Der Aston Martin DBS spielte in »Casino ­Royale« eine Hauptrolle / Foto: © Aston Martin

Die Vorstellung von einem Aston Martin ist so einseitig wie der Filmheld, der sie ­geprägt hat: ausfahrbarer kugelsicherer Schutzschild hinter der Heckscheibe, eis­gekühlter Champagner und Gläser in der Heckablage. Ein Schleudersitz für den Bösewicht, Liegesitz für die Beifahrerin – und das alles im Aston Martin DB5 von Sean Connery alias James Bond. Außerdem mit dabei: eine medizinische Analysestation mit Rückholmechanismus ins Leben im Beifahrerfach. Wenige Filmkilometer später erfolgt die Verschrottung des Wagens, um das ­Leben der Liebe des Fahrers zu retten – diesmal Daniel Craig als James Bond im ­Remake von »Casino Royale«.

Bewunderung
Ziemlich viel filmischer Wind also für ein millionenteures Wegwerfauto, das nie so wirklich in die Liga von Porsche, Ferrari, Lamborghini oder Jaguar vorstoßen konnte. Vielleicht ist es aber genau das, was die Marke Aston Martin umso zeitgemäßer macht: »Ein Aston Martin verursacht keinen Neid, sondern Bewunderung«, sagt Ulrich Bez, Chef von Aston Martin. Seine Aussage klingt in Anbetracht dessen, was James Bond mit dem Auto anstellt, wie ein trockener britischer Witz, der uns weder schüttelt noch rührt. Aber schließlich ist
Ulrich Bez jemand, der alles über die Marke wissen müsste. Und er hat natürlich recht: Die Autos sehen hochwertig aus, wirken aber trotzdem zurückhaltend genug, um nicht allzu viel Neid auszulösen. Sie sind unaufdringlich, aber erstklassig, es gilt: Dezenz statt optischer Prahlerei.

Schnelligkeit schafft Vorsprung
Im Vergleich mit dem Jaguar E Type schneidet Aston Martin gut ab. Denn während man Letzteren mit Schleudersitzen verbindet, erinnert man sich beim Jaguar stets an die Lucas-Lichtmaschine, die des Öfteren bei Tempo 200 auf der Autobahn ausfiel. Auch beim Rennen um die weltweite Aufmerksamkeit war Aston Martin in einem entscheiden­den Punkt besser: Die Produzen­ten der James-Bond-Filme wollten damals eigentlich einen Jaguar als standes­gemäßen Wagen für den Agenten »im Geheimdienst Ihrer Majestät«. Aber die Verantwortlichen bei Jaguar waren zu träge, wollten sich nicht so rasch festlegen – da war Aston Martin schneller.

Vom »Kohlenkasten« zum Rennwagen
Aston Martin fährt mit der Zeit, ein Fahrer dieses Wagens hat dem Klischee nach Stil und Kraft und ist von der unaufgeregten und souveränen Sorte. Wie James Bond eben. Vielleicht kann man die Abgeklärtheit der Marke besser verstehen, wenn man weiß, wie sie entstand. Rückblick ins Jahr 1915: Der erste Aston Martin rollt aus einer kleinen, tristen Hinterhofgarage im Londoner Stadtteil Kensington. Es ist keine wahre Schönheit, dieses Einzelstück mit dem Spitznamen Coal Scuttle (Kohlenkasten). Erst 1920 entsteht ein zweiter Prototyp, doch zu diesem Zeitpunkt hat der Konstrukteur und Mitbegründer der Marke, Robert Bamford, das Unternehmen schon wieder verlassen. Seinem Kompagnon, dem Autohändler Lionel Martin, ist schließlich der Name der Marke zu verdanken – er gewann sein erstes Rennen auf der Strecke von Aston Clinton.

Die Geburt der Marke erfolgt also unter schweren Wehen, und die Nachfrage ist anfangs gering: Bis 1925 werden auf Bestellung nur rund 60 Fahrzeuge gefertigt – zu wenig, um überleben zu können. Also verkauft Lionel Martin das Unternehmen an Lord Charnwood, der seinerseits bereits mit diversen Rennautos Furore gemacht hatte. Doch schon 1932 steht der nächste Eigentümerwechsel an. Die Motoren werden weiterentwickelt, die Modelle langsam auch verkehrstauglich. Gordon Sutherland gelingt es als ers­tem Firmenchef, das typische Rennauto von der Piste auf die Straße zu bringen.

 

