Goldbraun, saftig mit herrlich knuspriger Haut in Begleitung von flaumigen Knödeln und frischem Rotkraut – so kennen und lieben wir das klassische Martinigansl. Und weil es sich dabei um eine östereichische Tradition in kulinarischem Sinne handelt, setzen viele Genießer voraus, dass auch das Grundprodukt – also die Gans – aus Österreich kommt. Tatsächlich stammen aber nur 26 Prozent der in bei uns verzehrten Gänse tatsächlich auch aus Österreich. Den heimischen Bestand schätzt Michael Wurzer, Geschäftsführer der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG), auf 30.000 Tiere – Tendenz steigend.

Strenger gesetzlicher Rahmen
Während die Gänsezucht in Österreich streng reglementiert ist, nimmt man es in den Hauptimportländern wie Ungarn oder Polen nicht so genau mit der artgerechten Haltung bzw. Aufzucht. »Für die Weidegans gibt es in Österreich hervorragende Produktionsbedingungen«, so Wurzer. Es dürfen maximal 100 Gänse pro Hektar gehalten werden, die Zufütterung von Getreide ist gesetzlich eingeschränkt. Zudem müssen die Bauern den Tieren laut Tierschutzgesetz eine »Bade- und Duschmöglichkeit« bereitstellen. Die Gänse werden in Österreich meist in kleinen Betrieben im Nebenerwerb gezüchtet, im Gegensatz dazu stehen die großen Zuchtbetriebe im Ausland.

Dem Tierleid entgegenwirken
Für eine Verbesserung der Bedingungen der Import-Gänse engagiert sich die österreichsiche Tierschutzorganisation Vier Pfoten. »Es ist unser Ziel, bei aus dem Ausland eingeführten, oft preislich wesentlich günstigeren Produkten ebenfalls  zu garantieren und zu kontrollieren, dass tierquälerische Produktionsmethoden, die bei uns in Österreich verboten sind, nicht angewandt werden«, so Elisabeth Penz, Pressesprecherin der Vier Pfoten. Spezialisiert habe man sich dabei auf Polen und Ungarn, wo der Lebendrupf von Gänsen erlaubt ist. In Ungarn ist zudem die Stopfmast erlaubt. Die Vier Pfoten publizieren eine Positiv-Liste, die regelmäßig aktualisiert wird und auf der eingesehen werden kann, welcher Betrieb auf tierquälerische Methoden verzichtet. Die Firmen werden unangemeldet und unabhängig kontrolliert und verzichten neben der Stopfleberproduktion und den Lebendrupf auch auf Käfighaltung. Sichergestellt wird laut Vier Pfoten auch, dass die Tiere ausreichend Platz haben – es muss verschiedene Bereiche zur Nahrungsaufnahme, zum Rasten und für die Körpferpflege geben. Bezüglich Fütterung gibt es allerdings nur Empfehlungen und keine Vorschriften.

Rund um Martini und Weihnachten hat das Gansl Hochsaison / © Thomas Schauer
Rund um Martini und Weihnachten hat das Gansl Hochsaison / © Thomas Schauer

Rund um Martini und Weihnachten hat das Gansl Hochsaison / © Thomas Schauer

Preisunterschiede
Österreichische Unternehmen wie REWE, Spar, Hofer, Zielpunkt, Metro und Lidl berücksichtigen die Positiv-Liste der Vier Pfoten beim Einkauf der Gänse (Tiefkühl-Ware). Und auch Gastronomen weisen ihre Gänse auf Speisekarten mit dem Zusatz »Vier Pfoten« aus. In manchen Fällen wird allerdings das Herkunftsland verschwiegen, sodass der Kunde möglicherweise in dem Glauben gelassen werden könnte, die Gans sei aus Österreich. Die Letztverantwortung liegt also nach wie vor beim Endverbraucher. Dieser sollte sich genau informieren, Etiketten studieren und nicht immer das kostengünstigste Angebot wählen, wenn er Wert auf beste Qualität legt. Tatsächlich ist es so, dass Gänse etwa aus Ungarn mit einem Kilopreis von 4,50 Euro wesentlich billiger sind als heimische Gänse, die pro Kilo zwischen acht und zehn Euro kosten.

Potenzial wird nicht ausgeschöpft
»Aus Sicht der österreichischen Geflügelwirtschaft ist eine Zertifizierung bzw. Kennzeichnung wie sie die Organisation Vier Pfoten durchführt eher störend«, kommentiert Michael Wurzer die Entwicklung. Vor allem, dass Haltung und Fütterung nicht umfangreich geregelt seien, wird kritisiert. Auch das Argument, dass österreichische Gänse Mangelware wären, lässt Wurzer nicht gelten. Der Experte betont, dass das Potenzial in Österreich nicht voll ausgeschöpft werde. Im vergangenen Jahr mussten viele Bauern ihre Gänse einfrieren, da die frischen Produkte keinen Absatz fanden – finanzielle Einbußen inklusive.

Kaum Enten aus Österreich
Noch dramatischer als bei den Gänsen sei die Situation allerdings bei Enten, schildert Michael Wurzer. Hier werden nur zwei (!) Prozent des Bedarfs durch Selbstversorgung aus Österreich gedeckt. In den Ländern aus denen die restlichen 98 Prozent importiert werden, herrschen oft schreckliche Bedingungen für die Tiere, etwa Indoor-Massentierhaltung auf engstem Raum. Hier seien für die Zukunft Maßnahmen der heimischen Geflügewirtschaft geplant.

Zuverlässig: das AMA-Bio-Siegel und das Label »Österreichische Weidegans«/ Logos beigestellt
Zuverlässig: das AMA-Bio-Siegel und das Label »Österreichische Weidegans«/ Logos beigestellt

Top-Qualität, die schmeckt        
Zurück zu den Gänsen, die – wie bereits erwähnt – in Österreich in hervorragender Qualität gezüchtet werden. Federführend hinsichtlich der Qualitätsbestrebungen ist einerseits die bereits 1992 gegründete Organisation »Österreichische Weidegans« und andererseits die AMA, die sich auch im Bio-Gänse-Sektor mit ihrem Bio-Siegel engagiert.

Die Haltungsbedingungen von österreichischen Gänsen gehen über die Mindestanforderungen der Vier Pfoten hinaus, was diese sehr begrüßen. Das Label »Österreichische Weidegans« wird sogar explizit von den Vier Pfoten empfohlen. Kulinarischer Patriotismus ist also im Fall der Martinigans durchaus angebracht – dann kann man sich das Gansl auch mit garantiert gutem Gewissen schmecken lassen.


www.bioinfo.at

www.weidegans.at

www.vier-pfoten.at


(von Marion Topitschnig und Bernhard Degen)

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