Minigolf: Eat. Putt. Drink.

Florida: »PopStroke« wurde von Ex-Pro Tiger Woods mitgegründet.

© Popstroke

Florida: »PopStroke« wurde von Ex-Pro Tiger Woods mitgegründet.

Florida: »PopStroke« wurde von Ex-Pro Tiger Woods mitgegründet.

© Popstroke

http://www.falstaff.at/nd/minigolf-eat-putt-drink/ Minigolf: Eat. Putt. Drink. Zugegeben, diese Headline ist geklaut. Und zwar von Tiger Woods Golf- und Casual Dining-Konzept »PopStroke«. Drei Worte, die klar machen sollen: Golfen wird neu gedacht, in den USA und London mit Tech- und Lifestyle-Drive, in Mitteleuropa als Adventuregolf. http://www.falstaff.at/fileadmin/_processed_/5/f/csm_PopStroke-beigestellt-2640_9dff143a24.jpg

Verrostete Eisenbanden, immer gleiche Hindernisse und von Getränkeherstellern gebrandete Sonnenschirme in absoluten Unfarben – ist das in etwa Ihr Bild, wenn Sie das Wort Minigolf hören? Alles andere als aufregend, könnte man meinen Still und langsam hat sich in den letzten Jahren hier aber so einiges getan und Covid-19 dürfte zumindest den Außenanlagen einen weiteren Schub verpasst haben. Nur: sagen Sie bitte nicht Minigolf, sondern besser Adventuregolf. Dieser Trend kommt zwar aus den USA, die ersten Anlagen entstanden aber schon in den 1990er-Jahren in Skandinavien, klärt Martina Wienl, Repräsentantin von »CityGolf Europe« für Bayern, Baden-Württembergund Österreich, auf.

250 solcher Bahnen wurden bisher vom Unternehmen in Europa ausgeliefert. Adventuregolf-Anlagen sind vergleichbar mit normalen, großen Golfbahnen, mit dem Unterschied, dass alle Löcher in Putting-Entfernung sind. Und: gemäß dem Megatrend des Storytellings widmet sich die Anlage einem Thema. Piraten sind hier auffällig oft vertreten, »weil diese in den USA gängig sind«, so die Touristikkauffrau. »Mittlerweile sind die Themen ›europäisiert‹ worden und man findet aktuell immer häufiger geschichtliche Konzepte, touristische und landschaftliche Attraktionen, aber auch kindgerechte Umsetzungen.« Adventuregolf ist etwas für alle. Das hört man oft, hier stimmt es aber auch. Da kein direkter Kontakt mit anderen »Flights« (so werden die Spielergruppen genannt) stattfindet, konnten viele Bahnenbetreiber sogar in Pandemiezeiten geöffnet halten. Outdoor versteht sich. In den Städten sind Indoorvarianten – gerne in Schwarzlicht getaucht – häufiger. »Auch mit Betriebszeiten bis Mitternacht«, weiß Wienl. Hier wird’s natürlich schon wieder etwas heikler in Zeiten von »Covid-Notbremsen« und dergleichen.

»Adventuregolfanlagen passen fast zu jeder Art Gastronomie, vom Hotel-Restaurant, Biergarten, Ausflugsgasthaus bis hin zum Kiosk. Die beiden Betriebe profitieren voneinander«, so Wienl. Die häufigsten Betreiber: »Campingplätze, Hotels, frühere Minigolfpächter, Kommunen und Kurverwaltungen, Freizeitparks und sogar Golfclubs«. Die Anforderungen: »Für eine sinnvolle Anlage zwischen 1.500 und 3.000 m2, wir bieten aber auch Kompaktanlagen ab 300 m2 an.« Wie immer wichtig: eine vernünftige infrastrukturelle Anbindung. Hügeliger Untergrund kann in die Gestaltung der Hindernisse eingebaut werden, dafür hilft eine ebene Fläche bei der Barrierefreiheit. Was braucht es sonst noch? Schläger, Bälle, Kartenhalter plus Stifte. Wobei sich beim letzten Punkt die Geister scheiden, aber dazu später mehr. Zuerst noch ein Beispiel für eine ganz andere Art der Gestaltung.

