Maximilian Riedel denkt an ein eigenes Weingut

Maximilian Riedel in der Präsidentensuite des »The Ritz-Carlton, Vienna«.

© Falstaff/Dopplinger

Maximilian Riedel in der Präsidentensuite des »The Ritz-Carlton, Vienna«.

© Falstaff/Dopplinger

Maximilian J. Riedel führt das international erfolgreiche Glas-Imperium bereits in elfter Generation. Schon im Alter von zwölf Jahren erlernte Maximilian J. Riedel das Handwerk von seinem Vater, Georg J. Riedel. 2013 übernahm er die Geschäftsführung der »Tiroler Glashütte« und wenig später wurde er CEO der »Riedel Crystal of America«. Unter seiner Führung entwickelte sich der Betrieb prachtvoll. Heute zählt Riedel zu den absoluten Weltmarktführern bei der Produktion von funktionalen Gläsern. Nebenbei betätigt sich Maximilian J. Riedel auch als Designer für das Unternehmen und gewann etliche internationale Preise.

Falstaff traf den Glas-Avantgardisten am 17. April im »The Ritz Carlton« Hotel Vienna zum Interview.

Falstaff: Für die Sorten Sauvignon Blanc und Grüner Veltliner wurden gemeinsam mit Winzern und Experten neue Gläser entwickelt. Welche Innovationen sind als nächstes geplant?
Maximilian Riedel:
Wir arbeiten permanent an neuen Gläsern. Ebenso wie sich die Weine – beispielsweise durch den Klimawandel – verändern, müssen sich auch die Gläser entwickeln. Es hat uns überrascht und frustriert, dass moderne Grüne Veltliner in Chardonnay Gläsern ausgeschenkt wurden und nicht in unseren Spezial-Gläsern. Bei der Entwicklung von neuen Gläsern arbeiten wir immer mit Winzern zusammen. Mit manchen schon seit Jahrzehnten, wie mit Angelo Gaja, der das Pinot Noir-Glas, das ebenso gut für Nebbilo geeignet ist, mitentwickelt hat. Die Familie Gaja ist die erste unserer Referenzen.
Wir haben auch das Dom Pérignon-Glas entwickelt, ebenso ein exklusives Glas für Gallo und auch für die Türkei, die für eine autochthone Rebsorte ein eigenes Glas brauchte. Vor kurzem erst haben wir mit führenden Winzern ein Kalterer See-Glas entworfen.

Maximilian Riedel im Interview

© Falstaff/Dopplinger

Welche Kombination aus Glas und Wein kommt bei Ihren Workshops am besten an?
Jede Kombination muss jederzeit überzeugen. Riedel ist eine Referenz für alle Kollegen und wir wären die ersten, die Kritik üben, wenn ein Glas nicht gut performt. Wir sind so eng mit Wein verbunden wie keine anderen Hersteller. Vielleicht machen wir sogar selbst mal Wein? In Italien gibt es einige verlockende Optionen.

Ihr Zugang zum Thema Wein ist fast wissenschaftlich, was tut Ihnen im Zusammenhang mit Glaskultur besonders weh?
Vater und Großvater haben auf ihren Reisen immer ihre eigenen Gläser mitgenommen, damit sie nicht aus ungeeigneten Gläsern trinken müssen. Ich mache das nicht, weil ich darauf hoffe, dass Riedel-Gläser verfügbar sind. Aber wenn mir ein guter Wein durch ein Konkurrenzglas verleidet wird, dann überlege ich mir, ob ich eine zweite Flasche bestellen soll.

Es gibt noch einige Länder, wie beispielsweise Italien, die hinsichtlich Glas-Kultur noch regelrechte Entwicklungsländer sind. Haben Sie dafür eine Strategie?
Italien hat viel Tradition in der Glas-Herstellung, aber bei Weingläsern ist das leider noch nicht angekommen. Die Leute sind noch nicht aufgeweckt worden. Die junge Garde der Gaja-Familie, allen voran Gaia Gaja, vertritt Riedel in Italien – da wird sich noch viel bewegen.

© Falstaff/Dopplinger

Sie kommen gerade von der Vinexpo – welche Trends bzw. Bedürfnisse konnten Sie orten?
Es wird viel über neue Weinländer wie Schweden oder China gesprochen. Unser Stand war auch schon in den vergangenen Jahren von Chinesen überlaufen, jetzt sind das aber alles Château-Eigentümer! Wir haben übrigens ein Glas für Ao-Yun entwickelt, hier wird Wein auf fast 3.000 Metern Seehöhe an einem Himalaya-Ausläufer angebaut.

Urban Gardening scheint ein weltweiter Trend zu sein, immer öfter wird auch Wein auf Dächern angebaut, die Rooftop Reds in New York beispielsweise. Wir ernst nehmen Sie das?
Mir ist viel lieber, wenn Wein auf Dächern angebaut wird und nicht Marihuana wie das in vielen Städten der USA schon der Fall ist. Das ist ein extrem starker Trend, der auch bei uns noch viel massiver werden wird. Ich glaube, dass auch in Österreich Marihuana früher oder später legalisiert werden wird, der wirtschaftliche Druck ist enorm. Im Napa Valley werden schon Reben ausgerissen, um Hanf anzupflanzen!

Maximilian Riedel mit einem seiner Lieblings-Dekanter
Maximilian Riedel mit einem seiner Lieblings-Dekanter

© Falstaff/Dopplinger

Ich habe den Eindruck dass in der Gastronomie weniger dekantiert wird. Konnten Sie das auch beobachten?
Nein, im Gegenteil, ich sehe immer mehr Dekanter. Gastronomen haben verstanden, dass Dekantieren auch Entertainment bietet. Besonders mit unseren auffälligen Dekantern kann man einen Wow-Effekt erzeugen und das Service aufjazzen.

Sie haben eine edle Glas-Serie für Cocktail-Bars entwickelt. Welche Trends sehen Sie und wie kommt sie an?
»Brown Spirits« (Anm.: Fassgelagerte Spirituosen wie Rum, Cognac oder Whisky) sind ganz stark im Kommen. Dafür haben wir schöne Gläser entwickelt, das passt auch gut zu unserer Kernphilosophie. Beim Wein haben wir ja schon Probleme mit Cuvées, da wir immer eine dominierende Rebsorte herausfinden müssen, um das richtige Glas zu empfehlen. Bislang fokussierten wir uns bei Spirituosen also auf neat (Anm.: pur) Konsum. Dann kam die Herausforderung mit der vielschichtigen Cocktailwelt. Wir haben eine Kollektion mit sechs Gläsern erstellt, mit der wir 7000 verschiedene Cocktails anbieten können!

www.riedel.com 

»Die Familie Riedel steht für Wein-Liebe, Ehre, Loyalität den Winzern gegenüber und perfekte Technik.«
Maximilian Riedel

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