© Aston Martin
© Aston Martin

Durchbruch mit SportwagenDen endgültigen Durchbruch schafft Aston Martin nach dem Zweiten Weltkrieg – mit dem Sportwagen DB2. Die Initialen stehen für den neuen Eigner David Brown, der auch Lagonda übernommen hat. Der 2,5-Liter-Sechszylinder des DB2 stammt übrigens von W. O. Bentley. Die vom Österreicher Eberan von Eberhorst 1951 konstruierte Rennver­sion heißt DB3. Und es ist eine Fußnote der Geschichte, dass der Aston Martin Rapide zu Beginn 2008 im Magna-Werk in Steyr gefertigt wurde.FilmlegendeMitte der 50er-Jahre bleiben die Renn­erfolge wegen der starken Konkurrenz aus, doch Aston Martin erholt sich und gewinnt 1959 die Markenweltmeisterschaft, womit der Konzern vor allem sein Image aufpolieren kann. Vier Jahre später kommt der DB5 auf den Markt. Dieses Modell wird schließlich vom Agenten in den zwei James-Bond-Filmen »Goldfinger« und »Thunderball« gefahren – damit ist die Filmlegende geboren. EigentümerwechselDoch trotz dieser Erfolge kann sich Aston Martin nicht über Verluste hinwegretten, und so verkauft Brown das Unternehmen 1972 an einen Zusammenschluss von Geschäftsmännern aus Birmingham, bleibt jedoch im Vorstand des Unternehmens. Die neuen ­Eigentümer schaffen es aber weiterhin nicht, schwarze Zahlen zu schreiben, also werfen auch die Briten wenige Jahre später das Hand­tuch. Zwei reiche Amerikaner übernehmen den Betrieb und bringen die kantige, von William Lyons gezeichnete Lagonda-Limousine auf die Straße. 1981 übernimmt schließlich der im Ölgeschäft tätige Victor Gauntlett das Steuer, vier Jahre später kommt der griechische Reeder Peter Livanos mit an Bord. Erst 1987 kehrt die Marke unter der Ägide von Ford zurück in ruhigeres und konstantes Fahrwasser – obwohl das Unternehmen immer noch ein Sanierungsfall ist. Kurz vor ­David Browns Tod, bis dahin noch im Vorstand, kommt 1993 schließlich der DB7 auf den Markt – dieser mausert sich zum bis dahin erfolgreichsten Modell von Aston Martin.AufschwungUm die Unabhängigkeit vom Massenhersteller Ford zu gewährleisten und damit die Nobelmarke zu erhalten, bemüht sich der ­britische Rallye-Weltmeister und Sportwagen­enthusiast David Richards schließlich um ­finanzkräftige Partner. Er kann sich die Unter­stützung von Geldgebern aus dem ­Nahen Osten sichern, darunter die in Kuwait ansässigen Firmen Investment Dar und ­Adeem ­Investment sowie das zur ägyptischen Inves­titionsbank gehörende Unternehmen Naeem Capital. 2007 ist es dann so weit: Ford verkündet die Trennung von der Mehrheit der Anteile an Aston Martin. Der seit 2000 als CEO für das nun von Ford wieder unabhängige Unternehmen tätige frühere BMW- und Porsche-Manager Ulrich Bez bleibt – die Marke läuft weiterhin so ruhig wie ein Zwölfzylinder.Bestes Beispiel dafür ist der neue Vantage V12, quasi der schwarze Golf GTI unter den Supersportlern. Der unschuldige, nahezu friedvolle »Blick« des kleineren Bruders V8 wird nur durch Karbonlüftungsschlitze auf der Motorhaube gestört. Letztere dürften dringend notwendig geworden sein, denn der Einbau des Sechs-Liter-V12 aus dem DBS ist Millimeterarbeit. Ein Blick unter die Motorhaube vermittelt jedenfalls das Gefühl, dass der ­Deckel nie wieder zugeht.»Cayenne-Killer« und schnittige KleinstwagenAston Martin ist ein Name, der sich seinen guten Klang stets aus dem Motorraum und weniger aus dem Cockpit der Eigentümer ­heraus er­obert hat. Zumindest der aktuelle Aston-Martin-Chef könnte das erstmals umdrehen. Denn Manager Ulrich Bez ist mit ­allen Schikanen des Luxusautogeschäfts vertraut, sein Vertrag wurde vor Kurzem bis 2017 verlängert. In dieser Zeit hat der Deutsche mit Aston Martin noch viel vor: Sein Lieblingsprojekt ist die Auferstehung der Lagondas als SUV, einer Modellreihe, die imagetechnisch oberhalb des Porsche Cayenne angesiedelt wäre. Für die Entwicklung dieses Cayenne-Killers bräuchte Aston Martin natürlich Geld. Das sollte laut Plan schon heuer von der Börse kommen – aber davon ist angesichts der schleudernden Wirtschaft in Europa noch nichts zu sehen. Die Krise verlangt Downsizing.Und das bekommt man, indem man etwa nicht einen klassischen DB5, einen Vantage V12 oder einen Vanquish wählt. Denn die Qualität von Aston Martin bekommt man auch mit einem Cygnet. Diesen schnittigen Kleinstwagen der Nobelmarke könnte man auch als einen auf Luxus getrimmten Toyota iQ bezeichnen. Denn der Cygnet bedient sich zwar der Karosserie des iQ, aber ansonsten ist das Auto ein echter Aston Martin, maßgeschneidert für die Stadt. Wie auch seine gro­ßen Brüder wird der Cygnet aus Materialien höchster Qualität und mit großer Liebe zum Detail maß- und hand­gefertigt und ist somit eine exklusive Luxuslösung für Städter. __________________________________________________________________Aston Martin in WienIn Österreich gibt es seit 2011 eine neue Aston-Martin-Vertretung. British Luxury Cars ist hierzulande der offizielle Händler der Marke, im Vorjahr wurde eine Geschäftsstelle in Wien-Landstraße eröffnet. Showroom, Werkstatt und weitere Bereiche erstrecken sich über rund 3000 Quadratmeter und machen Aston Martin Wien damit zum flächenmäßig größten Händlerstandort in Europa. Geschäftsführerin Anja Frey-Winkelbauer bringt es auf den Punkt: »Power, Beauty und Soul sind die drei Zauberworte, die die Vorzüge eines Aston Martin bestens umschreiben. Er vereint Sportlichkeit mit Handwerkskunst und glänzt durch Eleganz, die sich von ­allen modischen Strömungen abhebt, aber auch durch neueste Technik und atemberaubendes Design immer am Puls der Zeit liegt.«

Aston Martin Pressekonferens © Aston Martin
Aston Martin Pressekonferens © Aston Martin

Eröffnung der Aston-Martin-Repräsentanz in Wien: Ulrich Bez, CEO Aston Martin Lagonda Ltd., Anja Frey-Winkelbauer, Friedrich Frey senior und junior (v. l.)Text von Thomas MartinekAus Falstaff Nr. 07/2012

 

 

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