gedichts von Lord Byron »Der Gefangene von Chillon«, seinerzeit angekettet gewesen sein soll. Hier reift der Clos de Chillon, ein Chasselas, den die Henri Badoux SA in Aigle gemeinsam mit dem Schloss keltert und hier ausbaut.

chillon.ch


Collection de l’art brut, Lausanne

© Christopf Schuerpf

L‘Art Brut ist ein Sammelbegriff für autodidaktische Kunst von Laien. Den Begriff geprägt hat der französische Künstler und Sammler Jean Dubuffet. In den 1970er-Jahren vermachte er der Stadt Lausanne seine Sammlung und begründete damit die »Collection de l‘Art Brut«. Dieses nicht nur im Waadtland, sondern weit darüber hinaus einzigartige und außergewöhnliche Museum präsentiert seit 1976 Werke von Künstlern, die oft am Rande der Gesellschaft, in Gefängnissen oder in psychiatrischen Anstalten leben oder lebten. Die Ausstellungen, die teilweise fix und teilweise temporär sind, regen den Besucher zum Nachdenken an und schüren Verständnis für die Künstlerinnen und Künstler, die eigentlich ja gar keine sind. 5000 Werke umfasst allein der Teil der Sammlung, den Jean Dubuffet in den 1970ern spendete. Einige davon sind bis heute in diesem einzigartigen »Außenseiter-Museum« zu bewundern.

artbrut.ch


Olympisches Museum, Lausanne

© Marino Trotta

Lässt sich der olympische Geist durch ein Museum vermitteln? Klingt nach einer schwierigen Aufgabe. Und doch gelingt es den Machern in Lausanne, etwas vom Traum vieler Sportler auf die Besucher zu übertragen. Wie schnell 9,58 Sekunden wirklich sind, kann jeder Hobbysprinter hier nachempfinden. Vor dem Eingang des Olympischen Museums liegt eine 100-Meter-Tartanbahn, auf der man den vergeblichen Versuch unternehmen kann, Usain Bolts Rekordzeit zu knacken – seine Geschwindigkeit wird mittels Lichtsignalen angezeigt. Damit wird schon deutlich, wie das Museum funktioniert. Nämlich anschaulich statt belehrend, es weckt Neugierde und bezieht Besucher mit ein. Beleuchtet werden zum Beispiel die teils bahnbrechenden Designs, packende Wettkämpfe, aber auch die Ursprünge des Wettbewerbs, die bekanntlich im antiken Griechenland liegen. Eignet sich für die ganze Familie.

olympic.org/museum


Musée du Léman, Nyon

© F. Bertin / Musée du Léman

Das Musée du Léman in Nyon erweist dem Genfersee alle Ehre. 1954 gegründet, wurde die Ausstellung erst kürzlich komplett erneuert und überarbeitet. Beleuchtet wird der »Lac« in all seinen Facetten – Kultur, Natur und Wissenschaft. Zu sehen ist eine einzigartige Sammlung wertvoller Exponate, darunter 30 historische Schiffe. Zu den Höhepunkten gehören auch fünf Aquarien. Sie zeigen die typischen Lebensräume im See: das Ufergebiet, in dem die Fische laichen, die Flussmündung und die Tiefen des Sees. Das Obergeschoss des Museums ist der im Waadtland heimischen Abenteurerfamilie Piccard gewidmet. Auguste Piccard präsentierte 1964 das erste Unterseeboot des Genfersees für touristische Zwecke. Sein Enkel Bertrand umkreiste als erster Mensch die Erde in einem Ballon und in einem Solarflugzeug.

museeduleman.ch


Cima-Museum, Sainte-Croix

Foto beigestellt

Der Ort Sainte-Croix im Waadtländer Jura gilt als Welthauptstadt der mechanischen Musik und beherbergt als solche eines der einzigartigsten Museen des Waadtlandes: das CIMA, das Centre International de la Mécanique d‘Art. Im Ort werden bis heute Spieldosen aller Art hergestellt. Die Geschichte geht zurück auf das Jahr 1796, als der Genfer Uhrmacher Antoine Favre-Salomon hier eine musizierende Taschenuhr erfand – die erste Musikdose überhaupt. Das Museum CIMA haucht dieser Geschichte wieder neues Leben ein. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehört die historische Musikdosen- und Musikautomatensammlung mit menschlichen Figuren. Einige Exponate sind weltbekannt und mit außergewöhnlich komplexen Feinmechanismen ausgestattet: So zum Beispiel der »Prinz Eugen« des in Sainte-Croix geborenen Automatiers François Junod, ein Automat in menschlicher Gestalt, der zeichnen kann. Das Museum kann frei besucht oder eine Führung im Voraus gebucht werden.

musees.ch

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