Michael Urbans deutsch-französisches »La Bohème«

Schwabinger Bohéme eingebettet in stimmiges Interior Design.

© CHRISTIAN HACKER FÜR LANDAU + KINDELBACH AUS »GASTRÄUME«, VERLAG DFV MEDIENGRUPPE

Schwabinger Bohéme eingebettet in stimmiges Interior Design.

© CHRISTIAN HACKER FÜR LANDAU + KINDELBACH AUS »GASTRÄUME«, VERLAG DFV MEDIENGRUPPE

Die Gastronomie soll konsequent ihre Gäste in einem hohen Maß verwöhnen und sie mit neuen Kreationen und Produkten überraschen. Damit dieses Vorhaben gelingt, müssen Gastronomen stetig auf der Suche nach Neuem sein und müssen den nicht unwesentlichen Faktor des Innendesigns beachten. Vor diesem Hintergrund darf nicht vergessen werden, dass die Bedürfnisbefriedigung der Gäste an erster Stelle stehen muss. Was es heißt, eine Gastronomie erfolgreich zu führen, weiß Michael Urban seit seiner Kindheit. Seine Familie betreibt den legendären Klostergasthof in Andechs. Deshalb wollte Michael Urban, professioneller Bartender, Koch und Bachelor der Betriebswirtschaft, selbst nie ein eigenes Restaurant. Doch dann ging er mit Trendscout Pierre Nierhaus auf Studienreise nach Tokio. Seine Reisegefährten: Investoren, Vermieter, Architekten. Ein Vermieter hatte die geeignete Location im Repertoire – in einem Areal, das durch den Abriss von Metro und »Holiday Inn« im Norden Münchens neu erschlossen wurde, Straßenbahnstelle und Märkte direkt vor der Haustür.

Das Frankfurter Architekturbüro GKAD übersetzte Urbans Grundidee der Schwabinger Bohéme in ein stimmiges Interior Design. Und Urban warf neben seinem Masterstudium auch seine Vorbehalte gegenüber einem eigenen Lokal über Bord. Das Restaurant versteht sich als moderne Wiedergeburt einer faszinierenden Zeit, geprägt von intellektuellem Anspruch und Provokation. Moderne Kunst und hochwertiges Handwerk verdichtete GKAD zu einem inspirierenden Ambiente. Urban beobachtet bei seinen Gästen Präferenzen bei der Platzwahl: Introvertierte sitzen gerne zwei Stufen erhöht in einer Nische auf Beobachtungs-posten, die Backsteinmauer schützend im Rücken. Die rot-goldenen Muscheln, erhöht auf einem Podium, erweisen sich als ideale Bühne für Extrovertierte, die sehen und gesehen werden wollen. Die Fensterplätze gewähren freie Sicht auf das bunte Treiben draußen. Je nach Bedarf kann das Mobiliar als lange Tafel oder in Einzeltischen arrangiert werden. Entsprechend flexibel lässt sich auch das Lichtsystem mit Pendellampen per Schwenkkran auf die unterschiedlichen Bedürfnisse anpassen.

Die Fensterplätze lassen den Blick gerne nach draußen schweifen.
Die Fensterplätze lassen den Blick gerne nach draußen schweifen.

© CHRISTIAN HACKER FÜR LANDAU + KINDELBACH AUS »GASTRÄUME«, VERLAG DFV MEDIENGRUPPE

»Unser Arbeitstitel für das Konzept war ›zweite Heimat‹. Daraus wurde ein Restaurant mit Wohnzimmercharakter mit jeder Menge Stilbrüchen.«
Michael Urban UFR-Gastronomy GmbH

Für so manchen Gast ist das u-förmige Chesterfield-Sofa in der Lounge zum absoluten Lieblingsplatz geworden. Holz und Rohbeton bilden einen spannungsreichen Kontrast, der durch Leder, Kupfer und Spiegel aufgelockert wird. Überall kommen hochwertige Naturmaterialien zum Einsatz. In das Wasserbüffelleder, mit dem die Tische überzogen sind, dürfen Gäste gerne mit dem Fingernagel ihre Botschaften einritzen, denn Patina ist erwünscht – auch bei der Kupferummantelung der Rondelle, die dadurch lebendiger wirkt. Mit wenigen Ausnahmen, wie beispielweise den türkisen Kenneth-Cobonpue-Stühlen, wurden alle Möbel extra konzipiert. Eine Spezialanfertigung sind auch die Tischplatten, die bei Bedarf aus der Barabdeckung ausgeklappt werden. Immer wieder kommt es zu Stilbrüchen im Design, in Form der extravaganten Leuchten und Luster, der diabolisch dreinblickenden Dame hinter der Bar oder der Aufforderung »Vote against prohibition« auf der Backsteinwand. Mit gekonnter Lässigkeit wird im »La Bohéme« deutsch-französische Küche im Stil einer Brasserie als Ganztageskonzept serviert – auf eigens von Bauscher entwickelten Tellern, die aussehen wie Schallplatten oder mit philosophischen Weisheiten überraschen. Ganz so, wie es den Bedürfnissen moderner Lebenskünstler entspricht.  

Artikel aus Falstaff Karriere 04/2018.

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