Markus Molitors Pinot Noir Brauneburg Klostergarten
Markus Molitors Pinot Noir Brauneburg Klostergarten/Foto: Scheuermann

Falstaff ist Partner der Austragung des deutschen Spätburgunderpreises (Spätburgunder = Pinot Noir) und berichtet wöchentlich von den Regionalwertungen, diesmal mit den Ergebnissen von der Mosel. Die Mosel ist neben dem Rheingau und der pfälzischen Mittelhaardt die Hochburg des klassischen deutschen Rieslings. Das war nicht immer so: Im 19. Jahrhundert wurde entlang des Flusses ein kunterbunter Mischsatz mit einigen roten Sorten angebaut. Riesling war die absolute Ausnahme, galt nur in den allerbesten Lagen als Erfolg versprechend. Mancherorts genossen die roten Mosel-Weine auch einen höheren Rang als die weißen. Möglicherweise wird es auch in Zukunft irgendwann mal wieder so sein, wenn sich nämlich die klimatischen Bedingungen weiter derart ändern, wie in den zurückliegenden drei Jahrzehnten. Heute mag kaum ein Winzer an der Mosel mehr auf Rotwein verzichten.

Seit den 1980er Jahren kann man eine stete Rückkehr der roten Sorten beobachten. 1990 waren gerade mal 0,5 Prozent der Rebfläche mit roten Sorten bestockt. Inzwischen sind es 828 Hektar, etwa neun Prozent der Anbaufläche. Angesichts der hohen Nachfrage nach Rotwein in den vergangenen Jahren haben viele Güter ihr Sortiment entsprechend ergänzt. Es gibt bereits weit über hundert Betriebe, die Spätburgunder erzeugen. Mit 359 Hektar ist der Spätburgunder hinter Kerner (377 ha) und Elbling (567 ha) bereits die Nummer fünf. An der Spitze liegen unangefochten Riesling und Müller-Thurgau.

Einer der Pioniere des modernen Rotweinanbaus an der Mosel ist Markus Molitor in Bernkastel Wehlen, der bereits vor über 20 Jahren begann, Spätburgunder in besten Lagen in  Graach, Brauneberg und Traben-Trarbach anzupflanzen. Heute hat er etwa drei Hektar im Ertrag und will diese Fläche mittelfristig auf rund fünf Hektar erweitern. Neben seinen streng limitierten Spitzengewächsen »Himmelreich« und »Klostergarten«, mit denen er beim diesjährigen Regionalentscheid für den Deutschen Spätburgunderpreis Platz eins und Platz zwei belegte, produziert er inzwischen auch einen »Basis Pinot Noir« mit über 12.000 Flaschen aus eigenem Lesegut und Trauben, die er von Vertragswinzern zukauft.

Im Keller ist Molitor ein Traditionalist: Die Weintrauben werden entrappt, der Most wird mit sechs wöchiger Maischestandzeit spontan vergoren und der Maischehut nur mit der Hand vorsichtig untergetaucht. Abgepresst wird der junge Wein unter dem sanften Druck einer Korbpresse. Nach 17-monatigem Ausbau in neuen französischen Eichen-Barriques wird er ohne Schönung unfiltriert gefüllt.

Der Siegerwein
Brauneberg Klostergarten Spätburgunder *** 2007
Weingut Markus Molitor, Bernkastel-Wehlen, Mosel
Preis: 65 Euro, nur limitierte Abgabe
Erscheinungstermin: September 2010
Degustationsnotiz von Mario Scheuermann: Sehr dunkles, tiefes rubinviolett. In der Nase zunächst sehr verhalten, öffnete sich nur zögernd, zeigte dann das Aroma von dunklen Beeren mit schwarzen Cassisnoten sowie eine feine, rauchige Würze, Am Gaumen saftig, aber gebändigt durch eine makellose Tanninstruktur. Vornehme Eleganz mit einer kühlen Aromatik. Ein Wein mit viel Zukunft!
www.markusmolitor.com

Franco Bianca vom Hamburger Restaurant »San Michele« kreiert für jeden Regionalsieger ein eigenes Gericht. Für den Mosel-Sieger ist es ein St. Pierre auf Caponatina und dazu ein leicht süßsäuerliches Schmorgemüse. Die Wahl fiel auf dieses Fischgericht, weil der Klostergarten *** 2007 von Markus Molitor zum einen ein Wein von kühler Eleganz ist und zum anderen die geschmackliche Provokation durch die Caponatina braucht, um seine Süße zu entfalten. Die Caponatina ist die sizilianische Variante der südfranzösichen Ratatouille. Dafür werden  Staudensellerie, Paprika, Auberginen,  Karotten und Zucchini grob gewürfelt, zusammen mit Zwiebel, Knoblauch, Oliven und Kapern in Olivenöl geschmort und mit Pfeffer, Salz, Essig und etwas Zucker abgeschmeckt. Man kann sie – wie es die Sizilianer tun – kalt als Vorspeise essen oder als warme Beilage etwa zu einem Fisch servieren – in diesem Fall zu einem Filet vom St. Pierre, das leicht mehliert in Olivenöl gebraten und dann in etwas Zitronenvinaigrette geschwenkt wurde.

 

St. Petersfisch / Foto: Scheuermann
St. Petersfisch / Foto: Scheuermann

 


Die weiteren Bestplatzierten der Regionalentscheidung Mosel/Saar

Platz 2:
2007 Graach Himmelreich Spätburgunder ***
Weingut Markus Molitor

Platz 3:
2007 Spätburgunder No. 1
Weingut Lehnert Veit, Piesport
www.weingut-lv.net

Platz 4:
2007 Graach Himmelreich Spätburgunder Auslese trocken
Weingut Günther Steinmetz, Brauneberg
www.weingut-guenther-steinmetz.de

Platz 5:
2007 Spätburgunder No. 1
Weingut Später-Veit, Piesport.
www.spaeter-veit.com

2007 Spätburgunder Reserve
Weingut Lehnert Veit, Piesport

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