Maria Groß und das Lebensgefühl

Nicht nur in der Küche macht Groß eine gute Figur, auch am Grill zeigt sie ihr Können.

© Adrian Liebau / Gastrobild

Nicht nur in der Küche macht Groß eine gute Figur, auch am Grill zeigt sie ihr Können.

Nicht nur in der Küche macht Groß eine gute Figur, auch am Grill zeigt sie ihr Können.

© Adrian Liebau / Gastrobild

Mit 40 Jahren hat Maria Groß viel erreicht: 2013 erkochte sie ihren ersten Guide Michelin-Stern im Gourmetrestaurant »Clara« und wurde damit zu Deutschlands jüngster Sterneköchin. Die aus Straußfurt stammende Köchin wirkte in TV-Formaten wie »The Taste«, »Kitchen Impossible«, »Grill den Profi« und »Grill den Henssler« mit. Sie schrieb ein Kochbuch »Maria – Gerne ohne Sterne« und baute das Label »Maria Ostzone« auf. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten ­Matthias Steube führt sie seit 2015 das Restaurant »Bachstelze« im Erfurter Stadtteil Bischleben unter ihrem Label.

PROFI: Liebe Maria, du bist mit jedem per Du. Per Sie gibt es bei dir und in der »Bachstelze« nicht. Du lebst eine legere Gemütlichkeit, das ist Bestandteil deines Konzepts.
Maria Groß: Ich begegne Menschen auf Augenhöhe, ganz gleich, wer es ist. Ob es der Spüler in der Küche oder der zahlende Gast ist. Das versteht manchmal nicht jeder, aber nach fünf Jahren ist unsere Art und unser Konzept bereits ganz gut bekannt. Ein großer Teil unserer Gäste sind Stammgäste, die ­wissen, wie wir ticken.

Du hast erst Mitte 20 eine Kochlehre nach einem Philosophie- und Germanistik-Studium begonnen. Wie kam es dazu?
Ich stamme aus einfachen Verhältnissen. Ich wollte immer Großes erreichen und hatte die Vorstellung, umso gebildeter ich bin, umso mehr kann ich erreichen und die Welt mitgestalten. Ich habe für ein Ehepaar im Haushalt gejobbt und auch für sie gekocht. Da merkte ich, dass mich kochen nicht stresst und ich ein Talent dafür habe. Ich habe eine Balance gespürt, die ich beim Studieren nicht kannte.

Groß gönnt sich die Freiheit und macht nur das, worauf sie Lust hat.

Groß gönnt sich die Freiheit und macht nur das, worauf sie Lust hat.

© Adrian Liebau / Gastrobild

Bereust du einen Schritt in deiner Karriere?
Dazu bin ich nicht der Typ. Das Leben hat das aus mir gemacht.
 
Wie können wir uns dein Konzept vorstellen?
Im Grunde haben wir fast konzeptlos gestartet, aufgrund des Mitarbeitermangels. Wir leben eine schlichte Einfachheit, die davon lebt, authentische Gastgeber zu haben, ohne Etikette. Die Produkte haben sich nicht geändert vom Sterne-Niveau her. Aber inhaltlich hat sich alles verändert. Es hat sich herumgesprochen, dass wir radikal einfach sind. Ohne Schickimicki. Wir haben konservative Werte, wir kochen Essen, das man sieht und schmeckt, ohne Effekte. Wir wollten und haben ein Gasthaus, das für jeden offen und erschwinglich ist.

Grillen & BBQ nehmen viel Raum bei euch ein.
Das Archaische steckt in jedem. Die Live-Show mit Feuer ist eine Art subversiver Manipulation. Wir treffen den Zeitgeist, wir stellen das unkomplizierte Leben in den Mittelpunkt. Alle Gäste kommen zur selben Zeit, es gibt nur ein Menü für alle.

In ihrem eigenen Restaurant »Bachstelze« vermittelt Maria Groß Lebensgefühl.

In ihrem eigenen Restaurant »Bachstelze« vermittelt Maria Groß Lebensgefühl.

© Guido Werner

Wie ist es um Sonderwünsche wie vegan/vegetarisch und um Allergien bestellt?
Wir stellen uns auf alles ein. Umso früher uns der Gast – vielleicht schon bei der Reservierung – Bescheid gibt, umso kreativer kann ich die Wünsche umsetzen.

Wie viele Griller und Smoker habt ihr?
Mein Partner ist ein ziemlicher Freak in diesem Bereich, ich habe viel von ihm gelernt. Wir haben drei Smoker, zwei Holzbacköfen, einen Gasgrill, drei Keramikgrills, einen Wokbrenner, zwei Feuertonnen und eine Jukebox.

Was landet bei euch auf dem Grill?
Wir haben eine gute Balance: Fleisch, Fisch, Gemüse – es ist alles mit dabei. Wir messen gutes Essen nicht mehr an Fleisch oder Fisch. Vegan und vegetarisch zu kochen, fordert Köche oftmals. Es ist schlimm, dass wir mit Lehrbüchern aus dem 19. Jahrhundert arbeiten. Denn der Zeitgeist ist ein anderer. Wir dürfen nicht nur über Plastik-Einsparungen reden, sondern auch darüber, welche und wie viele Tiere wir servieren und woher diese sind. Bei uns wird auch jemand glücklich, der weder Fleisch noch Fisch isst.

Maria Groß im Gespräch mit Alexandra Gorsche, Herausgeberin Falstaff PROFI.

Maria Groß im Gespräch mit Alexandra Gorsche, Herausgeberin Falstaff PROFI.

© Adrian Liebau / Gastrobild

Welche Alternativen zu Fleisch und Fisch bereitet ihr am Grill gerne zu?
Wir haben einen Hochleistungswok mit Gas. Zuckerschoten, Kraut und Paprika – günstige Produkte. Durch das Raucharoma, die Geschwindigkeit des Röstens, hast du eine gigantische Aromatik. Ein wenig Öl und Fleur de Sel – mehr braucht es nicht. Die ­Hitze ermöglicht einen Geschmack, der anders nicht zu erzielen ist.

Du hast trotz deiner TV-Präsenz kein Management – wird das so bleiben?
Auf jeden Fall, denn ohne Management habe ich Freiheiten, die ich sonst nicht hätte. Der Nachteil: es ist nicht so leicht, ohne Management in gewisse Formate hineinzurutschen. Aber das Leben ist echt limitert und man muss schauen, was Sinn macht, nur für dich und nicht für die anderen.

Was folgt als Nächstes?
Ich mache nur noch Herzensprojekte beziehungsweise Dinge, zu denen ich zu 100 Prozent stehe. Und so ein Projekt ist ein Podcast zusammen mit Elena Uhlig. Ab 1. April geht es los mit »Groß & Fett«.

www.mariaostzone.de

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Falstaff Profi Magazin 1/2020
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