Ball-Tracking in London

London calling! »Crazy Golf Experience«: Das verspricht das »birdies«, das 2020 bei den renommierten Restaurant & Bar Design Awards prämiert wurde. Der erste Eindruck: bunt, fast unpackbar bunt, teils Neonfarben und definitiv etwas fürs Auge. Es wirkt irgendwie, als wäre man in ein 1980er-Jahre Arcade-Game gestolpert und das neun Löcher lang. Aber: es sieht auch nach Spaß aus und genau das ist es, was man den Betreibern zufolge auch erwarten darf. Cocktails gehören hier zum Gesamterlebnis dazu – 2 Tickets plus 2 Gläser Prosecco gibt’s dann auch schon mal um 25 Pfund. Und: es sollte auch erwähnt werden, dass das unterirdisch realisierte »birdies« Teil einer Stadtteilrevitalisierung war (die Londoner Battersea Power Station). Man denke unter anderem an die Wiener Gürtelbahnbögen, auch die harren teils einer neuen Nutzung.

Ebenfalls in London gehen die Macher des »Puttshack« nochmal einen anderen Weg. »Tech-infused«-Minigolf ist hier das Thema, das heißt: Die tatsächlich etwas altbackenen Punktekarten (und Stifte, die desinfiziert werden müssen) haben hier ausgedient, stattdessen setzt man auf digitale Anzeigen und »Trackball Technologie« – jeder Ball ist mit einem Sensor ausgestattet, die Punkte werden automatisch erfasst. Und nach dem Spiel, das circa 30 Minuten dauert, bleibt der Gast einfach vor Ort, Restaurant und Bar sind der eigentliche Umsatzbringer. Nach dem Start in London sollen dieses Jahr weitere Standorte in Großbritannien und den USA folgen – und genau hierher führt uns der letzte Stopp unserer Golftour. Die Vereinigten Staaten von Amerika.

Minigolf mit Clubbing-Charakter

Was sich hier abspielt, ist durch die Bank – man kann es vermuten – eine Nummer größer. Von der Reality-TV-Show »Holey Moley« (2. Staffel ab Juni) bis hin zur »Contemporary Minigolf«-Spielstätte »PopStroke«, an der Golf-Superstar Tiger Woods beteiligt ist: hier wird ganz groß gedacht. »PopStroke« ist ein 18-Loch-Putting-Course, derzeit an zwei Standorten in Florida, entworfen von Tiger Woods and TGR Design. Wer auf den Social Media-Kanälen gustiert, sieht Palmen, Kunstrasen, kalte Drinks, Sonnenbrillen und ganz viel gute Laune. Vom Valen-tinstag- über das Kids-Special, der »Feel good«-Charakter ist hier das Maß aller Dinge.

Dank der »PopStroke«-App entfällt das lästige Punktenotieren und die Drinks werden digital ans jeweilige Loch geordert. US-amerikanische Golfmagazine sprechen gar von einer nicht zu unterschätzenden Konkurrenz, die sich am dortigen Markt auftut. »TopGolf« ist ein weiterer großer Player. Beide Anbieter sind auf Expansion aus, »TopGolf« ist bereits in Großbritannien, Australien, Mexiko und Dubai und wurde im März 2021 vom börsennotierten »Callaway Golf« übernommen. Warum das funktioniert?

Weil es Spaß macht mit Freunden gemeinsam ein paar Bälle zu spielen, ohne erst die Platzreife absolvieren zu müssen. Weil die Drinks gut sind die Pizza nicht nur den Kiddies schmeckt. Weil es einfach stimmig ist. Und weil wir alle eine gute »Par-Tee« vertragen. Hierzulande wird wohl keiner »PopStroke« kopieren, aber eine durchdachte Adventuregolf-Anlage ist durchaus die Überlegung wert. Und falls es Bedenken bezüglich des hiesigen Wetters gibt: »30 Minuten nach einem Gewitter sind unsere Anlagen wieder trocken und bespielbar«, lacht Wienl von »City Golf Europe«.

Adventure Golf:
citygolfeurope.de
golfprojekt.com

Schwarzlichtanlagen:
blacklite-arena.com
glowingrooms.com

London:
playbirdies.com
swingers.club
puttshack.com

USA:
topgolf.com
popstroke.com

ERSCHIENEN IN

Falstaff Profi Magazin 02/2021
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